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Das sind die Blinks zu

Zärtlichkeit

Eine Philosophie der sanften Macht

Von Isabella Guanzini
12 Minuten
Audio-Version verfügbar
Zärtlichkeit: Eine Philosophie der sanften Macht von Isabella Guanzini

Die Blinks zu Isabella Guanzinis Zärtlichkeit (2019) gehen der Frage nach, warum die Zärtlichkeit in unserer Gesellschaft so wenig wertgeschätzt und sogar versteckt wird. Sie zeigen außerdem, warum Zärtlichkeit nicht nur für das Individuum heilsam sein, sondern auch unser Zusammenleben und selbst die Politik zum Besseren wenden kann.

  • Jeder, der Zärtlichkeit für ein Zeichen von Schwäche hält
  • Philosophie- und Politikinteressierte
  • Alle, die die ständige Selbstoptimierung müde macht

Isabella Guanzini lehrt als Professorin für Theologie in Graz und hat sich bereits in vielen Veröffentlichungen mit der Zärtlichkeit in philosophischer Hinsicht auseinandergesetzt.

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Zärtlichkeit

Eine Philosophie der sanften Macht

Von Isabella Guanzini
  • Lesedauer: 12 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 7 Kernaussagen
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Zärtlichkeit: Eine Philosophie der sanften Macht von Isabella Guanzini
Worum geht's

Die Blinks zu Isabella Guanzinis Zärtlichkeit (2019) gehen der Frage nach, warum die Zärtlichkeit in unserer Gesellschaft so wenig wertgeschätzt und sogar versteckt wird. Sie zeigen außerdem, warum Zärtlichkeit nicht nur für das Individuum heilsam sein, sondern auch unser Zusammenleben und selbst die Politik zum Besseren wenden kann.

Kernaussage 1 von 7

Zärtlichkeit gilt heute als peinlich und wird als gesellschaftliche Kraft unterschätzt.

Momente der Zärtlichkeit geben uns Kraft und Rückhalt. Ohne sie würden unsere Beziehungen zu bloßen Transaktionen verkümmern. Doch während es schon lange kein Tabu mehr ist, über Sexualität zu sprechen, bleibt die Zärtlichkeit auf das Private und Intime beschränkt: Man spricht nicht darüber, schon gar nicht öffentlich. Oder hast du schon einmal einen Politiker ein Plädoyer für mehr Zärtlichkeit halten hören?

Wenn uns Zärtlichkeit außerhalb des stillen Kämmerleins begegnet, dann vor allem in der Werbung oder in Filmen. Werbespots in Slow Motion und Melodramen mit reichlich Streichern im Hintergrund greifen jedoch meist auf ein so süßliches Bild der Zärtlichkeit zurück, dass ihr Pathos und inszenierter Charakter leicht zu durchschauen sind. Denken wir nur an Filme wie P.S. Ich liebe dich oder Wie ein einziger Tag.

Indem die Medien zum Kitsch-Image der Zärtlichkeit beitragen, verstellen sie uns den Blick auf die eigentlichen Stärken der Zärtlichkeit und verschleiern ihre gesellschaftliche Kraft.

Zudem trägt diese Darstellung der Zärtlichkeit dazu bei, dass ihr zunehmend eine gewisse Peinlichkeit anhaftet, weil sie fälschlicherweise mit Sentimentalität und Naivität verknüpft wird. Der französische Philosoph Roland Barthes geht sogar so weit, von einer historischen Umkehrung zu sprechen: In der modernen Welt ist nicht mehr die Sexualität mit Scham behaftet, wie in früheren Zeiten, sondern das Zärtliche, Empfindsame. Während wir uns an die Allgegenwart sexuell aufgeladener Bilder längst gewöhnt haben, sind bspw. herzliche Umarmungen zwischen Männern eher eine Seltenheit.

Da ist es nachvollziehbar, dass sich die Zärtlichkeit ‒ in ihrer authentischen, ernst gemeinten Form ‒ ins Private zurückgezogen hat. In der Familie, Partnerschaft und unter engen Freunden hat sie noch ihren Platz. In diese Privatsphäre, die als abgekoppelt verstanden wird, flüchtet sich der moderne Mensch vor einer durchrationalisierten, auf Effizienz getrimmten Welt.

So geht die Zärtlichkeit als Kraft des öffentlichen Lebens und als Mittel der Verhandlung von gesellschaftlichen Verhältnissen verloren. Zur Lösung großer Probleme scheinen im Kapitalismus nur noch Zweckrationalität und Technologie in Frage zu kommen. Nach dieser Logik ist Zärtlichkeit eine Schwäche: „Ellenbogen raus und durchbeißen“ heißt die Devise für alle, die nach Anerkennung und sozialem Status streben.

Wie wir in einer solch unzärtlichen Gegenwart landen konnten, betrachten wir im nächsten Blink.

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