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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Ein Leben
Thomas Mann von Tilmann Lahme bietet eine umfassende Biografie eines der bedeutendsten deutschen Schriftsteller. Das Buch beleuchtet Manns literarische Errungenschaften, persönlichen Herausforderungen und seinen Einfluss auf die kulturelle und soziale Landschaft des 20. Jahrhunderts.
Im November 1894 ist Thomas Mann überglücklich.
Eine Zeitschrift hat zum ersten Mal eine seiner Erzählungen abgedruckt – ein großer Erfolg für den gerade mal 19-Jährigen, der fest entschlossen ist, ein berühmter Schriftsteller zu werden. Gefallen heißt das Debütwerk. Es handelt von einem wohlhabenden Studenten aus gutem Hause, der sich in eine schöne, aber bettelarme Schauspielerin verliebt. Sie betrügt ihn, sein Herz ist für immer gebrochen.
In dieser kurzen Erzählung schwingt bereits Thomas Manns großes Lebensthema mit: Die Liebe macht unglücklich. Sie zieht uns hinab in den Abgrund, sie verspottet und erniedrigt uns. Gleichzeitig aber erhebt uns der Schmerz in höhere geistige Sphären.
An Thomas Manns Erstlingswerk fällt allerdings auf, dass die weibliche Hauptfigur seltsam blutleer bleibt. Er beschreibt sie als ein etwas dralles Mädchen mit Doppelkinn und freundlichen Augen. Anstelle einer Sexszene gibt es bedeutungsschwangere Gedankenstriche. Nach entfesselter Leidenschaft klingt das nicht gerade. Kein Wunder, denn die romantischen Sehnsüchte des Autors hatten bisher immer zarten, blonden Knaben gegolten. Einem von ihnen, Armin Martens, hatte er sogar einst auf dem Schulhof mit zitternden Knien und klopfendem Herzen ein selbstgeschriebenes Liebesgedicht zugesteckt. Doch Armin hatte für seinen Mitschüler nur Gelächter übrig – eine grausame Erfahrung für den jungen Thomas. Schon früh musste er lernen: Wer liebt, behält das am besten für sich. Vor allem wenn es um eine verbotene Liebe zum eigenen Geschlecht geht.
Im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts steht Homosexualität unter Strafe und gilt als Symptom einer perversen Natur. Zu dieser Wahrnehmung tragen auch populäre Bücher wie Die konträre Sexualempfindung des Berliner Psychiaters Albert Moll bei. Er bezeichnet Homosexuelle als „Stiefkinder der Natur” und rät ihnen, niemals Kinder zu zeugen, um die angebliche genetische Vorbelastung nicht weiterzugeben.
Auch der junge Thomas Mann hat Albert Molls Buch gelesen. Es muss ihn mit Entsetzen und Homophobie erfüllt haben, denn seinem Schulfreund Otto Grautoff, der ebenfalls unter unterdrückten homosexuellen Neigungen leidet, rät er in einem Brief: „Gerate niemals unter diese dummen Herdentiere, die sich in blödsinniger Eintracht zusammenfinden, Kaffeegesellschaften veranstalten, in der Fistel reden und sich mit weiblichen Namen nennen”.
Otto versucht unterdessen, seine vermeintliche Krankheit mit Hypnose-Sitzungen in Albert Molls Praxis heilen zu lassen. Und Thomas Mann? Der schwört auf Abstinenz und eine asketische Lebensweise: täglich kalte Duschen und Mäßigung bei Alkohol, Kaffee oder Tabak. Kein fettes Fleisch oder schwere Mehlspeisen. Keine Selbstbefriedigung, keine unzüchtigen Gedanken. Überhaupt nichts, was den Körper in gefährliche Wallungen versetzen könnte.
Stattdessen lässt er sich einen mächtigen Schnurrbart wachsen und beschließt, seine Liebesqualen künstlerisch zu vergolden, oder, wie er an Otto schreibt: sie mit „literarischen Augen” anzusehen.
Der Erfolg gibt ihm Recht. 1898 veröffentlicht der renommierte S.Fischer-Verlag, der in seinen Reihen literarische Schwergewichte wie Gerhard Hauptmann und Arthur Schnitzler versammelt, einen ganzen Band mit Thomas Manns Erzählungen. Zu diesem Zeitpunkt ist er erst 22 Jahre alt. Die Hauptgeschichte des Büchleins heißt Der kleine Herr Friedemann: Sie handelt von einem einsamen, kleinwüchsigen Mann, der es sich in seinem kleinen Leben behaglich eingerichtet hat. Ihm reichen schöne Blumen und das Theater. Doch eines Tages bringt eine Begegnung mit einer Frau seine Welt zum Einsturz. Er kann nur noch an ihre nackten, weißen Arme denken. Doch als er sich ihr auf Knien erklärt, stößt sie ihn lachend von sich. Verzweifelt ertränkt er sich im Fluss.
Diese Szene ist das Echo von Thomas Manns eigener traumatischer Schulhof-Erfahrung. Dieser gequälte Außenseiter, dieser an unerwidertem Begehren zugrunde Gehende, ist der Autor selbst. In Der kleine Herr Friedemann findet Thomas Mann zum ersten Mal den Mut, hinter der Maske einer erfundenen Figur tief aus seinem eigenen Herzen zu sprechen. Der Schriftsteller Thomas Mann hat seine Stimme gefunden.
In Thomas Mann (2025) geht es um die Biographie des Jahrhundertschriftstellers und darum, wie seine verdrängte Homosexualität sein Leben und Schreiben beeinflusst haben.


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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
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