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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Am Anfang der Geschichte
Die Frau als Mensch beleuchtet die vielfältigen Lebensrealitäten von Frauen, hinterfragt gesellschaftliche Normen und fordert eine neue Perspektive auf Feminismus. Ulli Lust kombiniert persönliche Erlebnisse mit kulturellen und sozialen Betrachtungen.
Wenn wir uns Darstellungen aus der Steinzeit anschauen, fällt etwas sofort auf: Sie zeigen fast immer weibliche Körper. Und diese Körper wirken weder versteckt noch beschämt. Im Gegenteil: Sie stehen selbstbewusst da und halten dem Betrachter manchmal sogar ihre Brüste entgegen. Solche Statuetten finden sich von Spanien bis nach China.
Für uns ist diese Schamfreiheit ungewohnt. Seit der griechischen Antike wird der weibliche Körper oft schamvoll verhüllt. Ein klassisches Beispiel ist Die Geburt der Venus von Sandro Botticelli: Venus verdeckt ihren Körper, ihr Blick ist zurückhaltend. Männliche Figuren dagegen treten meist selbstbewusst oder kämpferisch auf.
Solche Bilder sind kein Zufall. Sie sagen viel darüber aus, wie eine Gesellschaft tickt und wen sie als Norm betrachtet. Im Deutschen ist das bis heute spürbar: Wenn wir „der Mensch“ sagen, haben viele automatisch einen Mann im Kopf. Das prägt, wie wir Geschichte erzählen.
Als die ersten Archäologen – fast ausschließlich Männer – auf die steinzeitlichen Frauenfiguren stießen, passten sie nicht in ihr Weltbild. Also erklärten sie sie kurzerhand zu Fruchtbarkeits- oder Liebesgöttinnen. Daher auch der Name „Venusfiguren“. Die Idee, dass hier einfach reale Frauen dargestellt sein könnten, erschien ihnen zu skandalös.
Auch andere Vorstellungen, die wir lange von der Frühzeit hatten, geraten heute ins Wanken: Frauen seien schwach gewesen, hätten in der Höhle gesessen und sich um die Kinder gekümmert. Neuere Erkenntnisse widersprechen dem. Knochenfunde zeigen, dass viele Frauen kräftig gebaut waren – mit Schultern, wie man sie fürs Speerwerfen braucht. Und auch das Bild der ständig schwangeren Steinzeitfrau wackelt. Zwar zeigen einige Figuren Schwangerschaften, viele andere aber nicht. Heute geht man davon aus, dass Frauen damals nur ungefähr alle drei Jahre ein Kind bekamen und Methoden kannten, um ihre Fruchtbarkeit zu regulieren.
Die Frau als Mensch (2025) beschäftigt sich mit der Rolle der Frauen in der steinzeitlichen Gesellschaft. Wir sehen uns archäologische Funde und neue Perspektiven an, die dich dazu einladen, die Geschichte der Menschheit neu zu interpretieren.
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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
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