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Das unbeschriebene Blatt

Die moderne Leugnung der menschlichen Natur

By Steven Pinker
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Das unbeschriebene Blatt by Steven Pinker
Synopsis

Wie werden wir, wer wir sind? Welche Rolle spielen unsere Gene, und welchen Anteil hat unsere Sozialisierung? Diese Blinks zu Steven Pinkers Das unbeschriebene Blatt (2002) bereichern die uralte Debatte zu „Nature vs. Nurture“ um neue Erkenntnisse aus der Verhaltensgenetik. Sie widerlegen vor allem die Theorie des unbeschriebenen Blattes, nach der es primär die Umwelt ist, die unser Verhalten und unser Wesen prägt. Tatsächlich werden viele unserer markantesten Eigenschaften durch die Evolution geprägt!

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Von Blättern, Wilden und Gespenstern

Was haben ein Blatt, ein Wilder und ein Gespenst gemeinsam? Sie stehen für die drei großen Theorien über den menschlichen Verstand, die wir in diesen Blinks unter die Lupe nehmen. Beginnen wir also mit einer Vorstellungsrunde.

Was ist der menschliche Verstand? Wie kommt er zustande? Wie sehr wird er durch die Natur beeinflusst? Diese Fragen beschäftigen uns Menschen seit Jahrtausenden.

Die ältesten Erklärungsversuche stammen aus der Religion. Nehmen wir als Beispiel die jüdisch-christliche Tradition: Hier gilt der Geist des Menschen als losgelöst von seiner physischen Form. Die immaterielle „Seele“ überlebt also den Zerfall des stofflichen Körpers.

Nun wird die Wissenschaft seit der Aufklärung aber immer weniger vom Glauben beeinflusst, und heute gibt es die unterschiedlichsten Ansichten zur immergleichen Frage nach nature or nurture – natürliche Vererbung oder Umwelt, Gene oder Sozialisierung. Die meisten von ihnen wurzeln in einer der drei folgenden Theorien:

Die erste ist die Theorie des Unbeschriebenen Blattes. Sie wurde erstmals im 17. Jahrhundert vom britischen Philosophen John Locke formuliert. Und ihr zufolge kommen wir Menschen ohne angeborene Eigenschaften zur Welt: also als leeres, unbeschriebenes Blatt ohne Neigungen oder Talente. Wer wir sind, entscheidet sich somit allein durch die Erfahrungen, die wir im Leben machen.

In dieser Theorie ist es die Umwelt, die den Menschen formt, und nicht die Natur. Unsere Denk- und Verhaltensmuster werden durch unsere sozialen Einflüsse geprägt – und zwar unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit oder biologischem Geschlecht. Wäre eine bestimmte Person also unter anderen Umständen aufgewachsen – mit anderen Bezugspersonen, anderem Bildungsweg und anderen Medien –, dann wäre aus ihr ein völlig anderer Mensch geworden.

Die zweite große Theorie ist die des Edlen Wilden. Sie geht zurück auf den französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau aus dem 18. Jahrhundert. Rousseau glaubte, dass alle Menschen von Natur aus selbstlos und friedlich zur Welt kommen – und dass dieser unbefleckte Naturzustand durch die Gewalt und Gier der zivilisierten Gesellschaft korrumpiert wird.

Die dritte Theorie nennt sich Gespenst in der Maschine und stammt vom 1569 geborenen Philosophen René Descartes. Für ihn bestand der Mensch aus zwei separaten Systemen: der rein physischen „Gliedermaschine“ und der Psyche. Gemäß dieser Auffassung ist der menschliche Verstand zu komplex, um durch simple, mechanische Gleichnisse erklärt zu werden.

Wir halten also fest: Der Mensch entwickelte drei große Theorien, um das Rätsel der menschlichen Natur zu erklären.

Jede von ihnen stand für eine philosophische Schule: das Unbeschriebene Blatt für den Empirismus, der edle Wilde für die Romantik und das Gespenst in der Maschine für den Dualismus. Aber wer hatte nun recht?

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