Erzählende Affen Buchzusammenfassung - das Wichtigste aus Erzählende Affen
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Zusammenfassung von Erzählende Affen

Samira El Ouassil & Friedemann Karig

Mythen, Lügen, Utopien - wie Geschichten unser Leben bestimmen

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30 Min.

Kurz zusammengefasst

Erzählende Affen ist ein Buch, das unsere tierischen Verwandten zeigt. Es erzählt Geschichten von Affen und wie sie mit uns Menschen in Beziehung treten. Eine faszinierende Lektüre über die Natur der Tiere.

Inhaltsübersicht

    Erzählende Affen
    in 5 Kernaussagen verstehen

    Audio & Text in der Blinkist App
    Kernaussage 1 von 5

    Warum wir Geschichten erzählen, und wie wir sie erzählen

    Reisen wir ein paar Tausend Jahre zurück, zu unseren Urahnen. Wir sehen ein paar Steinzeitmenschen, die sich abends um ein knisterndes Lagerfeuer versammelt haben. Und was macht man am Lagerfeuer, wenn niemand eine Gitarre dabei hat, um Wonderwall zu schmettern? Genau, man erzählt eine gute Gruselgeschichte. Also fängt der Älteste an zu erzählen: Als sie letztens auf der Jagd durch die Savanne streiften, hörte jemand in der Nähe des Wasserlochs eine Löwenfamilie. Eine Löwin pirschte sich an, aber zum Glück hatte der Älteste seinen Speer dabei, und er wusste, dass einen Steinwurf entfernt doch dieser Affenbrotbaum stand, auf dem sie notfalls Schutz suchen konnten.

    So oder so ähnlich werden wohl die ersten Geschichten der Menschheit geklungen haben. Klar, sie waren hoffentlich spannend erzählt, aber noch viel wichtiger: Alle Zuhörenden erhielten dadurch wichtige Informationen. Der Stammesälteste hatte ja offensichtlich etwas richtig gemacht. Er hatte überlebt. Und nur wer überlebte, konnte auch davon erzählen

    Und jetzt stell dir mal ein paar Kilometer weiter ein Lagerfeuer vor, an dem eine Gruppe von Homo sapiens nicht das kommunikative Wundermittel der Erzählung für sich entdeckt hatte. Niemand würde gebannt zuhören, und kritische Informationen würden verloren gehen. Kurzum, die Geschichtenerzähler unter unseren Vorfahren hatten einen glasklaren Vorteil gegenüber ihren Stammesnachbarn, die sich nichts zu erzählen wussten. Wer gut erzählen konnte, hatte evolutionär die Nase vorn. Und aus diesem Grund tun wir das auch heute noch gern – zumindest, wenn keine Nervensäge mit Wonderwall anfängt.

    So viel zu der Funktion des Geschichtenerzählens. Bleibt aber die Frage: Was ist eine Geschichte überhaupt? Wie unterscheidet sie sich, beispielsweise, von einem einfachen informativen Bericht, einer Zustandsbeschreibung oder, sagen wir, einer Bedienungsanleitung?

    Eine Sache, die wir sicher festhalten können und die schon Aristoteles wusste: Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Erster, zweiter, dritter Akt. Exposition, Konflikt, Auflösung. Verliebt, verlobt, verheiratet. Eine weitere Zutat: Jede gute Geschichte hat einen Helden und am besten auch einen Bösewicht beziehungsweise, etwas wertfreier ausgedrückt: einen Antagonisten. Und am besten muss der Held dann irgendein Problem lösen, den Antagonisten besiegen, ein Rätsel lösen oder einen vierköpfigen Drachen erschlagen. Und am Ende hat er etwas dazugelernt und ist ein anderer Mensch, wenn auch nur minimal. Es gibt immer ein Vorher und ein Nachher. Jede Geschichte erzählt von einer Transformation. Anders ausgedrückt: Sie ist das kommunikative Mittel, das Wandel beschreiben kann. 

    Wenn du sagst: Ich lag im Bett, dann ist das keine Geschichte. Wenn du sagst: Ich lag im Bett, und plötzlich sah ich mich in ein riesiges Ungeziefer verwandelt, dann ist es schon eine Geschichte, und wahrscheinlich eine ziemlich absurde. Liebe Grüße an Franz Kafka.

    Schön und gut, jede Geschichte handelt also von einer Veränderung. Aber wie geht diese Veränderung genau vonstatten? Hier betreten wir den Bereich der Erzählmuster. Etliche Narratologen, Mythenforscherinnen und Menschen aus der Literaturwissenschaft haben sich mit der Frage beschäftigt. 

    Dabei sind etliche verschiedene Theorien und Ordnungsversuche herausgekommen, aber der absolute Klassiker unter den Erzählmustern, der auch heute noch in Benutzung ist, ist die sogenannte Heldenreise. Diese Erkenntnis geht zurück auf den US-amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell, der Sagen, Legenden, Überlieferungen, religiöse Texte und Märchen untersuchte. Dabei stellte Campbell fest, dass diese Geschichten alle etwas gemeinsam haben: Ein Held oder eine Heldin bekommt einen Auftrag, begibt sich auf eine Reise, überwindet Hindernisse und macht eine psychologische Transformation durch. Jona geht nach Ninive, Alice ins Wunderland und Frodo quer durch Mittelerde. 

    Das ist ein Muster, das heute noch vor allem in Filmen, Serien und Roman gern angewandt wird. Aber man findet es in Spurenelementen auch in ganz alltäglichen Erzählungen wieder – wenn du erzählst, wie du zum ersten Mal in dem neuen Getränkemarkt warst, dich durch den Dschungel aus seltsamen, neuen Drinks getraut und schließlich ein überraschend nettes Wort mit dem Kassierer gewechselt hast – dann ist das auch eine Form von Heldenreise, nur vielleicht nicht ganz so heldenhaft. 

    Dieses Grundthema der Heldenreise zeigt sich nun in verschiedenen Variationen. Es gibt ja viele Arten, heldenhaft zu reisen. Ein in der heutigen Kultur sehr beliebtes Erzählmuster wäre etwa der Aufstieg, also all die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Storylines, auf Englisch: rags to riches. Denk an Oliver Twist! Umgekehrt wird auch ein Schuh draus, dann werden wir eben Zeuge eines Absturzes. Romeo und Julia etwa stürzen tief ab. Das Muster des Abstiegs hat logischerweise ein tragisches Ende, der Aufstieg hingegen ein Happy End.

    Etwas mehr Abwechslung gibt es bei dem Aschenputtel-Muster. Hier geht die Linie nicht geradeaus nach oben oder unten, sondern hier gleicht der Plot eher dem Auf und Ab einer Achterbahnfahrt. Mal sieht es so aus, als ob unsere Heldin es packt, mal nicht. Ein nobler Protagonist betritt die Bühne, erlebt dank eines Mentors einen ersten Erfolg, erfährt dann einen herben Rückschlag, bevor er sich am unglücklichsten Punkt aufrappelt, wieder hochkämpft und ein Happy End erlebt – also beispielsweise den Prinzen heiratet. Du kennst das Muster aber auch aus Der Herr der Ringe oder Star Wars. Es ist eine der beliebtesten und übrigens auch lukrativsten Storylines überhaupt.

    Diese Erzählmuster beschreiben, wie es um das Schicksal des Helden im Verlaufe der Story steht. Bei den sogenannten Masterplots – einer weiteren Art, Geschichten zu kategorisieren – geht es eher um die Themen und Motive der Geschichte. 

    Ein typischer Masterplot ist die Rivalität. Gott gegen Satan, Kapitän Ahab gegen Moby Dick, Scholz gegen Merkel, Messi gegen Ronaldo. Fast jeder Wettstreit, sei es nun ein Wahlkampf oder eine Sportübertragung, folgt diesem Plot. 

    Ein weiterer Masterplot ist die Suche – denken wir nur an die unzähligen Verkupplungsshows im Fernsehen. Wird König Artus den heiligen Gral finden und die Bachelorette ihren Traumpartner? Der Ausgang ist offen, die Spannung garantiert. 

    Bei der Metamorphose geht es meist um eine äußerliche Verwandlung. Das kann der Frosch sein, der sich plötzlich in einen Prinzen verwandelt. Aber auch eine Wohnung, die in der RTL-Serie Einsatz in 4 Wänden auf Vordermann gebracht wird. 

    Besonders erfolgreich sind Formate, die verschiedene Masterplots vermischen, zum Beispiel Germany’s Next Topmodel. Da haben wir die Rivalität zwischen den Kandidatinnen, die auch gern mal geweckt und dann forciert wird. Es gibt die Metamorphose, die Verwandlung des unschuldigen Mädchens vom Lande in die vermeintlich erwachsene Frau, die selbstbewusst und halb nackt durch New York stapft. Und dann natürlich die Suche – es wird ja Deutschlands nächstes Topmodel gesucht. Bei solchen narrativen Mischtüten wird es wahrscheinlicher, dass für jede und jeden etwas dabei ist.

    Um es noch einmal zusammenzufassen: Geschichten sind eine sehr effektive Form, um Veränderungen zu erfassen und zu kommunizieren – es geht darin immer um Wandel. Das Erzählmuster kann variieren, aber im Zentrum steht Veränderung. Und da sich unsere Umwelt ständig wandelt, hatten unsere Geschichten erzählenden Vorfahren einen klaren Überlebensvorteil – und deshalb lieben wir auch heute noch Geschichten. 

    Sind wir damit am Happy End dieser Blinks angelangt? Weit gefehlt. Denn wie in jeder guten Geschichte hat die Sache auch einen Haken.

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    Kernaussagen in Erzählende Affen

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    Worum geht es in Erzählende Affen?

    Was sind Geschichten – und warum erzählen wir Menschen uns so viele davon? Das Erzählen ist tief in der menschlichen Geschichte verankert, es stiftet Sinn und Gemeinschaft. Manchmal aber fallen wir auf uralte narrative Muster herein, ohne es zu merken. Die Blinks zu Erzählende Affen (2021) gehen schädigenden Narrativen auf den Grund und erklären, wie wir es künftig besser machen können.

    Wer Erzählende Affen lesen sollte

    • Märchen- und Geschichtenerzählerinnen ebenso wie Faktenfetischisten
    • Heldinnen, Helden und alle, die es werden wollen
    • Wer nicht nur von einer besseren Zukunft träumen möchte

    Über den Autor

    Samira El Ouassil ist Autorin, Journalistin, Schauspielerin, Musikerin, Podcasterin und wahrscheinlich noch viel mehr. Die Münchnerin hat schon Bundestagsreden und Comedytexte geschrieben, beinahe Kanzlerkandidatin war sie auch – aber das ist eine andere Geschichte. Vom Medium Magazin wurde El Ouassil 2021 zur Kulturjournalistin des Jahres gekürt. 

    Friedemann Karig moderiert gemeinsam mit El Ouassil den Podcast Piratensender Powerplay. Auch Karig ist Journalist und Autor. Er selbst beschreibt sich als „Zukunftsforscher, strategischer Planer, Journalist, Pferdeflüsterer, Moderator, Gastronom und DJ, und zwar in Berlin, Barcelona und Bali“.

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