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Achterbahn

Europa 1950 bis heute

Von Ian Kershaw
21 Minuten
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Achterbahn: Europa 1950 bis heute von Ian Kershaw

In den Blinks zu Achterbahn (2019) nehmen wir dich mit durch beinahe 70 bewegte Jahre Europa. Von der großen Unsicherheit der Nachkriegszeit führen dich diese Blinks über den Kalten Krieg, den Wirtschaftsboom, die Studentenproteste bis in die turbulenten 10er-Jahre des 21. Jahrhunderts.

  • Geschichtsinteressierte
  • Alle, die Europa für eine gute Idee halten
  • Jeder, der große Zusammenhänge gerne kurz und knackig zusammengefasst liest

Ian Kershaw ist einer der bedeutendsten Historiker unserer Zeit. Achterbahn ist der zweite Teil seiner Forschung über Europa, 2016 veröffentlichte er bereits Höllensturz. Darin kümmerte er sich um die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde Kershaw vor allem als Hitler-Experte. Für sein umfangreiches Werk erhielt er viele Preise und Auszeichnungen, u.a. die Karlsmedaille und das Bundesverdienstkreuz. Seit seinem Ritterschlag im Jahr 2002 darf er sich offiziell „Sir“ nennen.

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Achterbahn

Europa 1950 bis heute

Von Ian Kershaw
  • Lesedauer: 21 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
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Achterbahn: Europa 1950 bis heute von Ian Kershaw
Worum geht's

In den Blinks zu Achterbahn (2019) nehmen wir dich mit durch beinahe 70 bewegte Jahre Europa. Von der großen Unsicherheit der Nachkriegszeit führen dich diese Blinks über den Kalten Krieg, den Wirtschaftsboom, die Studentenproteste bis in die turbulenten 10er-Jahre des 21. Jahrhunderts.

Kernaussage 1 von 13

Das Nachkriegseuropa war geprägt von der Spaltung zwischen Ost und West und der Angst vor nuklearer Auslöschung.

Unsere Reise durch beinahe 70 Jahre Europa beginnt in keinem europäischen Staat, sondern ziemlich genau in der Mitte der koreanischen Halbinsel.

Als nordkoreanische Truppen im Juni 1950 in Südkorea einfielen, um das Land gewaltsam zu vereinen, eskalierte der Konflikt zwischen der Sowjetunion und den USA. Noch 1948 hatten die Supermächte das vormals von Japan annektierte Korea unter sich aufgeteilt, nun prallten die jeweiligen Blöcke – Westmächte und Ostblock-Staaten – in diesem Stellvertreterkrieg aufeinander. Was das mit Europa zu tun hatte? Eine ganze Menge.

Zunächst einmal dachte der amerikanische Präsident Harry S. Truman, dass ein asiatischer Staat nach dem anderen an die Sowjetunion fiele, wenn er nicht sofort handele. Bis dann schließlich auch Europa gefährdet wäre. Um einen solchen Dominoeffekt bereits frühzeitig zu stoppen, drohte er Stalin und der Sowjetunion mit Atomwaffen. Ein folgenschwerer Schachzug, denn damit erhob er die Nuklearwaffe zu der zentralen Waffe des Kalten Krieges.

Europa kam eine Grenzstellung zwischen Ost und West zu, bei einem Atomkrieg wäre es der Mittelpunkt des Geschehens gewesen. Diese Angst prägte die Stimmung in der europäischen Bevölkerung, die angesichts der Bedrohung durch einen dritten Weltkrieg allerdings erstaunlich ruhig blieb. Statt lautstarker Verzweiflung breitete sich ein beinahe gleichgültiger Fatalismus aus. Die Menschen arrangierten sich mit ihrer potenziellen Auslöschung – so gut es eben ging.

Auf den Koreakrieg folgte ein gigantisches Wettrüsten. Selbst wenn die Gemüter in den 1980er-Jahren noch einmal aufbrausten, nie schien ein nuklearer Krieg realistischer als in den 50er- und frühen 60er-Jahren. Dass man sich ernsthaft darauf vorbereitete, beweisen allein schon die Zahlen. Die USA hatten bis ins Jahr 1962 26.000 Atomwaffen angehäuft, 1950 waren es noch unter 500. Großbritannien wurde im Oktober 1952 nach den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zur dritten Atomwaffennation, Frankreich zog 1960 als vierte Kraft nach.

Ein Atomkrieg mit Europa als Schlachtfeld schien möglich. Krisenherde gab es jedenfalls genug. Beinahe wäre es so weit gekommen, als die Sowjetunion 1958 Panzer am Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin platzierte. Die Vereinigten Staaten reagierten in derselben Weise auf diese Bedrohung. Eine falsche Bewegung, ein einziger Schuss hätte in diesem Moment ausgereicht und die Situation wäre eskaliert.

Erst 1964 entspannte sich die Lage etwas. Leonid Iljitsch Breschnew löste in diesem Jahr Nikita Chruschtschow als sowjetisches Oberhaupt ab. Er war weniger impulsiv und diplomatischer als sein Vorgänger.

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