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by Robin Sharma
Wie uns Arbeitsmigrant*innen den Wohlstand sichern
Ganz unten im System delves into societal structures, unveiling personal narratives from individuals at the bottom. It highlights systemic inequalities, offering a poignant critique of societal norms and advocating for empathy and change.
Fabiu ist Maurer aus Rumänien und lebt seit Jahren in Deutschland. Sechs Tage die Woche arbeitet er auf Baustellen. Er lebt in einer engen Unterkunft in Frankfurt am Main, zusammen mit Hunderten anderer Männer aus Osteuropa. Die Wohnverhältnisse sind einfach: enge Zimmer, geteilte Küchen und Bäder, wenig Privatsphäre.
Ein typischer Tag beginnt früh: Um fünf Uhr aufstehen, Kaffee trinken, den Rucksack packen und mit Kollegen zur Baustelle fahren. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, oft unter Zeitdruck und mit unklaren Lohnabsprachen. Fabiu erhält nur einen Teil seines Lohns offiziell auf sein Konto, der Rest wird ihm bar ausgehändigt – eine Praxis, die in der Branche weit verbreitet ist.
Der Grund: Viele Arbeitgeber umgehen auf diese Weise hohe Sozialabgaben und Steuern. Während die Unternehmen dadurch Kosten sparen, bedeutet das für die Arbeiter langfristig massive Nachteile. Ihre Rentenansprüche schrumpfen, ihre Absicherung bei Krankheit ist unzureichend, und sie haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie ihre Stelle verlieren. Zudem entstehen finanzielle Abhängigkeiten, da der schwarz ausgezahlte Teil des Lohns nicht rechtlich einklagbar ist.
Doch das ist nicht alles. In der Baubranche müssen Arbeitgeber in eine Urlaubskasse einzahlen, aus der die Arbeiter ihre bezahlten Urlaubstage finanziert bekommen. Doch viele Unternehmen melden fiktive Urlaubszeiten an, lassen sich das Geld von der Kasse auszahlen und leiten es nicht an die Arbeiter weiter. Diese erfahren oft erst später, dass ihnen vermeintlich Urlaubstage angerechnet wurden, die sie nie genommen haben – eine illegale Praxis, die viele Unternehmen dennoch betreiben, da Kontrollen selten sind. Wer sich wehrt oder seinen Lohn einfordert, riskiert, schnell ersetzt zu werden.
Dieses System ist über Jahrzehnte gewachsen. Große Bauunternehmen lagern Arbeiten an Subunternehmen aus, die wiederum auf noch kleinere Firmen zurückgreifen. So wird Verantwortung weitergereicht, während die eigentlichen Arbeiter oft in rechtlichen Grauzonen tätig sind. Die fehlende Kontrolle dieser Strukturen erschwert den Zugang für Gewerkschaften, während Arbeiter aus Angst vor Jobverlust selten gegen Missstände vorgehen.
Dies war nicht immer so. Doch in den 1990er-Jahren begann der Umbau der Branche: Stammbelegschaften wurden reduziert, stattdessen setzten Unternehmen verstärkt auf Subunternehmen. Mit der Globalisierung und der EU-Osterweiterung stieg die Zahl osteuropäischer Arbeiter rapide an. Durch verschachtelte Strukturen wurde es möglich, Löhne zu drücken und Verantwortlichkeiten zu verschleiern – prekäre Arbeitsverhältnisse wurden zur Norm.
Trotz dieser harten Realität bleiben viele Arbeiter, weil sie in ihrer Heimat noch schlechtere Perspektiven hätten. Fabiu schickt jeden Monat Geld an seine Familie in Rumänien. Der Traum von einem besseren Leben für seine Frau und Kinder hält ihn in Deutschland, auch wenn er hohe persönliche Opfer bringt.
Ganz unten im System (2024) untersucht die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen migrantischer Arbeiterinnen und Arbeiter in Deutschland anhand persönlicher Geschichten. Dabei zeigen wir dir, wie systematische Ausbeutung in Branchen wie Bau, Fleischindustrie und Pflege fortbesteht und welche gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Mechanismen dahinterstehen.
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