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Scham

Die politische Kraft eines unterschätzten Gefühls

Von Jennifer Jacquet
18 Minuten
Audio-Version verfügbar
Scham: Die politische Kraft eines unterschätzten Gefühls von Jennifer Jacquet

Jennifer Jacquet untersucht in Scham ein Gefühl, das wir alle kennen und über das wir doch selten nachdenken. Sie zeigt, welche wichtigen sozialen Funktionen die Scham erfüllt, und wie wir sie nutzen können, um unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.

  • Jeder, der einen Lösungsansatz für globale Probleme kennenlernen möchte
  • Psychologie- oder Soziologiestudenten, die mehr über Scham erfahren wollen
  • Jeder, der seine eigenen Gefühle besser verstehen will

Jennifer Jacquet ist eine US-amerikanische Umweltwissenschaftlerin. Sie promovierte an der Columbia University über Ressourcenmanagement und arbeitet heute als Assistenzprofessorin an der New York University. Dort forscht sie über die Entwicklung, Funktion und Zukunft des Schamgefühls.

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Scham

Die politische Kraft eines unterschätzten Gefühls

Von Jennifer Jacquet
  • Lesedauer: 18 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 11 Kernaussagen
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Scham: Die politische Kraft eines unterschätzten Gefühls von Jennifer Jacquet
Worum geht's

Jennifer Jacquet untersucht in Scham ein Gefühl, das wir alle kennen und über das wir doch selten nachdenken. Sie zeigt, welche wichtigen sozialen Funktionen die Scham erfüllt, und wie wir sie nutzen können, um unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Kernaussage 1 von 11

Wer war das? Um globale Probleme zu lösen, müssen sich ihre Verursacher schämen, nicht wir Verbraucher.

Kinderarbeit, Sklaverei, Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung, Artensterben: Die Liste der globalen Herausforderungen scheint unendlich. Diese Probleme bieten für uns ein wahres Füllhorn an Gelegenheiten, sich zu schämen. Wer ein T-Shirt für drei Euro kauft, unterstützt die Ausbeutung, und wer in den Urlaub fliegt, zerstört die Umwelt.

Wenn wir uns dafür schämen, bringt das aber nicht viel – denn damit übernehmen wir die Verantwortung für Missstände, für die eigentlich jemand ganz anderes verantwortlich ist. Heute schämt sich z.B., wer keine Bioprodukte kauft, aber nicht der Hersteller, der mit Pestiziden unser Grundwasser verseucht und damit ernste Umweltprobleme verursacht.

Eigentlich wären Politik und Gesellschaft dafür verantwortlich, entsprechende Regeln aufzustellen. Denn globale und komplexe Probleme lassen sich nicht dadurch lösen, dass sich ein paar Verbraucher ein reines Gewissen erkaufen. Wenn ich Bio-Obst kaufe, mein Nachbar aber konventionelles Obst, gelangen schließlich trotzdem Pestizide ins Grundwasser. Und um das Ozonloch zu bekämpfen, hätte es auch nicht ausgereicht, wenn einige Verbraucher auf FCKW verzichtet hätten. Dazu war ein komplettes internationales Verbot notwendig.

Zur Lösung gesellschaftlicher Probleme müssen also die Verursacher gezwungen werden, ihr Verhalten zu ändern. Ein Mittel, das uns dabei helfen kann, ist die Scham. Dieses Gefühl entwickelte sich vor langer Zeit, damit unsere Vorfahren erfolgreich in Gruppen zusammenleben konnten. Wer etwas falsch gemacht hatte, musste nicht verstoßen werden, solange er sich dafür schämte – also das Getane bereute und verstanden hatte, dass es falsch war.

Scham kann dazu verwendet werden, das Verhalten von Menschen positiv zu verändern. Der Staat Kalifornien gibt z.B. zweimal pro Jahr eine Liste mit den 500 größten Steuersündern heraus. Diese werden vor der Veröffentlichung der Liste gewarnt und können mit einer Zahlung verhindern, dass ihr Name auf der Liste steht. Dank dieser Liste hat Kalifornien seit 2007 insgesamt 371 Millionen Dollar zusätzlich an Steuern eingenommen. Das Androhen von Scham ist also eine starke Motivation, sich sozial und richtig zu verhalten.

Scham kann uns also dabei helfen, die Welt zu verbessern. Ein guter Grund, dieses Gefühl etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

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