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Blink 3 von 12 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
von Yuval Noah Harari
Unser Eingliederungsversuch in eine geschlossene Gesellschaft
Mama, bitte lern Deutsch beschreibt die interkulturellen Herausforderungen einer Familie, die aus der Türkei nach Deutschland auswandert. Tahsim Durgun beleuchtet dabei Themen wie Sprachbarrieren, Integration und die Suche nach Identität.
Tahsim Durgun wuchs als Kind kurdischer Yeziden in Deutschland auf. Seine Eltern waren in der Türkei geboren und nach Deutschland gekommen, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Gemeinsam gründeten sie eine Familie mit vier Kindern. Alle wurden in Deutschland geboren, doch nur der Jüngste erhielt nach der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Die drei älteren Geschwister, darunter auch Tahsim selbst, mussten ihre deutschen Pässe später mühsam beantragen und lernten die Ausländerbehörde früh von innen kennen.
Die Geschwister verband ein gemeinsames Gefühl: Gehöre ich zur Gesellschaft überhaupt dazu? Ein Blick auf die Eltern erklärt, warum dieses Muster so tief verankert war. Als kurdische Yeziden waren sie Angehörige einer uralten Religion, die seit Jahrhunderten verfolgt wurde. Die Eltern trugen die Erfahrung von Ausgrenzung und Angst schon lange in sich, und genau dieses Erbe färbte auf die Kinder ab, nur eben in einem neuen Kontext.
Besonders deutlich zeigte sich das in der Grundschule. Im Religionsunterricht stellt Tahsims Lehrerin eine Wanne mit Wasser in den Stuhlkreis. Die Kinder sollten die Fußwaschung Jesu nachspielen. Für Tahsim war das eine Chance: Heute wollte er zeigen, dass er dazugehört! Zusammen mit seinem Freund Hamza meldete er sich freiwillig für die Fußwaschung. Doch dann kam die Frage nach seiner Religion.
Hamza konnte sagen, dass er Muslim sei. Tahsim hingegen wusste es nicht. Obwohl er mit yezidischen Begriffen und Ritualen aufgewachsen war, hatte niemand je das Wort „Religion“ für ihn damit verbunden. Die Lehrerin rief daraufhin Tahsims Mutter an, um herauszufinden, ob er überhaupt an einem christlichen Ritual teilnehmen durfte.
Erst danach ließ die Lehrerin Tahsim die Füße ins kalte Wasser tauchen. Eine Mitschülerin griff sofort zu, massierte seine Zehen mit geradezu unheimlichem Eifer, und die Klasse brach in Gelächter aus. In diesem Moment merkte Tahsim, dass ihn die Szene nicht ins ersehnte „Wir“ holte, sondern ihn noch deutlicher als Außenseiter entlarvte.
Zu Hause kam die Auflösung. Die Mutter erklärte ihm, dass er Yezide sei und dass es im Kern dieser Religion darum gehe, gut zu anderen Menschen zu sein. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sie der Lehrerin am Telefon gar nicht erklären konnte, was ihre Religion bedeutete. Dafür war ihr Deutsch nicht gut genug.
Für Tahsim war das ein Schlüsselmoment. Er verstand, dass die Sprachlosigkeit seiner Mutter zu seiner Verantwortung werden würde. Von da an war er Übersetzer, Vermittler und Sprachrohr seiner Familie.
Mama, bitte lern Deutsch (2025) zeigt das Ringen einer Familie um Zugehörigkeit. Im Mittelpunkt stehen Tahsim Durguns persönliche Erfahrungen, die exemplarisch zeigen, was viele Migrantenkinder in Deutschland erleben: frühe Verantwortung, ständige Sprachhürden und ein System, das ihnen den Weg oft schwerer macht, als er sein müsste.
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von Yuval Noah Harari