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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Gedanken nach einem Mordversuch
Knife von Salman Rushdie beleuchtet das Leben des Protagonisten mit humorvollem und nachdenklichem Stil. Die Geschichte umspannt persönliche Prüfungen und gesellschaftliche Themen, die zu tiefen Einsichten in die menschliche Natur führen.
Am 12. August 2022 befand sich der Schriftsteller Salman Rushdie im Norden des Bundesstaats New York, in einer Stadt namens Chautauqua. Er wollte einen Vortrag darüber halten, wie man in den USA sichere Räume für Schriftsteller aus dem Ausland schaffen könnte.
Das Thema lag ihm am Herzen: Rushdie wurde in Indien geboren und veröffentlichte 1988 ein Buch namens Die satanischen Verse, das bei fundamentalistischen Muslimen für wütende Proteste sorgte. Der religiöse Führer des Irans, Ayatollah Khomeini, erklärte das Buch für blasphemisch und forderte alle Muslime in einer Fatwa auf, Rushdie umzubringen. Der Autor war qua islamisches Recht zur Tötung freigegeben worden.
Sein Anliegen der Schutzräume für Autoren erledigte sich auf finster ironische Weise: Rushdie kam nicht dazu, den Vortrag zu halten. Während er auf der Bühne saß, stürmte ein Angreifer mit einem Messer auf ihn zu. Dann folgten die längsten und quälendsten 27 Sekunden in Rushdies Leben. 27 Sekunden, bis der Mann überwältigt werden konnte. 27 Sekunden, in denen der Angreifer mehrfach auf Rushdie einstach, bis dieser blutend am Boden lag und dem Tode näher war als dem Leben.
Der Autor wurde etwa 15 Mal getroffen. Das Messer bohrte sich durch seine linke Hand, in seinen Unterleib, in seinen Hals und in sein rechtes Auge.
Rushdie hatte in den Tagen vor dem Attentat seltsame Vorahnungen gehabt. Noch in der Nacht vor seiner Abreise nach Chautauqua war er aus einem schrecklichen Traum hochgeschreckt: Er hatte sich mitten in einer Art antiken Arena befunden und war wiederholt von einem Gladiator mit einem Speer durchbohrt worden.
Jetzt, als Rushdie blutend auf dem Boden des Auditoriums lag, fühlte er sich merkwürdig dissoziiert. Er schwebte in einem unwirklichen Delirium, das ihn von der Realität abtrennte. Man sagte ihm zwar später, er habe vor Schmerzen laut geschrien. Aber daran kann er sich bis heute nicht erinnern.
Dagegen sind ihm andere Gedanken aus jenen schrecklichen Momenten bis heute präsent: Er war traurig, nie wieder seine Frau Eliza sehen zu können. Oder seine beiden Söhne. Er war bestürzt darüber, dass die Leute seinen neuen Anzug zerschnitten, um die Wunden freizulegen und die Blutung zu stoppen. Er machte sich Sorgen um seine Schlüssel und seine Brieftasche. Und es war ihm peinlich, halbnackt vor einer Menschenmenge zu liegen.
Kurz darauf legte man ihn auf eine Bahre, trug ihn zu einem Hubschrauber und flog ihn ins nächstgelegene Krankenhaus nach Erie, Pennsylvania. Rushdie erinnert sich, wie er ganz nüchtern dachte: Das wars. Ich werde sterben.
Seine Familie hatte von alledem nichts mitbekommen. Eliza war gerade zu Besuch bei ihrer Familie in Maryland, als der Anschlag geschah. Als sie davon erfuhr, ließ sie alles stehen und liegen und reiste so schnell wie möglich nach Pennsylvania. Als sie dort ankam, waren gleich mehrere Chirurgen dabei, die Wunden an Auge, Brust, Hals und Leber ihres Mannes zu versorgen. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits Gerüchte gegeben, Rushdie sei bei dem Attentat gestorben.
Aber er überlebte. Der Angreifer, ein 24-jähriger Mann aus New Jersey, wurde im Gefängnis von Chautauqua County festgehalten.
Knife (2024) ist Salman Rushdies intimer Bericht über die erschütternde Erfahrung, ein Attentat überlebt zu haben. Der Text bietet sensible Einblicke in die physischen und psychischen Auswirkungen eines so gravierenden Traumas. Rushdie befasst sich auch mit Themen wie Identität, Ideologie im digitalen Zeitalter und der Macht des Geschichtenerzählens. Das Ergebnis ist ein tiefgründiger und bewegender Essay über die menschliche Fähigkeit zu heilen.
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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari