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Die Zeichen der Sieger

Der Aufstieg Chinas im Spiegel seiner Sprache.

Von Thekla Chabbi
12 Minuten
Audio-Version verfügbar
Die Zeichen der Sieger von Thekla Chabbi

Weißt du, wie Chinesen am Computer schreiben? Oder wie es ihnen gelingt, sich die zahllosen Schriftzeichen ihrer Sprache zu merken? Nachdem du die Blinks zu Die Zeichen der Sieger (2019) gelesen hast, wirst du es wissen. Wir erklären dir diese und noch einige weitere Eigenheiten der chinesischen Sprache.

  • Alle, die sich für Sprache interessieren
  • Linguistinnen und Linguisten
  • Menschen, die so gar nichts über die chinesische Sprache wissen

Thekla Chabbi ist Autorin, Übersetzerin und studierte Sinologin. Sie übersetzte unter anderem die Romane des chinesischen Schriftstellers Li Er ins Deutsche. Für ihr Chinesisch-Lehrbuch Liao Liao wurde Chabbi mit dem Friedhelm-Denninghaus-Preis ausgezeichnet. 

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Die Zeichen der Sieger

Der Aufstieg Chinas im Spiegel seiner Sprache.

Von Thekla Chabbi
  • Lesedauer: 12 Minuten
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Die Zeichen der Sieger von Thekla Chabbi
Worum geht's

Weißt du, wie Chinesen am Computer schreiben? Oder wie es ihnen gelingt, sich die zahllosen Schriftzeichen ihrer Sprache zu merken? Nachdem du die Blinks zu Die Zeichen der Sieger (2019) gelesen hast, wirst du es wissen. Wir erklären dir diese und noch einige weitere Eigenheiten der chinesischen Sprache.

Kernaussage 1 von 7

Die Vierte-Mai-Bewegung stritt dafür, dass auch einfache Menschen Zugang zur Sprache bekamen.

Stell dir vor, alle Gesetzestexte und Geschichtsbücher, alle Romane und alle Werke der Philosophie in deinem Land wären in einer Sprache verfasst, die du gar nicht benutzt – etwa in Latein. Anstatt Bücher ganz einfach in der Sprache lesen zu können, mit der du aufgewachsen bist, in der du mit deinen Eltern sprichst und mit deinen Freunden schreibst, müsstest du extra noch einmal eine weitere und darüber hinaus auch noch komplizierte Sprache lernen. Ziemlich unnötig, nicht? 

Genau so ging es einem Großteil der chinesischen Bevölkerung noch zu Zeiten des Ersten Weltkriegs. Nur dass sie eben nicht Latein, sondern klassisches Chinesisch erlernen mussten – eine zu diesem Zeitpunkt bereits zweieinhalb Jahrtausende alte Sprache, in der schon Konfuzius geschrieben hatte. Diese Kunstsprache war eine ganz andere als die gesprochene Sprache, die sich über die Jahrhunderte auf natürliche Weise gewandelt hatte. Bildung blieb in China daher die längste Zeit eine rein elitäre Angelegenheit – für Herrscher und die aristokratische Oberschicht, die über Zeit und Mittel verfügten, das nur schwer zu erlernende Altchinesisch zu üben.

Erst die sogenannte Vierte-Mai-Bewegung sorgte im Jahr 1919 für das Ende der sprachlichen Zweiklassengesellschaft. Zum ersten und einzigen Mal in der chinesischen Geschichte fanden sich sämtliche gesellschaftlichen Gruppen zusammen, um gemeinsam für neue Rechte zu streiten. Arbeiter, Geschäftsleute und Intellektuelle, alle zogen an einem Strang. Diese demokratische Massenbewegung, aus der zwei Jahre später die Kommunistische Partei hervorgehen sollte, hatte ein Hauptanliegen: Sie wollte die Sprache verändern, damit auch ärmere Schichten endlich lesend zu Bildung gelangen konnten.

Als es der Vierten-Mai-Bewegung gelang, Texte in der Sprache des Alltags zu veröffentlichen, nahm auch rasch die Literarisierung in der chinesischen Bevölkerung zu, sie wurde gar zur Staatsräson der Kommunistischen Partei. Ein Problem blieb die gesprochene Sprache. Denn eine starke Nation braucht nicht nur ein mündiges Volk, sondern auch eine einheitliche Sprache. 

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