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Willy Brandt

Die Biographie

Von Gregor Schöllgen
19 Minuten
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Willy Brandt: Die Biographie von Gregor Schöllgen

Mit der Biographie Willy Brandt (2001) skizziert Gregor Schöllgen ein sehr persönliches Bild des beliebten Ex-Kanzlers. Diese Blinks nehmen dich mit auf eine spannende Reise durch die hellen und dunklen Kapitel einer schillernden Karriere. Sie berichten über Brandts bewegtes Leben, von einer turbulenten Kindheit im Arbeitermilieu über seine journalistische Arbeit im norwegischen Exil bis zu seinem Aufstieg zum Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger.

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Gregor Schöllgen ist ein renommierter deutscher Historiker und Publizist. Er hat zahlreiche Bücher zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts veröffentlicht und sich mit der Aufzeichnung der Lebensgeschichten historischer Persönlichkeiten – von Max Weber bis Willy Brandt – einen Namen als Biograf gemacht. Er lehrt außerdem Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Erlangen.

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Willy Brandt

Die Biographie

Von Gregor Schöllgen
  • Lesedauer: 19 Minuten
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Willy Brandt: Die Biographie von Gregor Schöllgen
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Mit der Biographie Willy Brandt (2001) skizziert Gregor Schöllgen ein sehr persönliches Bild des beliebten Ex-Kanzlers. Diese Blinks nehmen dich mit auf eine spannende Reise durch die hellen und dunklen Kapitel einer schillernden Karriere. Sie berichten über Brandts bewegtes Leben, von einer turbulenten Kindheit im Arbeitermilieu über seine journalistische Arbeit im norwegischen Exil bis zu seinem Aufstieg zum Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger.

Kernaussage 1 von 12

Willy Brandt fand nach einer turbulenten Kindheit durch seinen Großvater zur Politik.

Auf den ersten Blick wirkt Willy Brandts politischer Werdegang wie ein steiles, stetiges Bergauf. Dabei führte sein Lebensweg keineswegs geradlinig zum Erfolg, sondern über unbequeme Umwege und schmerzhafte Rückschläge.

Willy Brandt kam nicht als „Willy Brandt“ zur Welt. Als Deutschland beliebtester Kanzler in spe am 18. Dezember 1913 in der Hansestadt Lübeck zur Welt kam, stand auf seiner Geburtsurkunde ein anderer Name, nämlich Herbert Ernst Karl Frahm. Brandt kam als uneheliches Kind zur Welt und lernte seinen leiblichen Vater nie kennen. Da seine Mutter sechs Tage in der Woche arbeitete, war auch diese Beziehung von Anfang an durch Abwesenheit und Distanz geprägt. Brandt wurde zunächst von einer Nachbarin betreut, bevor er mit fünf Jahren schließlich in die Obhut seines Großvaters Ludwig Frahm kam, der fortan die Vaterrolle übernahm.

Die turbulenten Umstände zu Hause wirkten sich überraschenderweise nicht auf die schulischen Leistungen des Jungen aus. Im Gegenteil: Er war wissbegierig und strebsam und ab 1928 eines der wenigen Arbeiterkinder, das ein Gymnasium besuchte. Seine Noten waren sogar so gut, dass man seiner Familie das Schulgeld als Begabtenförderung erließ. Genauso bemerkenswert wie seine Lernerfolge war sein ausgeprägtes Interesse für linke politische Theorien. So setzte Brandt sich bereits als Schulkind mit linker Literatur von Marx bis Kautsky auseinander. Das war ungewöhnlich für ein Kind aus einer traditionell eher „bildungsfernen“ Schicht.

Das Spannungsverhältnis zwischen seinem proletarischen Hintergrund und seinen frühen intellektuellen Ambitionen entfachte das Feuer des politischen Engagements. Besonders der Großvater Ludwig Frahm hatte großen Anteil daran, das Bewusstsein seines Enkels für die sozialen Unterschiede innerhalb der Gesellschaft zu schärfen. In seinen Memoiren schilderte Brandt später eines der prägendsten Ereignisse seiner Kindheit:

Als ihm der Arbeitgeber seines Großvaters während der Inflation 1921 zwei Laib Brot auf der Straße schenkte, hieß ihn Frahm Senior, die Brote umgehend zurückzubringen. Die Familie litt schwer unter der wirtschaftlichen Lage, aber der Großvater war als Lastwagenfahrer Teil der sozialistischen Arbeiterbewegung. Da stand der Arbeitgeber stellvertretend für den kapitalistischen Klassenfeind, und von dem ließ man sich nicht bestechen.

Obwohl Brandt später herausfand, dass Ludwig Frahm, seine engste Bezugsperson, gar nicht sein leiblicher Großvater war, prägte dessen politische Überzeugung den jungen Brandt maßgeblich. So war Brandt schon als Jugendlicher in sozialistischen Jugendbewegungen aktiv und wurde von seinen Mitschülern bald nur noch „der Politiker“ genannt. Als er 1930 der SPD beitrat, war er erst 17 Jahre alt.

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