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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Eine Novelle über Realitätsverlust, Wahn und das Unheimliche
Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann ist eine düstere Erzählung, die Wahnsinn, Traum und Wirklichkeit vermischt. Die Geschichte erforscht die Auswirkungen traumatischer Kindheitserinnerungen und beleuchtet die Grenzen menschlicher Wahrnehmung.
Die Geschichte beginnt mit einem Brief. Nathanael, ein Student, schreibt an seinen Freund Lothar und berichtet von einem aufwühlenden Erlebnis: Ein Wetterglashändler habe ihn aufgesucht, ein Mann namens Giuseppe Coppola. Dieser Mann, davon ist Nathanael überzeugt, ist niemand anderes als der Advokat Coppelius – das Schreckgespenst seiner Kindheit.
Um zu verstehen, warum diese Begegnung Nathanael so aus der Bahn wirft, müssen wir viele Jahre in die Vergangenheit reisen, genauer gesagt in Nathanaels Kindheit.
Abends, wenn die Uhr neun schlägt, verändert sich die Stimmung im Haus. Der Vater, der sonst Geschichten erzählt und Tabak raucht, wird still. Die Mutter setzt ihre ernste Miene auf. Kurze Zeit später erklingen schwere, schleppende Schritte auf der Treppe. „Schnell ins Bett, der Sandmann kommt.“ Für Nathanael ist das kein Märchen, sondern Realität. Er ist sich sicher, dass der Sandmann abends wirklich kommt und sich zu seinem Vater ins Zimmer gesellt.
Jahrelang kann Nathanael nicht aufhören, an den Sandmann zu denken. Die Neugierde frisst sich in ihn hinein: Wer ist dieser Fremde, der seinen Vater so regelmäßig besucht? Eines Abends, er ist zehn Jahre alt, versteckt er sich im Zimmer des Vaters und wartet.
Was er dort sieht, brennt sich tief in sein Gedächtnis ein. Der Sandmann ist der Advokat Coppelius – ein breitschultriger, gelbgesichtiger Mann mit buschigen Augenbrauen und einem hämischen Grinsen. Zusammen mit dem Vater werkelt er an einem Herd und holt mit einer Zange glühende Gebilde aus dem Qualm. Flammen züngeln, augenlose Gesichter flackern in der Dunkelheit. Und dann entdeckt Coppelius den kleinen Nathanael in seinem Versteck.
„Augen her, Augen her!“, ruft er mit dumpfer Stimme. Er packt das Kind und wirft es auf den Herd. Der Vater fleht: „Lass meinem Nathanael die Augen!“ Coppelius lässt sie ihm, aber er schraubt ihm Hände und Füße ab und wieder an, wie ein Mechaniker einer Puppe.
Nathanael verliert das Bewusstsein und wacht erst Tage später aus seinen Fieberträumen wieder auf. Angsterfüllt erkundigt er sich nach dem Sandmann, doch der, so beruhigt ihn die Mutter, sei längst fort. Ein Jahr vergeht, bis er wieder erscheint.: Kurz nach dem Besuch liegt der Vater mit schwarz verbranntem Gesicht vor dem Herd. Coppelius ist spurlos verschwunden.
Seitdem trägt Nathanael dieses Bild mit sich. Und jetzt, Jahre später, taucht dieser Mann unter fremdem Namen und in Verkleidung wieder auf. Ist es wirklich Coppelius? Oder bildet Nathanael sich das ein?
Das ist die Frage, die von Anfang an im Raum steht. Klara, Nathanaels Verlobte und Lothars Schwester, benennt sie in einem nüchternen Antwortbrief ganz deutlich: Vielleicht existiert Coppelius nur in Nathanaels Innerem, vielleicht ist er ein Phantom seines eigenen Ichs.
Der Sandmann (1816) erzählt die Geschichte des Studenten Nathanael, dessen Leben von einer schrecklichen Kindheitserinnerung geprägt ist. Die Figur des Sandmanns begleitet und beschäftigt ihn auch im Erwachsenenalter noch. Sie prägt seine Beziehungen zur Außenwelt und zu sich selbst – so sehr, dass die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verschwimmen.
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