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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen
Wie fühlst du dich? von Axel Hacke untersucht die Vielfalt menschlicher Emotionen in humorvollen Anekdoten. Wir entdecken gemeinsam die Komplexität unserer Gefühle und lernen, sie besser zu verstehen und zu akzeptieren.
Ich fühle, also bin ich – das könnte das Motto unserer Zeit sein. Jahrhundertelang galt das Gegenteil: Ich denke, also bin ich. Der französische Philosoph René Descartes hatte diesen Satz geprägt und damit den Verstand auf den Thron gesetzt. Vernunft galt als die höchste Instanz, Gefühle als Störfaktor. Wer weinte, war schwach, wer zu viel fühlte, unvernünftig. Entscheidungen, so glaubte man, trifft man mit dem Kopf – nicht mit dem Herzen.
Heute wissen wir: Ohne Gefühle können wir gar nicht denken. Das hat der Neurowissenschaftler António Damásio eindrucksvoll gezeigt. In seinen Studien beobachtete er Menschen, deren Frontalhirn – das Zentrum der Emotionsverarbeitung – geschädigt war. Einer von ihnen war vorher ein erfolgreicher Jurist und liebevoller Vater. Nach einer Operation konnte er zwar logisch denken, aber er fühlte nichts mehr. Keine Freude, keine Angst, kein Mitgefühl. Und genau das machte ihn entscheidungsunfähig. Er verlor Job, Familie und Orientierung, weil er ohne Emotionen keine Richtung mehr fand. Gefühle, das zeigte Damásio, sind unser innerer Kompass. Sie weisen uns den Weg, lange bevor der Verstand weiß, wohin.
Dass Denken und Fühlen zusammenarbeiten, klingt banal, aber man kann es nicht oft genug wiederholen: Der Geist wohnt nicht im Kopf allein. Er lebt im ganzen Körper. Wenn wir Herzklopfen, Gänsehaut oder einen flauen Magen haben, reagiert die innere Weisheit unseres Körpers anhand von Gefühlsregungen auf unseren Denkprozess. Wenn wir Angst spüren, mahnt er zur Vorsicht. Wenn Gefahr im Verzug ist, lässt er uns Ekel empfinden. Aber er sendet auch positive Signale. Und wenn wir uns bei jemandem so richtig sicher und geborgen fühlen, wird uns von Kopf bis Fuß so richtig kribbelig warm. Gefühle sind nicht das Gegenteil von Vernunft, sie sind ihr Helfer, Ratgeber und Richtungsweiser.
Und doch leben wir in einer Kultur, die sich erst langsam von der alten Gefühlsblindheit befreit. Wer in den fünfziger oder sechziger Jahren aufwuchs, lernte oft: Gefühle zeigt man nicht. Man funktionierte. Man redete nicht über Angst oder Trauer, man hielt sie aus – oder verdrängte sie. Heute ist es anders. Wir sprechen über Emotionen, manchmal fast zu viel. Ganze Industrien bauen auf ihnen auf. Werbung, soziale Medien, Politik – überall wird mit Gefühlen gearbeitet, sie werden erzeugt, verkauft, manipuliert. Wir leben in einer „Gefühlsgesellschaft“, in der Emotionen Währung geworden sind.
Das birgt eine paradoxe Gefahr: Einerseits entdecken wir die Bedeutung des Fühlens neu. Andererseits verlieren wir den Überblick darüber, welche Gefühle wirklich uns gehören – und welche uns von außen – etwa durch Werbeclips, einen geschickt kuratierten Instagram-Account oder einen emotionalen Film – eingepflanzt werden. Die Frage „Wie fühlst du dich?“ fordert uns auf, kurz innezuhalten und zu prüfen: Welches Gefühl ist eigentlich meins? Und welches kommt von all den Stimmen, Bildern und Stimmungen, die täglich auf mich einströmen? Vielleicht beginnt Freiheit genau dort: wenn wir wissen, was wir fühlen – und warum.
In Wie fühlst du dich (2025) geht es um das facettenreiche Innenleben der menschlichen Seele. Erfahre hier, warum Emotionen in unserer Zeit so einen hohen Stellenwert einnehmen, aber warum es gerade das hohe Tempo der Moderne ist, die unsere Gefühlswelt manchmal gehörig durcheinanderbringt.
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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari