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Der Luzifer-Effekt

Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen

By Philip Zimbardo
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Der Luzifer-Effekt by Philip Zimbardo
Synopsis

Der Luzifer-Effekt (2007) zeigt, dass kein Mensch böse geboren wird, sondern durch besondere Umstände zu kriminellen werden kann – und zwar jeder von uns. An den Beispielen des Stanford-Prison-Experiments und eines Prozesses zu den Vorfällen im irakischen Gefängnis von Abu Ghuraib erklären die Blinks, was diese Umstände sind und wie wir verhindern, selbst böse zu werden.

Key idea 1 of 9

Jede und jeder kann zu einem Menschen werden, der Unrechtes tut.

Versuch dich zu erinnern: Hast du jemals im Leben etwas genommen, das nicht deins war, als niemand hingeschaut hat – und sei es nur ein schöner Kugelschreiber aus dem Wartezimmer? Obwohl dies natürlich nicht die schlimmste Straftat ist, zeigt dies unsere Bereitschaft, Dinge unter bestimmten Umständen zu tun, die wir normalerweise nicht tun würden, weil wir sie für falsch halten.

Viele gehen davon aus, dass manche Menschen einfach böse geboren werden, während andere von Geburt an Heilige sind. Doch die Wahrheit ist, dass die Grenze zwischen Gut und Böse fließend ist. Unter den richtigen Umständen kann jeder von uns zu einem schlechten Menschen werden. 

Sehen wir uns einmal das Beispiel von Ivan „Chip“ Frederick an, einem ehemaligen Sergeant bei der US-Army. Er war einer der Wärter im Gefängnis von Abu Ghuraib, das im Jahr 2003 für einen weltweiten Skandal sorgte aufgrund der Misshandlungen und schweren Folter von irakischen Gefangenen. 

War Frederick bereits vorher als bösartiger Mensch aufgefallen? Im Gegenteil. Er war ein gewöhnlicher junger Mann aus Virginia, der sein Vaterland und Baseball liebte. Er war durchschnittlich intelligent und bei psychologischen Tests wurde festgestellt, dass er eine stabile und ausgeglichene Persönlichkeit aufwies. Doch im Gefängnis von Abu Ghuraib folterte er Gefangene auf grausamste Weise. 

Was verändert das Verhalten von Menschen so radikal?

Wenn Menschen grausam oder sadistisch handeln, meinen wir gern, dass diese eben eine böse Natur haben und diese nur den größten Teil ihres Lebens gut verstecken. Leider sieht das auch die traditionelle Psychologie so: Bei der Erklärung von bösen Taten konzentriert sie sich auf die Veranlagungen der Täter – also Gene, Charakter, Pathologien –, die sie schon immer in sich tragen und nun scheinbar das Verhalten auslösen. 

Auch Chip Frederick wurde von vielen Menschen so beurteilt. Dabei wurden die eigentlichen Gründe für sein Verhalten, die sich aus seiner Situation ergaben, übersehen. In unserem nächsten Blink wirst du sehen, dass Frederick weder gut noch böse geboren wurde, sondern die Ursache seiner Grausamkeit ganz woanders schlummerte.

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