Der Vorleser Buchzusammenfassung - das Wichtigste aus Der Vorleser
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Zusammenfassung von Der Vorleser

Bernhard Schlink

Ein Roman über Erinnerungen und die Schuld der Vergangenheit

4.8 (27 Bewertungen)
19 Min.

Kurz zusammengefasst

Der Vorleser von Bernhard Schlink beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Michael Berg und Hanna Schmitz, verwoben mit Themen von Schuld, Erinnerung und der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. Es stellt moralische und emotionale Dilemmata in den Mittelpunkt.

Inhaltsübersicht

    Der Vorleser
    in 5 Kernaussagen verstehen

    Audio & Text in der Blinkist App
    Kernaussage 1 von 5

    Die Retterin

    In der Jetzt-Zeit unserer Geschichte ist Michael Berg 45 Jahre alt und ein durchaus erfolgreicher Rechtshistoriker. Aber etwas bekümmert ihn. Er erzählt uns von einer Affäre mit einer deutlich älteren Frau, auf die er sich als 15-Jähriger einließ. Alles begann im Herbst 1958 in einer deutschen Stadt nahe der französischen Grenze, die noch immer von den amerikanischen Bombardements des Zweiten Weltkriegs gezeichnet war.

    Eines Nachmittags befand sich der junge Michael auf dem Heimweg von der Schule, als ihm plötzlich schwindelig wurde. Er brach an der bröckelnden Fassade eines früher prächtigen Stadthauses zusammen und übergab sich. Als ihm jemand zu Hilfe kam, fühlte es sich fast an wie „ein Überfall“. Eine Frau hievte ihn hoch, schleifte ihn in den Hof und wusch ihn unter einer Wasserpumpe ab. Er musste weinen und seine unbekannte Helferin reagierte einfühlsam. Sie hielt ihn im Arm, bis er sich beruhigte. Und dann brachte sie ihn nach Hause.

    Die nächsten sechs Monate verbrachte er mit Gelbsucht im Bett. Es war bereits Frühling, als er endlich wieder zu Kräften kam. Da schickte ihn seine Mutter mit einem Blumenstrauß zu der Frau, die ihm damals so fürsorglich geholfen hatte. Im Treppenhaus des Gebäudes roch es nach gekochtem Kohl und frischer Wäsche. Er stieg hinauf und klopfte an die Tür der Wohnung, in der einem Nachbarn zufolge die Frau wohnte, die Michael ihm beschrieben hatte. Auf dem Messingschild neben der Klingel stand „Frau Schmitz“.

    Der erwachsene Michael kann sich nicht mehr daran erinnern, was er zu ihr sagte. Aber er sieht noch immer die enge Küche vor sich, dessen Fenster zu dem früheren Bahnhof hinausging, auf dem jetzt von Unkraut überwucherte Trümmer lagen. Frau Schmitz, die er auf Mitte dreißig schätzte, bügelte Bettwäsche. Er erinnert sich an ihr aschblondes, mit einer Spange hochgestecktes Haar, an ihre hohe Stirn und die markanten Wangenknochen. An ihre blauen Augen und ihre blassen Arme.

    Er wollte sich schon wieder umdrehen und gehen, als sie ihn zurückhielt. Sie müsse ohnehin noch etwas in der Stadt erledigen. Sie könnten zusammen hinuntergehen, sobald sie sich umgezogen habe. Die Tür zu ihrem Schlafzimmer stand einen Spalt offen, und Michael konnte sie im Spiegel sehen. Im Schwimmbad, wo er schon oft halbnackte Frauen gesehen hatte, hätte er nicht so neugierig spioniert. Aber jetzt konnte er einfach nicht den Blick von ihr abwenden. Es war nicht nur ihr Körper an sich, sondern auch ihre Unbekümmertheit. Später bat er seine Freundinnen manchmal, die Strümpfe so anzuziehen, wie Frau Schmitz es in jenem Moment getan hatte. Aber es war nie dasselbe. Seine Partnerinnen versuchten, ihn zu necken und aufzureizen. Aber das, was ihn an jenem verstohlen erharschten Anblick fasziniert hatte, war gerade die Abwesenheit jeder verführerischen Absicht: die Selbstvergessenheit, mit der Frau Schmitz ihre Umgebung vollkommen ausgeblendet hatte. Für Michael hatte sich das wie eine Einladung angefühlt, seinerseits den Rest der Welt zu vergessen.

    Als sie aufsah, trafen sich ihre Blicke im Spiegel. Sie wirkte gleichermaßen überrascht, skeptisch, wissend und vorwurfsvoll. Michael wurde feuerrot und stürmte zur Wohnungstür hinaus.

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    Worum geht es in Der Vorleser?

    Der Vorleser (1995) erzählt, wie der 15-jährige Michael Berg eine Beziehung mit der deutlich älteren Hanna eingeht und später erfährt, dass sie im Zweiten Weltkrieg Aufseherin in einem Konzentrationslager war. Wie konnte eine Frau, die zu so viel Leidenschaft und Wärme fähig war, am Holocaust beteiligt gewesen sein? Wie hatte er eine Täterin lieben können? Am Ende geht Michaels Frage auf das zurück, was sich seither Generationen fragen: Was brachte gewöhnliche Männer und Frauen dazu, solch unvorstellbare Gräueltaten zu begehen?

    Wer Der Vorleser lesen sollte

    • Alle mit einem Faible für moralisch komplexe Liebesgeschichten
    • Alle, die sich sensibel mit der deutschen Identität in der Nachkriegszeit befassen
    • Alle mit Freude an literarischen Klassikern im sorgfältig kuratierten Kurzformat

    Über den Autor

    Bernhard Schlink wurde 1944 geboren. Er promovierte in Verfassungsrecht und war Professor für Rechtswissenschaften in Bonn, Frankfurt sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1987 verfasste er gemeinsam mit seinem Freund Wolfgang Popp sein erstes belletristisches Werk, den Kriminalroman Selbs Justiz. Der Vorleser erschien 1995 und wurde als internationaler Bestseller in vierzig Sprachen übersetzt. Der Roman schaffte es als erstes deutschsprachiges Buch auf die Bestsellerliste der New York Times.

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