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Außer Dienst

Eine Bilanz

Von Helmut Schmidt
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Außer Dienst: Eine Bilanz von Helmut Schmidt

In Außer Dienst (2008) zieht der große Altkanzler Helmut Schmidt Resümee über sein bewegtes Leben als bedeutender Politiker, Publizist und Philosoph. Er blickt schonungslos zurück auf die historische Entwicklung seit dem Kalten Krieg, bezieht Stellung zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen und spricht offen über persönliche Themen, eigene Versäumnisse und prägende Erfahrungen.

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  • Jeder, der glaubt, Geschichte spiele für die Politik der Gegenwart keine große Rolle

Der SPD-Politiker Helmut Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler und galt bis zu seinem Tod 2015 als einer der klügsten und kühnsten Köpfe der bundespolitischen Bühne. Bis zuletzt schaltete er sich immer wieder als Herausgeber der ZEIT, Talkshow-Gast oder charismatischer Interviewpartner in das politische und gesellschaftliche Geschehen ein und erwarb sich den Ruf des richtungsweisenden Staatsmannes.

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Außer Dienst

Eine Bilanz

Von Helmut Schmidt
  • Lesedauer: 16 Minuten
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Außer Dienst: Eine Bilanz von Helmut Schmidt
Worum geht's

In Außer Dienst (2008) zieht der große Altkanzler Helmut Schmidt Resümee über sein bewegtes Leben als bedeutender Politiker, Publizist und Philosoph. Er blickt schonungslos zurück auf die historische Entwicklung seit dem Kalten Krieg, bezieht Stellung zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen und spricht offen über persönliche Themen, eigene Versäumnisse und prägende Erfahrungen.

Kernaussage 1 von 10

In Politik und Gesellschaft müssen viele verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden.

Warum würdest du Politiker werden wollen? Mit Sicherheit doch aus idealistischen Gründen – wie die meisten anderen Menschen, die sich für eine Sache einsetzen und etwas verändern möchten. Aber wie verträgt sich dieser idealistische Drang mit den langsamen Mühlen eines Parlaments, in dem sich mindestens 300 Mitglieder auf eine gemeinsame Lösung einigen müssen?

Die Antwort lautet erwartungsgemäß: schwer. Aber fangen wir vorne an, wo bereits die Besetzung politischer Ämter komplex und risikoreich beginnt. Unter einer Bundesregierung müssen alle Regionen gemäß ihrer Wichtigkeit berücksichtigt werden und von zukünftigen Ministern weiß man – all ihren bisherigen Meriten zum Trotz – meist nicht, ob sie das angedachte Ministerium führen können. Angesichts der ungeheuren Menge an zu besetzenden Stellen – zu Schmidts Zeiten gab es alleine im Verteidigungsministerium und der Bundeswehr 700.000 Posten zu füllen – kann man unmöglich alle Anwärter kennen. Schmidts Wahl fiel oft nicht auf Überflieger, sondern auf einfache, aber loyale und zuverlässige Minister wie seinen Vertrauten Hans Matthöfer, den er seiner angeschlagenen Gesundheit zum Trotz zum Postminister ernannte.

Generell schätzte Schmidt die Erfahrung. Als Kritiker des neoliberal deregulierten Marktes wollte er die Prinzipien betrieblicher Mitbestimmung auf die ganze Wirtschaft übertragen. Entscheidungen über die Zukunft eines Unternehmens und dessen Arbeitsplätze sollten von gewählten Betriebsräten getroffen werden, die ökonomisch vernünftiger handelten als Vorstände. Tarifkonflikte sollten von den Tarifparteien selbst und nicht vom Staat gelöst werden, und Gewerkschaften sollten nach dem Prinzip von Einheitsgewerkschaften alle Arbeitnehmer eines Betriebs vertreten, unabhängig von ihren politischen Interessen.

Schmidt wusste schlussendlich auch, dass Kompromisse zur Demokratie dazugehören. Selbst wenn sich das eigene, idealistische Gewissen meldet, sind Kompromisse nötig, um den Frieden zu wahren. Wer Kompromisse und Frieden erreichen will, muss als Staatsmann oder -frau zuhören und mit seinen Gegnern reden können. Schmidt schätzte die konstruktive Auseinandersetzung und ließ als Kanzler seinem Vorgänger Willy Brandt den Parteivorsitz, damit dieser ihm weiter eine kritische Gegenstimme sein konnte.

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