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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Deutschland 1933 bis 1945
Wie konnte das geschehen? untersucht die soziale und psychologische Dynamik des Holocausts. Götz Aly bietet Einblick in die Mechanismen und Verantwortlichkeiten, die solch ungeheuerliche Verbrechen ermöglichten und hinterfragt die Funktionen von Täter und Mitläufer.
Im Sommer 1932 stimmten 37,3 Prozent der 40 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland für die NSDAP – und verhalfen damit einer Partei zur Macht, die offen mit Verfassungsbruch, Gewalt und rassistischen Feindbildern warb. Wieso stimmten ganz normale Menschen, die überwiegend weder Kriminelle noch Desperados oder Radikale waren, für ein offensichtlich autoritäres und antisemitisches Regime? Wie konnte es sein, dass Menschen aller Schichten und Bildungsgrade in der NSDAP die Lösung ihrer Probleme sahen? Und warum trugen sie die späteren Gräueltaten des NS-Regimes, wenn nicht aktiv, so doch passiv mit?
Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir die breite Mitte der Gesellschaft jener Zeit betrachten, nicht nur das stereotype Bild der Nationalsozialisten. Denn „die Nationalsozialisten“ gab es so nicht – es ist ein distanzierender Sammelbegriff, der die echte Auseinandersetzung nur erschwert.
Viele der NSDAP-Wähler waren nicht radikal gesinnt, sondern suchten nach Antworten auf die herrschenden Probleme: soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Einbrüche und das Gefühl der Perspektivlosigkeit in einer festgefahrenen und überforderten Republik. Die NSDAP verstand es, diese Mischung aus Ungeduld und Frustration – besonders unter jungen Wählern – politisch für sich zu nutzen.
Die Geburtsjahrgänge 1900 bis 1915 gehörten zu den stärksten der deutschen Geschichte. Sie blieben größtenteils vom Ersten Weltkrieg verschont, was den Altersdurchschnitt der Gesellschaft zusätzlich senkte. Bei den Reichstagswahlen von 1930 stammte ein erheblicher Teil der NSDAP-Wähler aus dieser jungen, erstmals wählenden oder politisch heimatlosen Generation. 1932 war deren Lage prekär: Abiturienten fanden trotz guter Zeugnisse auf dem überfüllten Arbeitsmarkt keinen Einstieg. Hunderttausende drängten an Universitäten, in Ämter und Betriebe, stießen jedoch meist auf verschlossene Türen oder starre Hierarchien.
Die NSDAP bot vermeintlich eine Perspektive: Sie gab sich jugendlich, dynamisch und aufstiegsorientiert – eine Partei des Aufbruchs. 42 Prozent ihrer Mitglieder waren unter dreißig; ihre Reichstagsfraktion war im Durchschnitt zehn Jahre jünger als der Rest des Parlaments. Die Partei bot Führungsrollen, die sonst nirgendwo offenstanden, und achtete dabei weniger auf Herkunft als auf Tatkraft. Sie versprach, die sozialen und kulturellen Schranken zu überwinden, die vielen jungen Menschen unerträglich geworden waren: überkommene Standesunterschiede, konfessionelle Grenzen und regionale Rivalitäten wie zwischen Bayern und Preußen. Hitler formte daraus das Idealbild einer modernen Volksgemeinschaft.
Doch neben sozialer Mobilität gab es eine weitere Triebkraft für den Zulauf der NSDAP: In einer Gesellschaft, die um Positionen konkurrierte, war es für die Partei ein Leichtes, den Neid auf jüdische Bildungs- und Berufserfolge zu schüren. 1901 hatten 56 Prozent der jüdischen Schüler einen höheren Abschluss als die Volksschule, unter christlichen Schülern waren es nur 7 Prozent. Diese Leistungsdifferenz deutete die NSDAP für ihre antisemitische Propaganda um und präsentierte sie als Beleg für eine angeblich herrschende tiefe Ungerechtigkeit: „Die anderen“ hätten sich Vorteile erschlichen und kämen schneller voran.
Kurzum: Die NSDAP gewann ihre Basis nicht an den radikalen Rändern, sondern im Zentrum der Gesellschaft: bei jungen, ehrgeizigen, nüchtern denkenden Menschen, die nach beruflicher Perspektive, sozialer Mobilität und Anerkennung suchten.
Es ist die Frage, die jeden Deutschen begleitet: Wie konnte ein ganzes Land dem verbrecherischen Nazi-Regime in den Untergang folgen? In Wie konnte das geschehen? (2025) analysieren wir, welche sozialen, politischen und psychologischen Kräfte den NS-Staat trugen und erst ermöglichten – und was wir daraus für die Gegenwart lernen können.
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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari