Anna oder: Was von einem Leben bleibt Buchzusammenfassung - das Wichtigste aus Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Zusammenfassung von Anna oder: Was von einem Leben bleibt

Henning Sußebach

Die Geschichte meiner Urgroßmutter

3.9 (22 Bewertungen)
24 Min.

Kurz zusammengefasst

Anna oder: Was von einem Leben bleibt erzählt die bewegende Geschichte einer Frau, deren Erinnerungen und Erlebnisse auf faszinierende Weise die Brücke zwischen persönlichen und universellen Schicksalen schlagen. Henning Sußebach beleuchtet Fragen von Identität und Vergänglichkeit.

Inhaltsübersicht

    Anna oder: Was von einem Leben bleibt
    in 5 Kernaussagen verstehen

    Audio & Text in der Blinkist App
    Kernaussage 1 von 5

    Eine berufstätige Frau: Anna Kalthoff kommt nach Cobbenrode

    Langsam schiebt sich eine Postkutsche über den matschigen Waldweg. Wir schreiben das Jahr 1887. Der Winter zieht sich gerade zurück, Schnee schmilzt in den Tälern. Aus der Kutsche, den Blick konzentriert geradeaus gerichtet, steigt die junge Anna Kalthoff und setzt laut ausatmend ihren Koffer ab. Sie ist erst 20 Jahre alt, nach den Gesetzen des Kaiserreiches noch nicht einmal volljährig, doch das streng geknotete Haar und der hochgeschlossene Kragen ihres einfachen Kleides lassen sie älter wirken als sie ist. Das kleine Dorf Cobbenrode im Sauerland soll ihre neues Zuhause werden. Hier wird sie eine Stelle als Dorfschullehrerin antreten. 

    Cobbenrode besteht aus nicht mehr als 83 Häusern und gut 500 Einwohnern. Im Unterdorf drängen sich Mühle, Backhaus und verschachtelte Fachwerkhöfe eng um den Bach, während oben am Hang die Kirche, das Pfarrhaus und die neue Schule das Oberdorf bilden. Hier soll Anna leben und arbeiten.

    Die Schule selbst ist erst wenige Jahre alt. Klein und eng ist sie, weiß getüncht und direkt neben der Kirche gelegen. Ordentlich stehen die Pulte aneinandergereiht, vorne hängt eine grüne Schiefertafel. Ein kleine Küche gibt es auch und oben im Dachgeschoss bezieht Anna  mit ihren wenigen Habseligkeiten ein karges Kämmerchen. Vermögen hat sie keines. 

    Annas Vater, ein Gastwirt in einem Dorf bei Dortmund, starb schon früh an Wassersucht – ein langsames und qualvolles Versagen von Herz und Nieren. Er hinterließ zwei Söhne und vier Töchter. Es gelang der Mutter, drei der Töchter zu verheiraten. Mit Anna hatte sie anderes vor. Weil Anna zum Heiraten noch zu jung war, oder weil kein Geld mehr für eine Mitgift da war? Oder weil sie bemerkt, dass das Mädchen klug und wissbegierig ist? Wir wissen es nicht. Jedenfalls sollte Anna Lehrerin werden. Als die 12-jährige Anna davon erfuhr, soll sie gesagt haben: „Bekomme ich dann einen Buckel?“ Lehrerinnen galten damals als die übrig gebliebenen Mädchen, die keinen Ehemann finden konnten, weil sie nicht schön genug waren. Annas Angst vor dem Buckel war unbegründet. Eines der wenigen schwarz-weiß Fotos von Anna als junge Frau zeigt sie in stolzer Haltung, mit hoher Stirn, sanft geschwungenen Lippen und klaren, ausdrucksstarken Augen.

    Ein weiteres Bild zeigt sie als Lehrerin neben einer Gruppe von etwa 20 Kindern. Sie trägt ein dunkles Kleid, das knapp über den Knöcheln endet und in der Taille eng geschnürt ist. Jeden Tag steht sie in der Cobbenroder Dorfschule vor rund 40 Kindern, die sie in zwei Schichten unterrichten muss. Am Vormittag die Älteren, nachmittags die Jüngeren. Religion, Deutsch und Rechnen bilden den Kern des Unterrichts, ergänzt durch Naturkunde, Gesang und Turnen. Für die Mädchen ist Handarbeit vorgeschrieben, immerhin sollen sie mal tüchtige und ordentliche Hausfrauen werden. Fremdsprachen oder gar abstraktes Denken sind nicht vorgesehen. Kinder sollen disziplinierte Untertanen werden, in den Klassenräumen herrscht Ordnung bis ins Detail – wer aufmuckt, wird mit dem Stock bestraft. In der Familienüberlieferung erzählt man sich, Anna hätte eine „große Handschrift“ gehabt. Vielleicht verborgener Hinweis, auf eine strenge Hand, die oft und hart züchtigte?

    Zwischen Schiefertafel, Schulheften und sonntäglichen Kirchgängen: So hätte es für Anna bis an ihr Lebensende weitergehen können. Doch das Schicksal hatte andere Pläne.

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    Kernaussagen in Anna oder: Was von einem Leben bleibt

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    Worum geht es in Anna oder: Was von einem Leben bleibt?

    In Anna oder: Was von einem Leben bleibt (2025) geht es um das Leben der Anna Kalthoff, eine einfache Frau, die entgegen der Konventionen der Zeit ein selbstbestimmtes und mutiges Leben geführt hat.

    Wer Anna oder: Was von einem Leben bleibt lesen sollte

    • Jeder, der sich für die vergessenen Lebensgeschichten starker Frauen interessiert
    • Alle, die gerne gedanklich in die Vergangenheit reisen
    • Geschichts-Interessierte

    Über den Autor

    Henning Sußebach ist Journalist. Seit 2001 arbeitet er als Redakteur und Reporter für die Zeit. Er unterrichtet unter anderem das Fach Reportage an der Hamburger Henri-Nannen-Schule, der Schweizer Journalistenschule MAZ und an der TU Dortmund.

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