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Gegen den Hass

Ein Essay zu wichtigen Themen unserer Zeit

Von Carolin Emcke
10 Minuten
Audio-Version verfügbar
Gegen den Hass von Carolin Emcke

In letzter Zeit ist ein internationaler Trend auf der politischen Bühne erkennbar: Es bilden sich immer mehr Gruppen, die eine Sprache des Hasses sprechen. Das Auftauchen von AfD und PEGIDA in Deutschland, populistische Parteien in ganz Europa, Donald Trumps Wahlerfolg zum Präsidenten der USA und der Aufstieg des „Islamischen Staats“ – überall entwickelt sich neuer Hass. In ihrem Essay erklärt Carolin Emcke, was diesen Hass ausmacht und warum wir ihm nur mit einer pluralistischen und vielfältigen Gesellschaft begegnen können.

  • Alle, die dem zunehmenden Hass in unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen möchten
  • Menschen, die sozialen Ausschluss und Abwertung verstehen wollen
  • Jeder, der wissen will, was Trump, PEGIDA und der IS gemeinsam haben

Carolin Emcke ist eine deutsche Autorin und Publizistin. Von 1998 bis 2006 berichtete sie für den Spiegel aus Krisengebieten weltweit, seit 2007 arbeitet sie als freie Publizistin. 2016 wurde sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

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Gegen den Hass

Von Carolin Emcke
  • Lesedauer: 10 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 6 Kernaussagen
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Gegen den Hass von Carolin Emcke
Worum geht's

In letzter Zeit ist ein internationaler Trend auf der politischen Bühne erkennbar: Es bilden sich immer mehr Gruppen, die eine Sprache des Hasses sprechen. Das Auftauchen von AfD und PEGIDA in Deutschland, populistische Parteien in ganz Europa, Donald Trumps Wahlerfolg zum Präsidenten der USA und der Aufstieg des „Islamischen Staats“ – überall entwickelt sich neuer Hass. In ihrem Essay erklärt Carolin Emcke, was diesen Hass ausmacht und warum wir ihm nur mit einer pluralistischen und vielfältigen Gesellschaft begegnen können.

Kernaussage 1 von 6

Das aktuelle Klima von Fanatismus und Hass wird von vielen gefördert.

Woher kommt eigentlich der aktuelle Hass? Um das zu verstehen, sehen wir uns erst einmal an, wie Hass funktioniert.

In unserer Gesellschaft herrscht neuerdings ein Fanatismus, der für uns alle eine Bedrohung darstellt. Menschen, die in ihrem Aussehen, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Religion von der Norm oder dem Bekannten abweichen, werden zunehmend angefeindet. Ein Beleg dafür ist der Erfolg populistischer Parteien in Europa und den USA.

Diese neue Art von Hass ist ein Angriff auf die Menschlichkeit und damit auf uns alle. Hand in Hand mit ihm geht Terror, der den Gehassten zeigen soll, dass sie sich nie in Sicherheit befinden und jederzeit angegriffen werden können.

Warum kann sich dieser Hass so schnell ausbreiten? Ein Grund dafür ist, dass er oft einen ideologischen Hintergrund hat und im Kollektiv entsteht. Das bedeutet, dass viele Menschen die Verachtung des Hassobjektes schnell teilen. Die weitere Ausbreitung der Abneigung wird durch sogenannte  „Zulieferer“ unterstützt. Sie machen sich selbst nicht die Hände schmutzig, festigen aber das Weltbild der Hassenden, indem sie die entsprechenden Sorgen als berechtigt darstellen. Zu den Zulieferern zählen aber z.B. auch Staatsanwälte, die nicht schnell genug ermitteln, wenn Migranten die Opfer sind, oder Polizisten, die nur deutsche Zeugen befragen.

Außerdem gibt es verschiedene Gruppen, die vom Hass und der damit geschützten Angst profitieren: Medien, die Auflage machen, Politiker, die Stimmen fangen, oder der „Islamische Staat“ (IS), der den Hass rassistischer Europäer für seine Propaganda nutzt. Auch sie können dafür sorgen, dass die Verachtung sich weiter ausbreitet oder sich zumindest festigt.

Es ist momentan mehr als berechtigt, sich Sorgen zu machen. Welche Sorgen jedoch gerechtfertigt sind, fragen sich allerdings nur die wenigsten. Wir sollten der Sorgen-Rhetorik nicht blind folgen, sondern immer nach den eigentlichen Beweggründen schauen. So erkennen wir schnell, wo sich Rassisten als harmlose Bürger tarnen. Wer Hass duldet, anstatt entschlossen gegen ihn vorzugehen, trägt dazu bei, dass die Gehassten sich isoliert und unsicher fühlen.

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