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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Verfall einer Familie
Buddenbrooks von Thomas Mann ist ein epischer Roman über den Aufstieg und Fall einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie über vier Generationen hinweg. Er untersucht Themen wie Tradition, Wandel und die Suche nach individuellem Glück.
Lübeck, 1835. Die stadtbekannte Kaufmannsfamilie Buddenbrook gibt ein Fest. Gefeiert wird die Fertigstellung ihres neuen, repräsentativen Hauses in der Mengstraße. Von dort aus soll ab sofort der internationale Weizenhandel gelenkt werden, der die Buddenbrooks märchenhaft reich gemacht hat. Das weißgetünchte Gebäude ist ein Stein gewordenes Symbol hanseatischen Wohlstands: hohe Decken, schwere Teppiche, Kristallgläser, Kronleuchter und Meißner Porzellan. Die Tische biegen sich unter der Last von silbernen Platten mit riesigen Schinkenlaiben, Fisch, Brot, Käse, Pudding, exotischen Früchten, Makronen und Eiercreme. Alles, was in Lübeck Rang und Namen hat, ist an diesem Tag erschienen: Kaufleute, Senatoren, Geschäftsfreunde, wichtige Vertreter der Bürgerschaft und Kirche. Sie alle feiern den Erfolg einer Familie, die ein Vermögen von stolzen 900.000 Kurantmark ihr Eigen nennen darf und sich im Zenit ihrer Macht befindet.
Gastgeber der exquisiten Veranstaltung ist der alte, würdige Konsul Johann Buddenbrook. Mit Fleiß, Pflichtbewusstsein und Härte hat er für seine Nachkommen Einfluss und Wohlstand erarbeitet. An seiner Seite stehen sein Sohn Jean – der zukünftige Chef des Hauses – und dessen Frau Elisabeth. Enkelsohn Thomas und Enkelin Antonie – „Tony” gerufen – spielen fröhlich unter den Gästen. Der Konsul ist stolz auf seine Familie. Nur die schon fast hysterische Frömmigkeit seines Sohnes bereitet ihm Sorge. Seine Schwiegertochter ist auch nicht besser. Sie hält tägliche Andachten und richtet für die Damen der Gesellschaft sogenannte „Jerusalem-Abende” aus. Ob diese beiden nicht zu weich sind, um so eine große Firma auf Erfolgskurs zu halten?
Ein paar Zimmer weiter windet sich Christian Buddenbrook, ein weiterer Enkelsohn des alten Konsuls, vor Schmerzen. Von all den Leckereien verführt, hat sich der Siebenjährige mit Süßigkeiten und schweren Speisen vollgestopft und kann jetzt vor Bauchschmerzen nicht mehr aufstehen. „Ich will nie wieder etwas essen!”, stöhnt er. Diese Szene – halb komisch, halb tragisch – deutet bereits an, wie es um die kommende Generation bestellt ist: verwöhnte Luxusgeschöpfe ganz ohne die Strenge und Disziplin, die diesen Wohlstand erst möglich gemacht haben, erbrechen sich an ihrem eigenen materiellen Überfluss.
Während drinnen noch dynastisches Denken und alte Kaufmanns-Traditionen hochgehalten werden, zieht draußen längst ein neuer Geist durch Europa. Die Industrialisierung verändert alles: Warenströme, Preise und Märkte. Doch in der Mengstraße scheint das alles weit weg. Man macht so weiter wie bisher, ohne nach links oder rechts zu schauen. Selbst die Revolution von 1848, die in vielen Städten die Ordnung erschüttert, berührt die Buddenbrooks kaum. Die Moderne klopft an die Tür – aber niemand macht auf.
Und so sitzen die Buddenbrooks weiter an ihren festlichen Tafeln, ohne zu bemerken, dass die Zukunft sich längst anderswo formt. Da ist zum Beispiel die Familie Hagenström, Geschäftskonkurrenten, die sich anschicken, den Buddenbrooks den Rang abzulaufen.
Noch aber sitzen die Buddenbrooks fest im Sattel, Wein und Selbstgewissheit fließen reichlich. Die Buddenbrooks sonnen sich in ihrem Erfolg und ahnen nicht, dass sich unter der glänzenden Fassade ihres neuen Hauses bereits erste Risse bilden.
Über mehrere Generationen hinweg erzählt Thomas Manns Klassiker Buddenbrooks (1901) wie eine einflussreiche Lübecker Kaufmannsfamilie nach und nach in der Bedeutungslosigkeit versinkt – und mit ihr eine ganze gesellschaftliche Ordnung.
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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari