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Das andere Geschlecht

Sitte und Sexus der Frau

Von Simone de Beauvoir
27 Minuten
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Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau von Simone de Beauvoir

In ihrem einflussreichsten Buch, das 1949 in Frankreich erschien, untersuchte Simone de Beauvoir, wie die Frau von der zeitgenössischen Gesellschaft zu dem „anderen Geschlecht“, dem vom Mann abweichenden, gemacht wird. Durch eine 800 Seiten starke Analyse der Geschichte und Mythen über die Frau, deren Biologie und ihre eigenen Lebenserfahrungen kommt de Beauvoir zu dem Schluss, dass Frauen als negatives Gegenstück zu Männern gelten und von ihnen unterdrückt werden.

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Simone de Beauvoir (1908–1986) war eine französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin. Neben ihrem bekanntesten Werk Das andere Geschlecht (auf Deutsch erstmalig 1951 erschienen) hat sie auch mehrere Romane, Erzählungen, Essays, Reiseberichte und ihre Memoiren veröffentlicht. Die existenzialistische Intellektuelle, die mit dem Philosophen Jean-Paul Sartre liiert war, gilt als eine der Begründerinnen des modernen Feminismus.

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Das andere Geschlecht

Sitte und Sexus der Frau

Von Simone de Beauvoir
  • Lesedauer: 27 Minuten
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Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau von Simone de Beauvoir
Worum geht's

In ihrem einflussreichsten Buch, das 1949 in Frankreich erschien, untersuchte Simone de Beauvoir, wie die Frau von der zeitgenössischen Gesellschaft zu dem „anderen Geschlecht“, dem vom Mann abweichenden, gemacht wird. Durch eine 800 Seiten starke Analyse der Geschichte und Mythen über die Frau, deren Biologie und ihre eigenen Lebenserfahrungen kommt de Beauvoir zu dem Schluss, dass Frauen als negatives Gegenstück zu Männern gelten und von ihnen unterdrückt werden.

Kernaussage 1 von 17

Weder die Biologie noch die Psychoanalyse können die Statusdifferenz zwischen den Geschlechtern erklären.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Männern und Frauen? Mal ganz objektiv betrachtet wurde der Mensch von der Natur unterschiedlich ausgestattet: Frauen können Kinder bekommen, Männer haben mehr Muskeln. Das sind nur die größten Unterschiede, doch für sie wie für alle weiteren gilt: Sie machen uns zu verschiedenen Wesen, aber sie sorgen nicht dafür, dass ein Geschlecht besser oder mächtiger ist als das andere.

Frauen und Männer sind nicht gleich, aber sie sind gleichwertig. In unserer Biologie ist kein Machtgefälle zwischen den Geschlechtern eingebaut. Trotzdem kommt es uns oft so vor. Wir nennen z.B. Frauen das „schwache Geschlecht“, weil Männer einfach mehr Muskelkraft haben und größer sind. Das ist korrekt – aber wir denken hier zu kurz. Denn mehr Muskelkraft ist nur in einer Gesellschaft wichtig, in der physische Gewalt eine Rolle spielt. Wenn Gewalt in einer Kultur verboten ist, dann wird die Muskelkraft der Männer plötzlich bedeutungslos. Also ist es nicht die Natur, die die Frauen zum „schwachen Geschlecht“ macht, sondern unsere Kultur und Gesellschaft.

Es gibt biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, darüber besteht kein Zweifel. Doch ihre Bedeutung kommt weder von Gott noch von der Natur – sie wird von unserer Kultur bestimmt. Und unsere Gesellschaft wird seit so langer Zeit von Männern dominiert, dass uns alle Zuschreibungen, die auf biologische Unterlegenheit der Frauen abzielen, vorkommen wie eine Art Naturgesetz.

Die Biologie liefert also keine Erklärung für das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern. Ebensowenig kann das die Psychoanalyse. Freud argumentiert mit dem Penisneid: Er geht davon aus, dass es Frauen, weil sie keinen Penis haben, unbewusst so erscheint, als würde ihnen etwas Wichtiges fehlen. Dadurch fühlen sie sich zurückgesetzt, unvollständig und den Männern unterlegen.

Das Kernproblem an diesem Konzept ist, dass es auf einem absolut männlichen Modell beruht. Freud kann nur auf die Idee kommen, dass Frauen ein Penis fehlt, weil er dem Penis einen eigenen Wert zuschreibt. Er geht davon aus, dass jeder „normale Mensch“ einen besitzt – wer keinen hat, gehört eben nicht zur Norm, sondern zu den anderen.

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