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Das Euro-Paradox

Wie eine andere Geldpolitik Europa wieder zusammenführen kann

Von Yanis Varoufakis
19 Minuten
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Das Euro-Paradox: Wie eine andere Geldpolitik Europa wieder zusammenführen kann von Yanis Varoufakis

Nach über einem halben Jahrhundert emsiger Aufbauarbeit und dem Höhepunkt der Euro-Einführung läutete die Weltwirtschaftskrise 2008 das bislang dunkelste Kapitel der EU-Geschichte ein. Von hochverschuldeten Staaten, einem tiefen Graben zwischen Norden und Süden, über massive Arbeitslosigkeit, bis zur EU-Skepsis und dem Brexit: Anno 2016 droht das große Gemeinschaftsprojekt zu zerfallen, der Frieden zu bröckeln. Diese Blinks zeigen, welche Verantwortung die folgenschwere europäische Geldpolitik trägt und wie die EU gerettet werden kann.

  • Alle, die die Eurokrise besser verstehen möchten
  • Wirtschaftsstudenten und konstruktive Globalisierungskritiker
  • Jeder, der sich für weltwirtschaftliche Zusammenhänge interessiert

Der griechische Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis wurde der weltweiten Öffentlichkeit 2015 als griechischer Finanzminister der Syriza-Partei bekannt. Zuvor hatte er die Entstehung der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 in seinem Buch Der globale Minotaurus nachgezeichnet und zahlreiche Einladungen als Finanzexperte im US-Fernsehen bekommen. Als Ökonomieprofessor lehrt er 2017 an den Universitäten von Austin/Texas und Athen.

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Das Euro-Paradox

Wie eine andere Geldpolitik Europa wieder zusammenführen kann

Von Yanis Varoufakis
  • Lesedauer: 19 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 12 Kernaussagen
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Das Euro-Paradox: Wie eine andere Geldpolitik Europa wieder zusammenführen kann von Yanis Varoufakis
Worum geht's

Nach über einem halben Jahrhundert emsiger Aufbauarbeit und dem Höhepunkt der Euro-Einführung läutete die Weltwirtschaftskrise 2008 das bislang dunkelste Kapitel der EU-Geschichte ein. Von hochverschuldeten Staaten, einem tiefen Graben zwischen Norden und Süden, über massive Arbeitslosigkeit, bis zur EU-Skepsis und dem Brexit: Anno 2016 droht das große Gemeinschaftsprojekt zu zerfallen, der Frieden zu bröckeln. Diese Blinks zeigen, welche Verantwortung die folgenschwere europäische Geldpolitik trägt und wie die EU gerettet werden kann.

Kernaussage 1 von 12

Das Bretton-Woods-System stabilisierte nach dem Zweiten Weltkrieg die europäischen Währungen.

Wie so oft bei modernen Problemen muss man auch in Bezug auf die Euro- und Weltwirtschaftskrise 2008 in die Vergangenheit blicken, um die Gegenwart zu verstehen. Die Geschichte unserer heutigen Währungspolitik beginnt kaum drei Wochen nach dem D-Day 1944 – dem Einmarsch der Alliierten in der von den Nazis besetzten Normandie. Damals trafen sich Vertreter von 44 Ländern in der Kleinstadt Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire, um ein neues Finanzsystem zu erschaffen.

Oberstes Ziel des getroffenen Abkommens war die Wiederherstellung Europas als Wirtschaftsmacht und wichtigster Handelspartner der USA. Die europäischen Währungen hatten durch die horrenden Kriegsausgaben und Handelseinbrüche stark an Wert verloren und sollten mit festen Wechselkursen an die einzige stabile Währung nach dem Krieg gekoppelt werden: den US-Dollar. Das sollte die Währungen festigen, den Wiederaufbau erleichtern und eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise von 1929 verhindern. Um gleichzeitig die Stabilität des Dollars zu sichern, wurde dieser mit festen Wechselkursen an die Goldbestände gebunden. Jeder, der 35 Dollar besaß, sollte sie unabhängig von seiner Nationalität gegen eine Unze Gold tauschen können.

Die USA selbst profitierten natürlich selbst mehrfach von ihrer Hauptrolle: Die Warenexporte und Investitionen, mit denen die USA die europäische Wirtschaft in den 1950er- und 1960er-Jahren stabilisierten, waren im Wesentlichen Überschüsse, mit denen das Land seinen eigenen Haushalt konsolidieren konnte. Dadurch, dass die europäischen Länder oft mit Dollar bezahlten, die in Banken außerhalb Amerikas lagerten, floss die US-Währung stetig über den Atlantik zurück. Damit kauften die USA wiederum europäische Währungen wie den Franc, um den Umlauf der französischen Währung im Verhältnis zur Mark oder dem Dollar zu beeinflussen und die Entwicklung der verfügbaren Geldmengen und festgesetzten Wechselkurse zu kontrollieren.

All das bedeutete auch, dass das Bretton-Woods-System den USA ermöglichte, ihren Einfluss auf die europäischen Volkswirtschaften kontinuierlich auszubauen. Sie waren das einzige Land, das mit einer aufstrebenden Industrie und massiven Handelsbilanzüberschüssen aus dem Weltkrieg hervorging, und konnten die Weltwirtschaft jetzt zunehmend nach ihrem Vorbild formen.

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