Hol dir mit Blinkist die besten Erkenntnisse aus mehr als 7.500 Sachbüchern und Podcasts. In 15 Minuten lesen oder anhören!
Kostenlos loslegen
Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Vom Verschwinden des Spielraums
Situation und Konstellation von Hartmut Rosa untersucht die Wechselwirkungen zwischen sozialen und individuellen Dynamiken in der modernen Gesellschaft. Es bietet Einblicke in die Resonanztheorie und ihre Anwendung auf soziale Beziehungen und Strukturen.
Vielleicht kennst du das: Du hast ein Problem mit deinem Internetanschluss, also rufst du den Kundenservice deines Anbieters an. Es meldet sich eine Automatenstimme: „Handelt es sich bei Ihrem Anliegen um ein technisches Problem, wählen Sie bitte die 1. Wenn Sie eine Frage zu Ihrem Kundenkonto haben, wählen Sie die 2. Möchten Sie den Tarif wechseln, wählen Sie bitte die 3.“ Frustriert tippst du irgendeine Nummer, so richtig trifft keine von ihnen auf deine Situation zu. Am liebsten würdest du einfach mit einem echten Menschen sprechen, dem du in Ruhe alles schildern kannst.
Diese sture Wenn-dann-Logik ist ein typisches Beispiel für das, was Hartmut Rosa Konstellation nennt. Konstellationen zerlegen die Wirklichkeit in klar erfassbare Einzelparameter: Frist eingehalten oder nicht, Fahrschein vorhanden oder nicht, Wert im Normbereich oder nicht. Konstellatives Handeln orientiert sich an Ja oder Nein, richtig oder falsch, schwarz oder weiß.
Das Gegenstück zur Konstellation ist die Situation. Damit meint Rosa eine lebendige, offene und nie ganz abschließbare Lage. Hier zählen Kontext, Erfahrung, Atmosphäre und moralisches Abwägen. Situationen brauchen Fingerspitzengefühl und Urteilskraft, situatives Handeln bedeutet: Alles hängt mit allem zusammen; wir haben es mit einer Kommt-drauf-an-Logik zu tun.
Nun walten aber im modernen Zeitalter Kräfte und Institutionen, die die situative Logik durch die konstellative Logik ersetzen: Bürokratische Formulare und Normen arbeiten mit Konstellationen, ebenso der Algorithmus digitaler Anwendungen. So wird die Welt zwar steuerbar, aber sie verliert ihre Tiefe.
Denk noch mal an das Mädchen mit dem heruntergefallenen Burger und das aberkannte Tor im Fußballstadion zurück. In beiden Fällen gibt es Verantwortliche, echte Menschen, die zuständig sind. Doch die Ironie ist: Sie können nicht wirklich etwas entscheiden – ihre persönliche Einschätzung zählt nicht. Der Burger-Verkäufer darf nicht einfach eine Ausnahme machen, der Schiedsrichter kann den Videobeweis nicht ignorieren. Das System trifft die Entscheidung, der Mensch wird zum bloßen Vollzieher reduziert.
Der Alltag ist voll von solchen Beispielen: Beim Kinobesuch fällt dir erst am Kassenhäuschen auf, dass du versehentlich Tickets für den falschen Tag gekauft hast. Obwohl noch Platz im Kino wäre, kann die Kassiererin die Tickets nicht einfach umdatieren. „Computer says no.“
Oder stell dir vor, du bist Studentin und brauchst wegen einer privaten Krise mehr Zeit für deine Hausarbeit. Früher hätte der Dozent im Gespräch mit dir selbst entscheiden können, ob eine Fristverlängerung gerechtfertigt ist. Heute macht dir das elektronische System einen Strich durch die Rechnung: Frist abgelaufen, Fall ans Prüfungsamt. Dort wird die individuelle Lage zwangsläufig in einen Kriterienkatalog übersetzt und deine Chancen stehen schlecht.
Dasselbe Muster zeigt sich beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel. Hatte der Schaffner früher Spielraum, die individuelle Situation abzuwägen und vielleicht ein Auge zuzudrücken, entscheidet heute das Kontrollgerät. Wer kein oder das falsche Ticket gelöst hat, egal ob absichtlich oder aus Versehen, muss den doppelten Fahrpreis zahlen, Einspruch geht nur schriftlich. Diese Regel schafft Gleichbehandlung und schützt vor Willkür, nimmt dem Personal aber zugleich die Möglichkeit, nach Augenmaß zu handeln. Der Reisende begegnet nicht mehr einer Person, sondern einer Vollzugsinstanz.
Sogar in Freizeit, Kunst und Kultur lässt sich diese Tendenz beobachten. Bauten Kinder früher aus bunt durcheinandergewürfelten Legosteinen die wildesten Fantasiewerke zusammen, arbeiten sie heute oft vorgegebene Modelle nach Bauplan ab. Die Bauwerke sind nicht länger Spiegel ihrer inneren Welt, sondern erfüllen äußere Vorgaben. Ähnliches lässt sich in der Musik beobachten: Musste man früher beim Musikmachen mühsam ein Instrument und Musiktheorie erlernen, kann man heute einfach ein paar Prompts und Soundfiles in eine KI laden, die in Sekundenschnelle einen Song ausspuckt. Klar, auch hierbei entsteht etwas Neues und es kann sogar Spaß machen, aber das Verhältnis zur Musik wird distanzierter. Man eignet sie sich nicht mehr an und wird mit Leib und Seele Teil von ihr, sondern bedient sich an ihren Bausteinen – Komponieren mit ein paar Klicks.
Doch was bedeutet dieser Wandel von komplexen Situationen hin zu quantifizierbaren Konstellationen für uns Menschen? Nun, einerseits produziert er messbare und vorhersehbare Ergebnisse, was seine Vorteile hat. Andererseits setzt er die Akteure, also uns, schachmatt, vernachlässigt Details und Nuancen und beschränkt unsere Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Schauen wir uns im nächsten Abschnitt zunächst mal die Vorteile der Konstellationslogik an.
In Situation und Konstellation (2026) stellt der Soziologe Hartmut Rosa die These auf, dass der modernen Gesellschaft immer mehr Handlungsräume abhandenkommen, weil sie von Regeln, Vorschriften und Systemen erstickt wird. Er erläutert, woran sich das im Alltag zeigt und was wir dagegen unternehmen können.


Ich bin begeistert. Ich liebe Bücher aber durch zwei kleine Kinder komme ich einfach nicht zum Lesen. Und ja, viele Bücher haben viel bla bla und die Quintessenz ist eigentlich ein Bruchteil.
Genau dafür ist Blinkist total genial! Es wird auf das Wesentliche reduziert, die Blinks sind gut verständlich, gut zusammengefasst und auch hörbar! Das ist super. 80 Euro für ein ganzes Jahr klingt viel, aber dafür unbegrenzt Zugriff auf 3000 Bücher. Und dieses Wissen und die Zeitersparnis ist unbezahlbar.
Extrem empfehlenswert. Statt sinnlos im Facebook zu scrollen höre ich jetzt täglich zwischen 3-4 "Bücher". Bei manchen wird schnelle klar, dass der Kauf unnötig ist, da schon das wichtigste zusammen gefasst wurde..bei anderen macht es Lust doch das Buch selbständig zu lesen. Wirklich toll
Einer der besten, bequemsten und sinnvollsten Apps die auf ein Handy gehören. Jeden morgen 15-20 Minuten für die eigene Weiterbildung/Entwicklung oder Wissen.
Viele tolle Bücher, auf deren Kernaussagen reduziert- präzise und ansprechend zusammengefasst. Endlich habe ich das Gefühl, Zeit für Bücher zu finden, für die ich sonst keine Zeit habe.
Hol dir mit Blinkist die besten Erkenntnisse aus mehr als 7.500 Sachbüchern und Podcasts. In 15 Minuten lesen oder anhören!
Kostenlos loslegen
Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari