Das sind die Blinks zu

Digitale Ethik

Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert

Von Sarah Spiekermann
15 Minuten
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Digitale Ethik von Sarah Spiekermann

Apps, die uns ständig mit Benachrichtigungen ablenken, soziale Netzwerke, die uns ausspionieren, künstliche Intelligenzen, die nur profitorientiert agieren – die IT der Gegenwart kennt keine Moral und kostet uns Freiheit, Zeit und Nerven. Die Blinks zu Digitale Ethik (2019) zeigen, dass es auch anders geht: Wenn Tech-Firmen den Menschen ins Zentrum ihrer Entwicklungen stellen, kann wahrer Fortschritt entstehen.

  • Start-up-Gründerinnen und Programmierer, die Gutes tun wollen
  • Philosophie-Interessierte
  • Alle, die digitale Technologien nutzen und sich eine lebenswerte Zukunft wünschen

Sarah Spiekermann arbeitete im Silicon Valley, bevor sie aus moralischen Gründen in die Forschung wechselte. Heute ist sie Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien und entwickelt mit dem weltgrößten Ingenieursverband IEEE einen internationalen Standard für ethische Technikentwicklung.

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Digitale Ethik

Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert

Von Sarah Spiekermann
  • Lesedauer: 15 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 9 Kernaussagen
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Digitale Ethik von Sarah Spiekermann
Worum geht's

Apps, die uns ständig mit Benachrichtigungen ablenken, soziale Netzwerke, die uns ausspionieren, künstliche Intelligenzen, die nur profitorientiert agieren – die IT der Gegenwart kennt keine Moral und kostet uns Freiheit, Zeit und Nerven. Die Blinks zu Digitale Ethik (2019) zeigen, dass es auch anders geht: Wenn Tech-Firmen den Menschen ins Zentrum ihrer Entwicklungen stellen, kann wahrer Fortschritt entstehen.

Kernaussage 1 von 9

Im Silicon Valley steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern das Geld. 

Angenommen, du sollst in einem großen Technologieunternehmen ein neues Produkt entwickeln: Wie würdest du vorgehen? Nach aktuellen Trends Ausschau halten? Genau beobachten, wie die Konkurrenz agiert? Das ist nachvollziehbar, schließlich geht es um sehr viel Geld und du möchtest das Projekt auf keinen Fall in den Sand setzen. Aber würdest du auch daran denken, welche Werte dein Produkt transportieren soll?

Als Sarah Spiekermann im Silicon Valley arbeitete, beobachtete sie das Verhalten von Entwicklern aus nächster Nähe. Deren Mantra lautete, dass sich neue Produkte vor allem gut verkaufen sollten. Ob die Produkte aber Freundschaften stärken, Wissen vermitteln oder Nutzer wirklich zufriedener machen würden, das spielte nur selten eine Rolle. Allzu oft fiel bei vermeintlichen Innovationen damit eine Frage unter den Tisch: Wozu ist das eigentlich gut?

Die Analysen und Zukunftsprognosen der Firmengründer und Chefs konnten diese Frage nicht beantworten, und das ist bis heute so geblieben. Die Expertise der meisten Führungskräfte hat nichts mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun, sie beschreibt nur die Hypes, denen alle in der Tech-Branche hinterherjagen. Wer hat zum Beispiel je von einer Blockchain-Anwendung gehört, die Menschen in ihrem Alltag wirklich hilft? Dabei wird diese Verschlüsselungstechnologie seit Jahren umjubelt. Allzu oft gilt eine Technologie allein deshalb als erstrebenswert, weil sie neu ist und große Gewinne verspricht. Einen bestimmten Zweck sucht man dagegen vergebens – die Lösung ist da, nur das Problem fehlt. 

Viele Chefetagen im Silicon Valley haben nur ein Ziel: den Börsenkurs des eigenen Unternehmens zu befördern. Die Kennzahlen, die sie heranziehen, sind ausschließlich auf dieses kurzfristige Ziel ausgerichtet. Scheuklappendenken ist die Folge: Jenen, die über den Tellerrand hinausschauen, hört man selten zu. Die Autorin Spiekermann zum Beispiel riet ihrem damaligen Chef davon ab, Produkte auf den Handy-Browser Symbian von Nokia auszurichten. Sie konnte sich nicht durchsetzen – immerhin war Nokia damals, im Jahr 2003, Marktführer – was sollte da schon schiefgehen? Eine teure Fehlentscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Spiekermann ist überzeugt: Werte jenseits des Börsenwerts spielen bis heute keine Rolle im Silicon Valley. Sie werden den Produkten bestenfalls nachträglich angedichtet, weil sie sich dann besser verkaufen. Das sollte sich dringend ändern.

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