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Gefangene der Zeit

Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump

By Christopher Clark
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Gefangene der Zeit by Christopher Clark

In Gefangene der Zeit (2020) sucht der renommierte Historiker Christopher Clark den Brückenschlag zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. In einer Reihe spannender Essays geht er der neueren europäischen Geschichte auf den Grund und zieht aufschlussreiche Parallelen zur heutigen Zeit. Diese Blinks zeigen große historische Bögen, vom babylonischen König Nebukadnezar II. über Bismarck bis hin zu Donald Trump.

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Christopher Clark ist Professor für Neuere Europäische Geschichte am St Catharine’s College der Universität Cambridge. Seine Expertise ist die Geschichte Preußens. Clark hat eine Biografie des letzten deutschen Kaisers Wilhelms II. verfasst. Für sein Buch Preußen (2007) erhielt er den renommierten Wolfson History Prize. Clarks epochales Werk zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, Die Schlafwandler (2013), war ein internationaler Bestseller.

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Gefangene der Zeit

Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump

By Christopher Clark
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Gefangene der Zeit by Christopher Clark
Synopsis

In Gefangene der Zeit (2020) sucht der renommierte Historiker Christopher Clark den Brückenschlag zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. In einer Reihe spannender Essays geht er der neueren europäischen Geschichte auf den Grund und zieht aufschlussreiche Parallelen zur heutigen Zeit. Diese Blinks zeigen große historische Bögen, vom babylonischen König Nebukadnezar II. über Bismarck bis hin zu Donald Trump.

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Eine Geschichte der Macht

In diesem Blink wollen wir über das Phänomen der Macht reflektieren. Und darüber, wie Macht Geschichte schreibt. Dazu reisen wir zunächst weit zurück, in die Zeit des mächtigen Königs Nebukadnezar II. Dieser herrschte im sechsten Jahrhundert vor Christus über das neubabylonische Reich. 

Das alttestamentliche Buch Daniel berichtet, wie Nebukadnezar eines Morgens voller Schrecken aus einem Traum erwachte. Unverzüglich befahl er den Weisen seines Reiches, den Traum zu deuten. Da der König jedoch nicht kundtun wollte, was er denn geträumt hatte, sahen sich die Weisen in einer äußerst misslichen Lage.

Dies war die Stunde Daniels, eines jungen jüdischen Gefangenen. Entgegen allen Erwartungen konnte er den Traum des Königs beschreiben. Daniel meisterte es klug, die Lage zu deuten. Denn wovor konnte sich ein mächtiger Herrscher wie Nebukadnezar schon fürchten, wenn nicht vor der eigenen Sterblichkeit und dem Ende seiner Macht?

So beschrieb Daniel einen möglichen Traum des Königs und traf damit ins Schwarze. Nebukadnezar fiel ihm ergeben vor die Füße. Der machtvolle Herrscher warf sich nieder vor einem machtlosen Fremden.

Die Geschichte Daniels ist voller weiterer dramatischer Wendungen. Im Kern aber ist sie eine Parabel der Macht. Sie führt uns vor Augen, dass alle Macht zeitlich befristet ist. Diese Einsicht ist denn auch ein zentraler Aspekt antiker Geschichtsschreibungen, die die Weltgeschichte als meist göttlich vorbestimmte Folge mächtiger Hegemonialreiche auffassten. Auf die Babylonier folgten die Perser, auf die Perser die Griechen und dann die Römer und so fort. Bis in die frühe Neuzeit hielt sich diese Auffassung von Geschichte.

Die Geschichtsschreibung ist demnach oft ein Narrativ der Macht. Doch der Begriff der Macht wird von Historikern selten hinterfragt. Vielmehr waren es die Philosophinnen, Soziologen und Politologen, die Macht erklären und analysieren wollten. 

Von dem französischen Denker Michel Foucault stammt beispielsweise der Gedanke, dass Macht kein Attribut bestimmter Gruppen oder Individuen sei. Sie sei stattdessen ein relationales Konzept. Macht drückt sich also in einem Netzwerk von Beziehungen aus und lässt sich mitunter schwer eindeutig lokalisieren.

In Demokratien wie der Bundesrepublik Deutschland ist Macht über verschiedene Ämter und Institutionen zerstreut. Während der Nazi-Diktatur war sie jedoch in einer Einzelperson konzentriert. Zudem betrachten wir demokratische Macht als legitim, während uns die Macht einer Diktatur als repressiv gilt. 

Wir können daher zusammenfassen: Macht ist stets im Fluss und nimmt verschiedene Formen an. In ihrer vielfältigen Gestalt bestimmt sie den Verlauf der Geschichte.

Macht befindet sich also in stetem Wandel – wie die Geschichte selbst.

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