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Das sind die Blinks zu

Die Berechnung der Welt

Von der Weltformel zu Big Data

Von Klaus Mainzer
15 Minuten
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Die Berechnung der Welt: Von der Weltformel zu Big Data von Klaus Mainzer

Big Data. Zwei Worte wie die Fußstapfen eines Giganten oder das digitale Echo des Urknalls. Datenkraken rund um den Globus sammeln und archivieren alles, was sie über jeden von uns und alles auf der Welt in ihre unsichtbaren Fänge bekommen. Die Programmierer und Verwerter wollen nicht weniger, als die Welt zu erklären. Sie vermessen, rechnen aus und bestimmen vorher. Datensammler lösen die Philosophen und Denker ab. Algorithmen gegen Theorien. Korrelation gegen Kausalität. Diese Blinks beleuchten, wo da die Chancen und Gefahren liegen.

  • Jeder, der mehr über Big Data und dessen Funktionsweise erfahren möchte
  • Alle, die sich näher mit der Rolle der Technik in unserer Gesellschaft befassen möchten
  • Menschen, die mitentscheiden, wie sehr datengetriebene Prozesse unser Leben beeinflussen

Klaus Mainzer, Jahrgang 1947, war Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an den Universitäten zu Konstanz und Augsburg. Später hatte er denselben Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung 2016 an der Technischen Universität München inne. Er war 2012 Gründungsdirektor des Munich Center for Technology in Society und ist bis heute Beirat zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen im Bereich der Technikwissenschaften. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen im Grenzgebiet zwischen Mathematik, Informatik und Philosophie gehören neben Die Berechnung der Welt (2014) u.a. Symmetrien der Natur (1988) und Leben als Maschine? Von der Systembiologie zur Robotik und Künstlicher Intelligenz (2010).

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Die Berechnung der Welt

Von der Weltformel zu Big Data

Von Klaus Mainzer
  • Lesedauer: 15 Minuten
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Die Berechnung der Welt: Von der Weltformel zu Big Data von Klaus Mainzer
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Big Data. Zwei Worte wie die Fußstapfen eines Giganten oder das digitale Echo des Urknalls. Datenkraken rund um den Globus sammeln und archivieren alles, was sie über jeden von uns und alles auf der Welt in ihre unsichtbaren Fänge bekommen. Die Programmierer und Verwerter wollen nicht weniger, als die Welt zu erklären. Sie vermessen, rechnen aus und bestimmen vorher. Datensammler lösen die Philosophen und Denker ab. Algorithmen gegen Theorien. Korrelation gegen Kausalität. Diese Blinks beleuchten, wo da die Chancen und Gefahren liegen.

Kernaussage 1 von 9

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Welt zu erforschen: mit Daten oder mit Theorien.

Wer ab und an mal Fußball guckt, weiß, dass sich die Kommentatoren und Zuschauer in zwei Lager spalten: Auf der einen Seite versuchen Statistikschlauberger mit Tonnen von Computerdaten, den Spielverlauf vorherzusagen. Auf der anderen Seite schimpfen die Seitenlinienphilosophen, es brauche kluge Hypothesen statt blutleerer Zahlen, um die Komplexität dessen, was auf dem Rasen passiert, zu verstehen. Ihr Zwist ist symptomatisch für die ewige Debatte zwischen Rechnern und Denkern.

Soll man die Welt mit empirischen Daten oder theoretischen Modellen erklären? Der Streit zwischen den zwei großen Lagern der Forschung ist so alt wie die Wissenschaft selbst. Schon die Babylonier meißelten ihre Beobachtungen zu Verwaltung, Handel und Himmelskörpern in ziselierter Keilschrift auf Tontafeln und leiteten erstaunliche Erkenntnisse zu wirtschaftlichen Beziehungen und Planetenkonstellationen ab. Sie interessierten sich zwar nicht dafür, die Zusammenhänge zu erklären, aber ihre akribische Analytik machte sie quasi zu den Vorreitern der heutigen Datensammler.

Die alten Griechen dagegen versuchten die Bewegungen der Planeten mit möglichst anschaulichen Modellen zu erklären. Sie stellten sich die Himmelskörper als Kugelschalen vor, die in ihren Theorien die Erde und hier und dort sogar schon die Sonne umkreisten. Dabei griffen sie auf ihre fortschrittlichen mathematischen Kenntnisse zurück, um die Bewegungen der Kugelschalen faszinierend exakt zu berechnen.

Heutzutage zeigt v.a. die physikalische Grundlagenforschung, dass die Kluft zwischen Daten und Hypothesen nicht für immer unüberwindbar sein muss. In Hochenergielaboratorien wie dem berühmten CERN in der Schweiz lassen Forscher aus aller Welt subatomare Teilchen aufeinanderprallen, um in Urknall-Simulationen nach den kleinsten Partikeln zu suchen, aus denen unser Universum besteht. Dabei fallen so viele Informationen an, dass die riesigen Datenberge nur durch moderne Algorithmen und leistungsstarke Superrechner ausgewertet werden können. Gleichzeitig sollen all diese Big Data helfen, Modelle der theoretischen Physik zu bestätigen bzw. widerlegen.

Daten und Hypothesen sind also durchaus aufeinander angewiesen. Moderne Theorien geben auf der Grundlage solider Datenbanken vor, in welcher Richtung wir nach weiteren neuen und wertvollen Daten suchen sollen.

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