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Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen

Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind

Von Ulrike Herrmann
15 Minuten
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Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen: Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind von Ulrike Herrmann

Ludwig Erhard hat das Wirtschaftswunder in Nachkriegsdeutschland möglich gemacht, die soziale Marktwirtschaft hat für soziale Gerechtigkeit gesorgt und die Wiedervereinigung war ein teures Unterfangen. So wurde es uns eingetrichtert – aber nichts davon ist wahr, denn die deutsche Wirtschaftsgeschichte basiert auf Mythen. Die Blinks zu Ulrike Herrmanns Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen (2019) rücken die deutsche Geschichtsschreibung zurecht und bringen unbequeme Tatsachen ans Licht.

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Ulrike Herrmann ist gelernte Bankkauffrau und hat Philosophie und Geschichte in Berlin studiert, seit 2006 arbeitet sie Wirtschaftskorrespondentin bei der taz. Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie durch ihre Auftritte in Funk und Fernsehen sowie durch ihre Sachbücher, zum Beispiel den Bestseller Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung (2016). 

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Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen

Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind

Von Ulrike Herrmann
  • Lesedauer: 15 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 9 Kernaussagen
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Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen: Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind von Ulrike Herrmann
Worum geht's

Ludwig Erhard hat das Wirtschaftswunder in Nachkriegsdeutschland möglich gemacht, die soziale Marktwirtschaft hat für soziale Gerechtigkeit gesorgt und die Wiedervereinigung war ein teures Unterfangen. So wurde es uns eingetrichtert – aber nichts davon ist wahr, denn die deutsche Wirtschaftsgeschichte basiert auf Mythen. Die Blinks zu Ulrike Herrmanns Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen (2019) rücken die deutsche Geschichtsschreibung zurecht und bringen unbequeme Tatsachen ans Licht.

Kernaussage 1 von 9

Ludwig Erhard wird als Vater der D-Mark verehrt, dabei geht die Währungsreform vor allem auf die US-Amerikaner zurück.

Wenn über die deutsche Nachkriegsgeschichte gesprochen wird, fällt eher früher als später der Name Ludwig Erhard. Der erste deutsche Bundeswirtschaftsminister soll praktisch im Alleingang für die Einführung der D-Mark gesorgt haben. So die Heldengeschichte. Dabei hat er in seiner Amtszeit von 1949 bis 1963 erstaunlich wenig zu diesem Meilenstein beigetragen. Die wirklichen Architekten der Währungsreform waren ganz andere.

Der Hintergrund ist folgender: Als die Alliierten nach Ende des Zweiten Weltkriegs in das zerstörte Deutschland kamen und die Verwaltung übernahmen, fanden sie einen gigantischen Schuldenberg vor. Der Staat hatte Verbindlichkeiten in Höhe von 380 Milliarden Reichsmark angehäuft. Gleichzeitig war der Umlauf an Bargeld zwischen 1939 und 1945 von 12 Milliarden auf 56 Milliarden Reichsmark gestiegen. Um eine neue wirtschaftliche Basis zu schaffen, musste ein Großteil des Geldes aus dem Verkehr gezogen werden. Die Lösung: eine Währungsreform.

In den Nachkriegsmonaten arbeiteten die Deutschen eilig daran, ein eigenes Konzept für eine Währungsreform zu entwickeln, um nicht von Maßnahmen der Alliierten überrollt zu werden. Zeitweise kursierten 250 verschiedene Reformvorschläge, die sich zum Teil widersprachen und nicht umsetzbar waren. Einer davon war der Homburger Plan. Der Wirtschaftsrat der amerikanisch-britischen Besatzungszone hatte ihn von einem Expertengremium unter Leitung von Ludwig Erhard entwickeln lassen. Der Vorschlag wurde von den Alliierten jedoch als nicht umsetzbar eingestuft und daher nicht übernommen – von wegen „Vater der D-Mark“.

Um den Deutschen nicht einfach eine Reform zu diktieren, wurden zehn deutsche Wirtschaftsexperten von den Alliierten zu einem Konklave nach Rothenburg geladen. Hier sollte die Reform ausgearbeitet werden. Die Deutschen versuchten zwar, ihren Homburger Plan durchzusetzen, aber ohne Erfolg.

De facto gaben die Alliierten die Leitlinien vor. Die gingen vor allem auf ein Konzept der drei US-Amerikaner Gerhard Colm, Joseph Dodge und Raymond Goldsmith zurück. Eine ganz besondere Rolle spielte außerdem der 26-jährige US-amerikanische Verbindungsoffizier Edward Tenenbaum. Er entschied maßgeblich, wie die deutsche Währungsreform schließlich aussah, die am 20. Juni 1948 in Kraft trat. Die Deutschen mussten sich damit begnügen, die zur Umsetzung notwendigen Gesetze, Formulare und Merkblätter zu formulieren.

Ludwig Erhard war übrigens nicht bei dem Konklave anwesend. Zum Direktor der amerikanisch-britischen Besatzungszone aufgestiegen, widmete er sich anderen Aufgaben. Und kurz darauf kletterte er die Karriereleiter weiter nach oben, um Deutschlands erster Bundeswirtschaftsminister zu werden und sich als Macher des Wirtschaftswunders zu inszenieren.

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