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Das sind die Blinks zu

Die große Entzauberung

Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen

Von Tobias Haberl
15 Minuten
Audio-Version verfügbar
Die große Entzauberung von Tobias Haberl

Unser Leben wird immer komfortabler und gesünder, digitaler und moralischer – doch sind wir auch freier und glücklicher? Leider nein. In den Blinks zu Die große Entzauberung (2019) erfährst du, was wir alles verlieren, wenn wir unser Leben pausenlos optimieren, und wieso keine Bequemlichkeit der Digitalisierung ohne negative Folgen daherkommt.

  • Menschen, denen die digitale Moderne trügerisch vorkommt
  • Alle, die wissen möchten, was an früheren Lebensweisen besser war
  • Jeder, der sich nach Exzess und ein wenig Unvernunft sehnt

Der Journalist Tobias Haberl wurde 1975 im Bayerischen Wald geboren. Er ist Absolvent der renommierten Henri-Nannen-Schule und arbeitet seit 2005 für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. 2016 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. Von Haberl stammt außerdem das Sachbuch Wie ich mal rot wurde (2011).

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Die große Entzauberung

Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen

Von Tobias Haberl
  • Lesedauer: 15 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 9 Kernaussagen
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Die große Entzauberung von Tobias Haberl
Worum geht's

Unser Leben wird immer komfortabler und gesünder, digitaler und moralischer – doch sind wir auch freier und glücklicher? Leider nein. In den Blinks zu Die große Entzauberung (2019) erfährst du, was wir alles verlieren, wenn wir unser Leben pausenlos optimieren, und wieso keine Bequemlichkeit der Digitalisierung ohne negative Folgen daherkommt.

Kernaussage 1 von 9

Indem wir alles berechnen und optimieren wollen, entzaubern wir die Welt.

Ja, doch, es geht uns – allen Krisen zum Trotz – gut in weiten Teilen der sogenannten westlichen Gesellschaft. Und glauben wir den Zahlen, wird es immer nur noch besser. Die Wirtschaft wächst und mit ihr der relative Wohlstand, während Armuts-, Sterbe- und Kriminalitätsraten sinken. Aber verraten uns   derartige Zahlen tatsächlich, wie wir uns fühlen, wie gut es uns geht, wie glücklich wir sind?

Objektiv gesehen, lebten wir nie sicherer als zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dennoch waren wir gleichzeitig auch nie so ängstlich, unsicher und überfordert wie heute. Ob rotes Fleisch oder Plastik im Trinkwasser: Wir fürchten uns vor allem, was potenziell gefährlich werden könnte. Aber auch vor dem, was laut, unberechenbar und exzessiv ist. Rauchen ist verpönt. Im Park ist Grillen verboten. Und den rauschhaften Festen wollen wir heutzutage lieber widerstehen, anstatt sie zu feiern. 

Hinzu kommt ein dauerndes Gefühl der Unzufriedenheit. Schaut man sich die Zeitschriftentitel an einem x-beliebigen Bahnhofskiosk an, springen einen die Botschaften sofort an: „So schaffst du es, abzunehmen!“ „Lerne, wie du dein volles Potenzial ausschöpfst!“ Die scheinbar harmlose Aufforderung, sein „bestes Leben zu leben“, setzt uns jedoch unter dauerhaften Veränderungsstress. Uns umfängt ständig das Gefühl, nicht zu genügen, zu wenig zu leisten und insgesamt zu wenig vom Kuchen abzubekommen.

Wie kann es also sein, dass die Welt immer bequemer und sicherer, wir aber immer unsicherer werden? Die Antwort: Die moderne, technisierte Welt hat uns zu Kontrollfreaks werden lassen. Immer mehr Aspekte unseres Lebens wollen wir vermessen. Schlaf, Kalorien, Schritte und Herzfrequenz zählen wir in der Hoffnung, sie so kontrollieren zu können. Doch alles, was wir eben nicht kontrollieren und vorhersehen können, macht uns gleichzeitig Angst und schüchtert uns ein. 

Durch unsere Sucht nach Kontrolle und Berechnung verlieren wir aber noch mehr. Der Soziologe Max Weber sprach bereits vor hundert Jahren von der „Entzauberung der Welt“, die dadurch einsetzt, dass wir sie berechnen und sie unterwerfen wollen. Seine These scheint sich zu bestätigen: Wir büßen etwas ein, indem wir alles an uns und um uns herum berechnen, rationalisieren und optimieren. Es fällt uns immer schwerer, loszulassen, spontan zu sein und, nun ja, einfach mal fünfe gerade sein zu lassen. Es ist also nicht vollkommen vermessen zu fragen: Wollen wir wirklich so leben?

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