Kategorien entdecken

In der App öffnen In der App öffnen In der App öffnen
Das sind die Blinks zu

Schwindsucht

Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte

Von Ulrike Moser
13 Minuten
Audio-Version verfügbar
Schwindsucht: Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte von Ulrike Moser

Wie eine Gesellschaft mit Krankheit umgeht, sagt viel über ihren Zustand aus. Und einen ganz besonderen Umgang hat seit jeher die Tuberkulose, früher auch Schwindsucht genannt, erfahren. Von den Romantikern wurde sie als Künstlerkrankheit verklärt, in der Moderne hüstelte man in Sanatorien vornehm vor sich hin und im Nationalsozialismus wurden die Erkrankten verfolgt und ermordet. Wie Ulrike Moser in Schwindsucht (2018) zeigt, hat diese besondere Krankheit viele Spuren in unserer Geschichte hinterlassen.

Leseempfehlung aus der Redaktion

„Geschichte anhand einer Krankheit: Dieser Titel zeigt, wie erhellend es ist, wenn man sich scheinbar Altbekanntem aus einer ganz neuen Perspektive nähert. Plötzlich kann man Lücken füllen und den großen Zusammenhang ein Stückchen weiter begreifen. “

– Isabella, Redakteurin bei Blinkist

  • Alle, die die Geschichte der Moderne besser verstehen wollen
  • Menschen, die den Zauberberg auf ihrer Leseliste haben
  • Alle, die einen Einblick in den Zusammenhang von Krankheit und Gesellschaft bekommen wollen

Die Historikerin Ulrike Moser war Redakteurin bei der FAZ und Die Woche. Zurzeit ist sie hauptsächlich für das Geschichtsmagazin GEO Epoche tätig. Schwindsucht ist ihr erstes Buch.

Kennst du schon Blinkist Premium?

Mit Blinkist Premium erhältst du Zugang zu dem Wichtigsten aus mehr als 3.000 Sachbuch-Bestsellern. Das Probeabo ist 100% kostenlos.

Premium kostenlos testen

Was ist Blinkist?

Blinkist ist eine App, die die großen Ideen der besten Sachbücher in einprägsame Kurztexte verpackt und erklärt. Die Inhalte der über 3.000 Titel starken Bibliothek reichen von Sachbuch-Klassikern, über populäre Ratgeber bis hin zu diskutierten Neuerscheinungen. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen wird jeder Titel von speziell geschulten Autoren aufbereitet und dem Nutzer als Kurztext und Audiotitel zur Verfügung gestellt.

Discover
3.000+ top
nonfiction titles

Get unlimited access to the most important ideas in business, investing, marketing, psychology, politics, and more. Stay ahead of the curve with recommended reading lists curated by experts.

Entdecke die Kernaussagen zu diesem Titel:
Entdecke die Kernaussagen zu diesem Titel:
Entdecke die Kernaussagen zu diesem Titel:

Schwindsucht

Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte

Von Ulrike Moser
  • Lesedauer: 13 Minuten
  • Verfügbar in Text & Audio
  • 8 Kernaussagen
Jetzt kostenloses Probeabo starten Jetzt lesen oder anhören
Schwindsucht: Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte von Ulrike Moser
Worum geht's

Wie eine Gesellschaft mit Krankheit umgeht, sagt viel über ihren Zustand aus. Und einen ganz besonderen Umgang hat seit jeher die Tuberkulose, früher auch Schwindsucht genannt, erfahren. Von den Romantikern wurde sie als Künstlerkrankheit verklärt, in der Moderne hüstelte man in Sanatorien vornehm vor sich hin und im Nationalsozialismus wurden die Erkrankten verfolgt und ermordet. Wie Ulrike Moser in Schwindsucht (2018) zeigt, hat diese besondere Krankheit viele Spuren in unserer Geschichte hinterlassen.

Leseempfehlung aus der Redaktion

„Geschichte anhand einer Krankheit: Dieser Titel zeigt, wie erhellend es ist, wenn man sich scheinbar Altbekanntem aus einer ganz neuen Perspektive nähert. Plötzlich kann man Lücken füllen und den großen Zusammenhang ein Stückchen weiter begreifen. “

– Isabella, Redakteurin bei Blinkist

Kernaussage 1 von 8

Die Schwindsucht ist eine chronische Infektionskrankheit.

Die Schrecken der Schwindsucht ziehen sich durch die ganze Menschheitsgeschichte, sodass sich in verschiedenen Kulturen und Epochen vielfältige Namen und Vorstellungen um sie ranken. In der griechischen Literatur heißt sie etwa „Phthisis“, abgeleitet vom griechischen Wort für „schrumpfen“. Auch „weiße Pest“ wurde sie genannt, „Auszehrung“ oder „die Motten“. Uns ist sie heute v.a. unter dem Begriff „Lungentuberkulose“ oder einfach nur „Tuberkulose“ bekannt.

1882 erkannte der deutsche Bakteriologe Robert Koch im Mycobacterium tuberculosis den Erreger der Krankheit. In seiner häufigsten Form tritt sie als Lungentuberkulose auf. Wenn Kranke husten, können feine Tröpfchen den Erreger enthalten, der dann bei Gesunden über die Atemwege in die Lunge gelangt und so die Krankheit überträgt. Doch auch infizierte Kuhmilch, Staub und trockener Auswurf, das sogenannte Sputum, können das Bakterium weitertragen. Nach der Infektion kann die Krankheit jederzeit ausbrechen, was bei 10-15% der Infizierten der Fall ist.

Lösen die Erreger in der Lunge eine Entzündung aus, werden sie von den körpereigenen Abwehrzellen umschlossen. So bilden sich Knötchen, auch als Tuberkel bekannt. Ist die Einkapselung vollständig erfolgt, kann die Entzündung heilen und die Krankheit bricht nicht aus – allerdings bildet sich auch keine Immunität. Bei einer erneuten Entzündung in der Lunge können die Tuberkel allerdings zusammenschmelzen, sodass das Lungengewebe zerfällt und flüssig wird. Auf diese Weise bilden sich Hohlräume, die Kavernen, die einen idealen Nährboden für das Mycobacterium bilden. So gelangt es auch in die Bronchien und wird teilweise ausgehustet.

Die Symptome der Tuberkulose verstärken sich typischerweise im Verlauf der Krankheit. Sie beginnen mit unspezifischen Beschwerden wie chronischem Husten, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, leichtem Fieber und Nachtschweiß. Doch mit dem Fortschreiten der Erkrankung wird zunehmend Lungengewebe zerstört, sodass es zu Bluthusten und Auswurf kommt. Da die Krankheit chronisch ist, kann sie immer wieder ausbrechen, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Letztlich führte die Schwindsucht früher fast immer zum Tod. Das änderte sich erst mit der Erfindung des Antibiotikums Streptomyzin.

Dass die Tuberkulose früher als „Schwindsucht“ bezeichnet wurde, resultierte aus der Vorstellung, der Körper brauche sich im Krankheitsverlauf selbst auf – er „schwindet“. Lange Zeit glaubte man sogar, der Körper werde durch die Intensität der Gefühle aufgezehrt: Bei den Kranken lösen Lebensgier und Todesfurcht sich ab, genauso wie gesündere Phasen und solche mit hohem Leidensdruck. Diese Vorstellungen und der meist dramatische Krankheitsverlauf führten zu einer Reihe von Verklärungen der Schwindsucht, insbesondere in der Romantik.

Mit Premium freischalten Jetzt lesen oder anhören

Inhalt

Mit Premium freischalten Jetzt lesen oder anhören

Bringe mehr Wissen in deinen Alltag!

Sichere dir jetzt Zugang zu den Kernaussagen der besten Sachbücher – praktisch in Text & Audio in nur 15 Minuten pro Titel.
Created with Sketch.