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Die Uhr, die nicht tickt

Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift

Von Sarah Diehl
15 Minuten
Audio-Version verfügbar
Die Uhr, die nicht tickt: Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift von Sarah Diehl

Kinderlose Frauen werden in unserer Gesellschaft mit Vorwürfen konfrontiert. Schon im Kindesalter wird vielen Mädchen eine Zukunft als Mutter nahegelegt und als alternativlos dargestellt. Von diesem weiblichen Lebensentwurf profitieren hauptsächlich Männer. Die Uhr, die nicht tickt ist ein Plädoyer gegen den gesellschaftlichen Zwang zur Mutterschaft.

  • Frauen, die ihre Lebensentscheidungen selbstbestimmt treffen wollen
  • Männer, die glauben, es herrsche Gleichberechtigung
  • Eltern, die sich Kinderlosen überlegen fühlen

Sarah Diehl arbeitet als Autorin, Publizistin und Filmemacherin und lebt in Berlin. Ihr Fokus liegt auf dem Thema der internationalen reproduktiven Rechte von Frauen. Zu ihren Werken gehört der preisgekrönte Dokumentarfilm Abortion Democracy: Poland/South Africa und ihr 2012 erschienener Roman Eskimo Limon 9.

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Entdecke die Kernaussagen zu diesem Titel:

Die Uhr, die nicht tickt

Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift

Von Sarah Diehl
  • Lesedauer: 15 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 9 Kernaussagen
Die Uhr, die nicht tickt: Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift von Sarah Diehl
Worum geht's

Kinderlose Frauen werden in unserer Gesellschaft mit Vorwürfen konfrontiert. Schon im Kindesalter wird vielen Mädchen eine Zukunft als Mutter nahegelegt und als alternativlos dargestellt. Von diesem weiblichen Lebensentwurf profitieren hauptsächlich Männer. Die Uhr, die nicht tickt ist ein Plädoyer gegen den gesellschaftlichen Zwang zur Mutterschaft.

Kernaussage 1 von 9

Kinderlose Frauen werden in unserer Gesellschaft verurteilt.

Ab einem bestimmten Alter beginnt fast jede Frau, den Druck zu spüren: Die ersten Freunde gründen Familien und irgendwann kommt zwangsläufig die Frage „Und wann bist du dran?“ auf den Tisch. Egal, wie der Lebensentwurf einer Frau aussieht – man erwartet, dass sie Mutter wird. Schon im Kindesalter werden Mädchen mit ihrer zukünftigen Mutterrolle konfrontiert.

Ihre Zukunft wird ihnen quasi in die Wiege gelegt. Das beginnt mit dem Spielzeug, das sie als Kind erhalten. So kann ein junges Mädchen an ihrem Spielzeugherd Plastikspiegeleier braten und sich um ihre Babypuppen kümmern: Jene weinen, müssen gefüttert und sogar gewickelt werden – eine gute Übung für zukünftige Mütter und Hausfrauen.

Wenn die Mädchen später als Frauen jedoch einen anderen Weg einschlagen, stoßen sie häufig auf Unverständnis oder werden sogar diskriminiert: Im Mittelalter wurden unfruchtbare Frauen beispielsweise nicht nur von der Gesellschaft verurteilt – ihre Kinderlosigkeit galt sogar als Strafe Gottes.

Auch wenn Gott für solche Umstände heute weniger Verantwortung trägt, leidet das Ansehen einer kinderlosen Frau noch immer. Ihre Prioritäten werden hinterfragt: Wenn sie keine Kinder haben will, ist sie bestimmt verantwortungslos, karrieregeil und vergnügungssüchtig.

In den Augen der Männer verliert sie außerdem im Alter ihre Weiblichkeit. Junge Frauen stellen Objekte der Begierde dar. Bei älteren Frauen wird allerdings die Weiblichkeit ihrer Funktion als Versorgerin zugeschrieben. Ist kein Nachwuchs da, fehlt dementsprechend auch die Weiblichkeit.

Natürlich gibt es Gründe für Kinderlosigkeit, die Nachsicht zulassen. Diese sind allerdings von Umständen abhängig, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, beispielsweise gesundheitliche Gründe oder das Fehlen eines passenden Partners. Aber einfach keine Lust auf Kinder? Da kommen kritische Blicke.

Während der Lebensentwurf einer Mutter als natürlich empfunden wird, müssen kinderlose Frauen ihren Weg ständig rechtfertigen. Werden sie ihre Entscheidung denn nicht später bereuen? Sie müssen sich immerzu gegen die gesellschaftliche Annahme verteidigen, dass jede Frau Mutter werden möchte – wenn nicht jetzt, dann später.

Muttersein wird von vielen Menschen als so natürlich angesehen, dass diese Rolle zur Definition der Frau dazu zu gehören scheint.

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