Das sind die Blinks zu

Könnt ihr uns hören?

Eine Oral History des deutschen Rap

Von Jan Wehn & Davide Bortot
13 Minuten
Audio-Version verfügbar
Könnt ihr uns hören? von Jan Wehn & Davide Bortot

Deutschrap ist schon lange keine musikalische Randerscheinung mehr. Was vor ca. vierzig Jahren als Untergrundbewegung begann, gehört mittlerweile zum guten Ton. Wie es der deutsche Hip-Hop von den Kellerclubs bis ganz nach oben in die Charts geschafft hat, erzählen Jan Wehn und Davide Bortot in Könnt ihr uns hören? (2019). Aus über 100 Interviews mit Rappern, Journalisten und Rap-Aktivisten haben die beiden Autoren eine Oral History des Deutschrap zusammengestellt. Die folgenden Blinks sind eine Compilation aus den wichtigsten Entwicklungsschritten und Höhepunkten dieser Geschichte, von den Achtzigern bis ins Jahr 2019.

  • Rapper, Hustler, Gangster, Sprayer, MCs, DJs und ihre Crews
  • Deutschrap-Fans, die auf ihr Buch gewartet haben
  • Alle, die sich für deutschen Hip-Hop interessieren

Jan Wehn ist Musikjournalist durch und durch. Er schrieb unter anderem für JUICE, Zeit Online und INTRO und arbeitete als Redakteur bei SPEX und DE:BUG. Heute ist er Redakteur bei Das Wetter und Mitbegründer des Hip-Hop-Magazins ALL GOOD.

Davide Bortot gilt im Musikjournalismus als Experte für deutschen Hip-Hop. Von 2003 bis 2007 war er Chefredakteur beim legendären Magazin JUICE. Inzwischen betreibt er ein Unternehmen für Design und digitale Produkte in Berlin.

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Könnt ihr uns hören?

Eine Oral History des deutschen Rap

Von Jan Wehn & Davide Bortot
  • Lesedauer: 13 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 8 Kernaussagen
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Könnt ihr uns hören? von Jan Wehn & Davide Bortot
Worum geht's

Deutschrap ist schon lange keine musikalische Randerscheinung mehr. Was vor ca. vierzig Jahren als Untergrundbewegung begann, gehört mittlerweile zum guten Ton. Wie es der deutsche Hip-Hop von den Kellerclubs bis ganz nach oben in die Charts geschafft hat, erzählen Jan Wehn und Davide Bortot in Könnt ihr uns hören? (2019). Aus über 100 Interviews mit Rappern, Journalisten und Rap-Aktivisten haben die beiden Autoren eine Oral History des Deutschrap zusammengestellt. Die folgenden Blinks sind eine Compilation aus den wichtigsten Entwicklungsschritten und Höhepunkten dieser Geschichte, von den Achtzigern bis ins Jahr 2019.

Kernaussage 1 von 8

In den Achtzigern war deutscher Hip-Hop ein Randphänomen. 

Stell dir vor, du bist sechzehn und es ist das Jahr 1980. Bisher kanntest du nur Rock ’n’ Roll und die Popmusik der Siebziger, doch eines Tages stehst du im Plattenladen und hörst zum ersten Mal Hip-Hop – eine musikalische Offenbarung.

Die Geschichte des deutschen Hip-Hops beginnt genau dort: in Plattenläden, Zeitschriften, im Radio und Fernsehen der Achtziger. Hier wurde nun immer öfter über den „heißesten Scheiß“ aus den USA geredet. Die deutschen Teenager waren fasziniert von dieser fremden Subkultur und sie begannen, ihre US-amerikanischen Idole nachzuahmen. Cora E. , Rapperin der ersten Stunde, bastelte sich aus Ton und Farbe ihr persönliches Nameplate – eine goldene Gürtelschnalle mit dem eigenen Namen. Zu kaufen gab es solche Hip-Hop-Accessoires damals nirgends. 

Die deutsche Hip-Hop-Kultur folgte zu dieser Zeit noch dem DIY-Prinzip, und zwar in allen Bereichen: Ob Style, Rap, Beats, Breakdance oder Graffiti, alles musste man sich selbst zusammenreimen. Schließlich gab es im deutschsprachigen Raum noch niemanden, der einem zeigen konnte, wie es ging. Vielen jungen Leuten erschien es besonders reizvoll, sich einen Alter Ego zuzulegen. Hip-Hop gab ihnen die Möglichkeit, in eine selbst gewählte Rolle zu schlüpfen.

Auch die Sprache übernahmen die deutschen Hip-Hop-Pioniere zunächst von ihren US-amerikanischen Vorbildern. Auf Deutsch zu rappen sei damals niemandem in den Sinn gekommen, erklärt Doktor Renz von Fettes Brot. Die deutschen Rapper mussten sich ja schon mit der Tatsache abfinden, dass sie eine andere Hautfarbe hatten als ihre Vorbilder. Da wollten sie wenigstens in der gleichen Sprache rappen. 

Deutschsprachige Rap-Songs waren meistens eher ironisch gemeint. Die Musik von Falco oder Thomas Gottschalk beispielsweise hatte kaum etwas mit echtem Hip-Hop zu tun. Rick Ski von Blitz Mob erzählt, bei den beiden habe man immer den Eindruck gehabt, die hätten sich einfach „Ach, das kann ich auch!“ gedacht und losgelegt. 

Es dauerte also eine ganze Weile, bis sich die deutsche Sprache im Genre durchsetzen konnte. Pioniere in diesem Bereich waren der Rapper Torch und die Gruppe Advanced Chemistry. Fremd im eigenen Land von Advanced Chemistry war einer der ersten deutschen Rap-Songs, die in der Szene bekannt wurden. 

Doch obwohl Hip-Hop unter den Jugendlichen immer beliebter wurde, blieb es vorerst ein Randphänomen. Die meisten Leute hörten deutsche Rapmusik zum ersten Mal, als die Fantastischen Vier im Radio liefen.

Weil die Hip-Hop-Szene so klein war, organisierten sich viele Rapper, Sprayer und Breakdancer zuerst in sogenannten Jams, bei denen sie die verschiedenen Elemente des Hip-Hops gemeinsam ausleben konnten. Oftmals mussten sie dafür durch die halbe Republik fahren, denn es war damals gar nicht so leicht, Gleichgesinnte zu finden.

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