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Schulden

Die ersten 5.000 Jahre

Von David Graeber
16 Minuten
Audio-Version verfügbar
Schulden: Die ersten 5.000 Jahre von David Graeber

In diesem weitreichenden und ehrgeizigen Buch fordert der Anthropologe David Graeber die konventionelle Meinung über den Ursprung von Geld heraus und zeigt, dass die Menschen bereits lange vor der ersten Münzprägung ein komplexes System von Kredit und Schulden verwendeten. Graeber schöpft aus einem großen Schatz anthropologischer Literatur und erzählt die faszinierende Geschichte der Schulden. Ihre Entwicklung in den vergangenen 5000 Jahren hilft uns, die Finanzkrisen des letzten Jahrzehnts besser einordnen zu können.

  • Jeder, der sich für Anthropologie, Wirtschaft und Weltgeschichte interessiert
  • Jeder, der in die tieferen Zusammenhänge der Konzepte Geld und Wert eintauchen möchte
  • Jeder Student der Wirtschaft, Geschichte oder Politikwissenschaft

David Graeber ist ein amerikanischer Anthropologe, Aktivist und Professor an der London School of Economics. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Werttheorien, Schulden und die Geschichte des Geldes. Seine Werke über Anthropologie, Anarchismus und soziale Gerechtigkeit brachten ihm viele Anhänger. Bekannt ist er außerdem als einer der Initiatoren der Occupy-Bewegung.

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Entdecke die Kernaussagen zu diesem Titel:

Schulden

Die ersten 5.000 Jahre

Von David Graeber
  • Lesedauer: 16 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 10 Kernaussagen
Schulden: Die ersten 5.000 Jahre von David Graeber
Worum geht's

In diesem weitreichenden und ehrgeizigen Buch fordert der Anthropologe David Graeber die konventionelle Meinung über den Ursprung von Geld heraus und zeigt, dass die Menschen bereits lange vor der ersten Münzprägung ein komplexes System von Kredit und Schulden verwendeten. Graeber schöpft aus einem großen Schatz anthropologischer Literatur und erzählt die faszinierende Geschichte der Schulden. Ihre Entwicklung in den vergangenen 5000 Jahren hilft uns, die Finanzkrisen des letzten Jahrzehnts besser einordnen zu können.

Kernaussage 1 von 10

Alter Hut: Menschen machen seit jeher Geschäfte mit Formen von Schulden und Krediten.

In den meisten Lehrbüchern zu Wirtschaft und Geschichte ist zu lesen, dass die früheste Form von menschlichem Austausch in Form von Tauschgeschäften stattfand. Um diese Geschäfte zu erleichtern, erfanden die Menschen Geld, und um wiederum den Austausch von Geld zu erleichtern, entwickelten sie schließlich Darlehen – so weit, so gut.

Allerdings gibt es keinerlei Beweise dafür, dass der Tauschhandel wirklich der Vorgänger des Geldes war. In den meisten vorindustriellen Gesellschaften ist der Tauschhandel dem Geschäft zwischen Fremden vorbehalten. Die im Norden von Pakistan ansässigen Paschtunen etwa sind bekannt für ihre freigiebige Gastfreundlichkeit. Wenn sie es aber mit Menschen zu tun haben, denen sie sich nicht verpflichtet fühlen, wird die Freigiebigkeit zum sogenannten adal-badal, dem Tauschgeschäft.

Wenn dich ein Freund oder ein Familienmitglied um einen Gefallen bittet, ist dein erster Gedanke dann, wie du aus der Situation Profit schlagen kannst? Hoffentlich nicht! Wenn es nach der klassischen Wirtschaftswissenschaft geht, ist aber genau dies der Fall.

Tatsächlich steht bei den Ökonomen einiges kopf: Die Anthropologen behaupten nämlich, dass frühe Zivilisationen fiktive Gelder, also Darlehen und dergleichen, schon lange vor der ersten Münzprägung verwendeten – sogar vor der Erfindung des Tauschhandels: bereits etwa 3.500 v.Chr. im alten Mesopotamien. Der silberne Schekel fungierte damals als eigenständiges und universelles Buchhaltungssystem, doch der Großteil des Silbers wechselte nicht stetig die Hände, sondern lag wohlbehütet in den Schatzkammern von Tempeln und Palästen. Der Schekel diente zwar als Einheit, um Schulden zu berechnen – beglichen wurden diese dann allerdings in der dem Wert entsprechenden Menge Gerste, dem damaligen Grundnahrungsmittel.

Der Mythos um den Tauschhandel hält sich aber vor allem deswegen so gut, weil die Wirtschaftstheorie ihn braucht. Er liefert nämlich die Grundlage für die Annahme, dass alle Menschen nach Gewinnmaximierung streben und folglich jedem Gegenstand und jeder Leistung einen abstrakten und universellen Wert zuordnen, um das zu Tauschende miteinander vergleichen zu können. In Wahrheit ist dieses Denken in Wert und Gegenwert aber keineswegs natürlich, sondern vielmehr das Ergebnis eines historischen Prozesses.

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