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Kinder machen

Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie. Samenspender, Leihmütter, künstliche Befruchtung

Von Andreas Bernard
15 Minuten
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Kinder machen: Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie. Samenspender, Leihmütter, künstliche Befruchtung von Andreas Bernard

Noch vor wenigen Jahrhunderten wusste man kaum etwas darüber, wie neues menschliches Leben entsteht. Heute sind wir soweit, dass wir Befruchtung, Schwangerschaft und Empfängnis sogar steuern können. In Kinder machen (2014) geht es um die Geschichte und Funktionsweisen der Reproduktionstechnologien. Es wird erklärt, wie künstliche Befruchtung funktioniert, was Leihmutterschaft bedeutet und warum diese neuen Chancen auch Herausforderungen mit sich bringen.

  • Kinderlose Paare, die gerne Eltern werden wollen
  • Alle, die sich für die neuen technischen Möglichkeiten zur Reproduktion interessieren
  • Jeder, der bei dem Begriff „künstliche Befruchtung“ an Kinder im Reagenzglas denkt

Andreas Bernard ist Journalist, Publizist und Kulturwissenschaftler. Von 1995 bis 2014 arbeitete er als Autor und Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und schrieb nebenher an seiner Doktorarbeit über die Geschichte des Fahrstuhls. Sein erstes Buch Über das Essen erschien 2002. Einen seiner größten Erfolge konnte er 2017 mit Komplizen des Erkennungsdienstes feiern. Derzeit ist Bernard als Professor für Kulturwissenschaften am Centre for Digital Cultures der Leuphana-Universität Lüneburg tätig und schreibt parallel dazu für das ZEIT Magazin und das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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Kinder machen

Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie. Samenspender, Leihmütter, künstliche Befruchtung

Von Andreas Bernard
  • Lesedauer: 15 Minuten
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Kinder machen: Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie. Samenspender, Leihmütter, künstliche Befruchtung von Andreas Bernard
Worum geht's

Noch vor wenigen Jahrhunderten wusste man kaum etwas darüber, wie neues menschliches Leben entsteht. Heute sind wir soweit, dass wir Befruchtung, Schwangerschaft und Empfängnis sogar steuern können. In Kinder machen (2014) geht es um die Geschichte und Funktionsweisen der Reproduktionstechnologien. Es wird erklärt, wie künstliche Befruchtung funktioniert, was Leihmutterschaft bedeutet und warum diese neuen Chancen auch Herausforderungen mit sich bringen.

Kernaussage 1 von 9

Die Empfängnislehre hat eine lange Geschichte wissenschaftlicher Irrwege hinter sich.

Jedes Kind weiß heute, wo Babys herkommen. Bis vor 200 Jahren war das jedoch noch anders. Damals wusste man kaum etwas über die Entstehung neuen menschlichen Lebens und es kursierten Theorien und Vorstellungen, die teilweise abenteuerlicher waren, als sie sich ein Kleinkind heute ausdenken könnte.

Aristoteles z.B. glaubte im 4. Jahrhundert vor Christus, Kinder würden aus Menstruationsblut entstehen. In seiner Empfängnislehre Über die Zeugung der Geschöpfe erklärt er, dass menschliches Leben beim Geschlechtsakt gezeugt werde, und zwar aus dem Samen des Mannes und dem Regelblut der Frau. Dabei liefere das Blut der Frau lediglich die Materie für den neuen Körper. Der Samen des Mannes hingegen sei für die eigentliche Zeugung zuständig, denn in ihm wohne die Schöpfungskraft. So wie der Schreiner das Holz verarbeitet, so schaffe der Samen aus dem Baustoff der Frau neues Leben. Die Vorstellung, dass allein der Mann die Kraft besitzt, neues Leben zu zeugen, hielt sich bis zur Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Eine weitere, ebenso krude Theorie stammt von William Harvey – Leibarzt des englischen Königs Charles I. Als Mediziner genoss er hohes Ansehen. Daher war man geneigt, ihm zu glauben, als er Mitte des 17. Jahrhunderts behauptete, die Gebärmutter sei ähnlich aufgebaut wie das menschliche Gehirn und jede Schwangerschaft zu vergleichen mit einer Idee. Diese Idee, erklärte Harvey, werde dem Gehirn beim Geschlechtsakt durch das männliche Glied injiziert und materialisiere sich anschließend, sodass ein Kind entstehe. Auch in dieser Theorie wurde der Frau jede Relevanz beim Zeugungsakt abgesprochen.

Wenige Jahre später konnte sich die Präformationslehre durchsetzen. Der französische Philosoph Nicolas Malebranche hatte ihr 1674 mit seiner einflussreichen Arbeit Über die Wahrheit zu hoher Bekanntheit verholfen. Sie besagt, dass Gott bei der Schöpfung der Welt bereits jedes einzelne Leben geschaffen und im Körper der ersten Wesen verborgen hat – in unendlich kleiner Form. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb man im Allgemeinen bei dieser Auffassung. Die Frage war nur: Wo genau befanden sich all die winzigen Menschlein? Hatte Gott sie in Adams Testikeln versteckt oder doch eher in Evas Eierstöcken?

Basierend auf der Präformationslehre gründeten sich zwei Denkschulen, zwischen denen es immer wieder zu Kontroversen kam. Die sogenannten Ovisten glaubten, das fertige Leben befinde sich in den Eizellen der Frau, um dort von den Spermien des Mannes „aktiviert“ zu werden. Die Animalkulisten hingegen waren der Meinung, bei den Spermatierchen handele es sich bereits um kleine Embryonen, die im Körper der Frau nur noch anzuwachsen bräuchten.

So wurde die Wissenschaft durch die Opposition zwischen den Geschlechtern und das religiöse Schöpfungsnarrativ immer wieder auf Abwege geführt. Wie die Wahrheit letztlich doch ans Licht kam, erfährst du im nächsten Blink.

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