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Patient ohne Verfügung

Das Geschäft mit dem Lebensende

Von Matthias Thöns
10 Minuten
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Patient ohne Verfügung: Das Geschäft mit dem Lebensende von Matthias Thöns

Patient ohne Verfügung setzt sich kritisch mit dem deutschen Gesundheitssystem auseinander, in dem der Lebensabend todkranker Menschen oft aufwendig durch teure Geräte und Therapieansätze verlängert wird. Statt einem würdevollen Abgang bedeuten die Behandlungen jedoch oft Leid für die Patienten – und profitable Einnahmen für die Krankenhäuser. Eine Alternative ist die Palliativmedizin, die wirklich daran interessiert ist, die Leiden zu mindern und die Lebensqualität der Menschen zu wahren.

  • Jeder, der sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzt und in Würde ableben möchte
  • Menschen, die sich im letzten Lebensabschnitt befinden oder an einer schweren Krankheit leiden
  • Kritische Medizinstudenten, die etwas am aktuellen System verändern wollen

Matthias Thöns ist Anästhesist und seit 1998 als Narkose- und Palliativarzt tätig. Aktuell ist er auch Vorstand im Palliativnetz Witten e.V. und hat bereits als Sachverständiger im Rechtsausschuss zur Sterbehilfe-Debatte für den Deutschen Bundestag gearbeitet.

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Patient ohne Verfügung

Das Geschäft mit dem Lebensende

Von Matthias Thöns
  • Lesedauer: 10 Minuten
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Patient ohne Verfügung: Das Geschäft mit dem Lebensende von Matthias Thöns
Worum geht's

Patient ohne Verfügung setzt sich kritisch mit dem deutschen Gesundheitssystem auseinander, in dem der Lebensabend todkranker Menschen oft aufwendig durch teure Geräte und Therapieansätze verlängert wird. Statt einem würdevollen Abgang bedeuten die Behandlungen jedoch oft Leid für die Patienten – und profitable Einnahmen für die Krankenhäuser. Eine Alternative ist die Palliativmedizin, die wirklich daran interessiert ist, die Leiden zu mindern und die Lebensqualität der Menschen zu wahren.

Kernaussage 1 von 6

Übertherapie verlängert den Sterbeprozess von Patienten oft qualvoll, statt Leiden zu mindern.

„Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.“ Diese Zeile aus der Genfer Deklaration von 1948 unterstreicht die allgemeine Auffassung, die Medizin sollte die Leiden der Menschen lindern und heilen. Ein Blick hinter die Kulissen des deutschen Gesundheitssystems zeigt jedoch, dass dies nicht immer der Fall ist, sondern oftmals eine Übertherapie stattfindet.

Der Begriff Übertherapie bezeichnet eine unnötige Behandlung von Krankheiten, die besonders oft Patienten am Ende ihres Lebens betrifft.

Unnötig meint hier, dass die Aussicht auf eine Heilung de facto gleich null ist und der unabwendbare Tod mitunter leidvoll nach hinten verschoben wird. Ein Beispiel ist die Strahlentherapie von Krebspatienten im letzten Stadium ihrer Krankheit, die erst nach Monaten zur Linderung der Symptome führt. Häufig erleben Patienten aber nur noch die Wochen nach der Bestrahlung mit ihren oft schmerzhaften Entzündungsreaktionen.

Viele Patienten müssen im Rahmen der Übertherapie qualvolle medizinische Prozeduren über sich ergehen lassen. Die künstliche Ernährung über Sonden z.B. mag bei Defekten des normalen Speiseweges sinnvoll sein, sie wird aber häufig auch bei Tumorerkrankungen von Organen angewendet, die nichts mit der Nahrungsaufnahme zu tun haben. Die künstliche Ernährung führt erwiesenermaßen nur zu einer minimalen Verlängerung der Lebenszeit, dafür umso häufiger zu Komplikationen, weiteren Krankenhausaufenthalten und geringerer Lebensqualität.

Auch in Seniorenheimen werden viele ältere Menschen künstlich ernährt, um die Zeit der aufwendig assistierten Nahrungsaufnahme und damit verbundene Kosten zu sparen. Die Begründerin der Hospizbewegung Cicely Saunders sagte einst „Menschen sterben nicht, weil sie nicht essen. Sie essen nicht, weil sie sterben“. Warum wird dann der schwindende Lebenswunsch älterer und kranker Menschen durch eine Lebenspflicht ersetzt?

Menschen werden auf Teufel komm raus am Leben erhalten, während ihre Lebensqualität in den meisten Fällen rapide abnimmt. Warum ist das so und wer profitiert davon?

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