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Das sind die Blinks zu

"I have a dream"

Die Kunst der freien Rede

Von Johan Schloemann
13 Minuten
Audio-Version verfügbar
"I have a dream" von Johan Schloemann

Die freie Rede umweht ein magischer Schleier. Wir verbinden mit ihr große Persönlichkeiten, die sich für Freiheit und Demokratie eingesetzt haben. Martin Luther Kings berühmte Worte „I have a dream” etwa haben sich vielen als Vorbild für exzellente Redekunst ins Gedächtnis gebrannt. Aber auch für Hetze und Volksmanipulation gibt es viele Beispiele in der Geschichte der Rhetorik. Die Blinks zu Johan Schloemanns I have a dream (2019) erzählen, wie sich die freie Rede von der Antike bis in die Gegenwart entwickelt hat. 

  • Fans von großen Rednern wie Cicero, Martin Luther King und Barack Obama
  • Alle, die wissen wollen, wie Demokratie und Rhetorik zusammenhängen
  • Geschichtsinteressierte

Johan Schloemann ist Experte auf dem Gebiet der freien Rede. Der renommierte Publizist hat mit einer Arbeit zur griechischen Rhetorik promoviert und schreibt in der Süddeutschen Zeitung über geisteswissenschaftliche Themen und Debatten. I have a dream ist sein erstes Buch und wurde in Deutschland zum Bestseller.

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"I have a dream"

Die Kunst der freien Rede

Von Johan Schloemann
  • Lesedauer: 13 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 8 Kernaussagen
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"I have a dream" von Johan Schloemann
Worum geht's

Die freie Rede umweht ein magischer Schleier. Wir verbinden mit ihr große Persönlichkeiten, die sich für Freiheit und Demokratie eingesetzt haben. Martin Luther Kings berühmte Worte „I have a dream” etwa haben sich vielen als Vorbild für exzellente Redekunst ins Gedächtnis gebrannt. Aber auch für Hetze und Volksmanipulation gibt es viele Beispiele in der Geschichte der Rhetorik. Die Blinks zu Johan Schloemanns I have a dream (2019) erzählen, wie sich die freie Rede von der Antike bis in die Gegenwart entwickelt hat. 

Kernaussage 1 von 8

Mit der Demokratie entsteht im antiken Athen die professionelle Redekunst.

Stell dir vor, du stehst unter freiem Himmel vor 6000 Menschen und alle Augen sind auf dich gerichtet. Du sollst deine Idee für ein neues Gesetz vorstellen – echte Demokratie eben. Das Blöde nur: Das Mikrofon ist noch nicht erfunden worden, und wenn du zu leise oder zu langweilig sprichst, wird sich die Menge über dich lustig machen. Was sich wie ein klamaukiger Film anhört, war im antiken Athen politischer Alltag.

Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstand dort die erste bekannte Demokratie der Welt. Und die Athener nahmen den Begriff Demokratie – wörtlich übersetzt Herrschaft des Volkes – so ernst, dass über Gesetze tatsächlich per Mehrheitsbeschluss von allen Bürgern entschieden wurde. Jeder durfte Vorschläge machen, er musste sie lediglich in freier Rede vor dem versammelten Volk präsentieren. Was im ersten Moment nach idealer Demokratie klingt, hatte aber seine Tücken.

Zum einen hatten nur Männer Rede- und Abstimmungsrecht. Und zum anderen spielte die unmittelbare Gunst des Publikums eine so große Rolle, dass es populistische Vorschläge oft leichter hatten als differenzierte Argumente. Wer nicht gefiel, wurde mit lauten kataba, kataba!-Rufen bedacht, was so viel bedeutet wie aufhören, aufhören. Es ist kein Wunder, dass in dieser Zeit der Begriff des Demagogen entstand – des Volksverführers.

Um dem Druck standzuhalten, gewann die schriftliche Vorbereitung der Rede an Bedeutung. Im 5. Jahrhundert vor Christus waren Griffel und Papyrus noch neu. Sie drangen zwar vermehrt in verschiedene Lebensbereiche vor, ein gewisser Argwohn gegenüber der Schrift blieb jedoch. So war es bei einer Rede etwa verpönt, von einem Manuskript abzulesen. Das neue Medium wurde als elitär und volksfern empfunden. 

Parallel dazu entstanden zwei neue Berufe: der Ghostwriter und der Coach. Vor allem in Gerichtsprozessen, in denen jede Partei für sich sprechen musste, um die oft mehr als 500 ausgelosten Laienrichter von sich zu überzeugen, ließ man Verteidigungsreden gegen Honorar von jemandem mit rhetorischer Begabung schreiben. In Redeschulen wiederum konnte man von Profis lernen, wie man sie sich gut einprägte und effektvoll präsentierte. 

Wie du dir vorstellen kannst, blühte die freie Rede in dieser Zeit auf. Doch zu professionell durfte eine Rede auch nicht sein, denn das machte die Athener skeptisch.

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