
Besser als eine Zusammenfassung
Zusammenfassung von Die Lücken
Shida Bazyar
Deutscher Buchpreis 2026
- 23 Min.
- 4 Kernaussagen
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Die Lücken von Shida Bazyar thematisiert Rassismus und seine Auswirkungen auf das Leben in Deutschland. Es beleuchtet persönliche Schicksale und gesellschaftliche Strukturen, die Vorurteile und Ausgrenzung fördern, und hinterfragt unsere Wahrnehmung von Gerechtigkeit.
Die Lücken
in 4 Kernaussagen verstehen
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Kernaussagen in Die Lücken
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Kernaussage 1 von 4
1926 bis 1942
Als Kind hat Johanna mit den anderen Frösche gefangen und ganze Tage am Weiher verbracht, voller blauer Flecken und Mückenstiche, wie Generationen von Kindern vor ihr. Johanna und ihre beste Freundin Lore waren schon immer ganz reizend: fleißig, hübsch, klug und bescheiden. Lores kleine Schwester Anni hingegen war anders, immer irgendwie krank, irgendwie schwächlich, in der Schule hinterher. Lore konnte das nicht ertragen, aber Johanna half Anni heimlich und übte mit ihr das Einmaleins, wenn Lore nicht dabei war.
1926 ist Johanna verliebt, aber sie hat es keinem verraten. Der Moment, in dem sie Lore von ihrer Schwärmerei für Hans hätte erzählen können, war ungenutzt verstrichen. Jetzt saß Johanna mit Hans auf der Bank am Dorfrand und Hans erzählte vom Heimatverein: Volksmusik, Tradition, Theaterstücke, alles gute Dinge. Hans’ Mutter hatte Kischelscher gebacken, aber wie! Sie waren zu groß und außerdem war Fastnacht doch schon längst vorbei. Hans war das egal, er aß einen nach dem anderen. Johanna hörte ihm zu und war glücklich, während die kalte Luft nach Zucker roch.
Im Jahr darauf fand das erste NSDAP-Treffen in Heimesbach im Gasthaus von der Lahr statt. Die Menschen im Dorf wussten noch nicht, woran sie waren, aus Neugier waren sie alle gekommen, die Sozialdemokraten, die Leute aus den Kirchengemeinden, jüdische Nachbarn. Etwas lag in der Luft, etwas begann. Und dann ging es weiter:
1929 stand Johanna auf dem jüdischen Friedhof. Grabsteine waren umgeworfen, Hakenkreuze und Unrat überall. „Ich muss hier weg“, murmelte Johanna. Frau Lichter vom Kaufhaus hatte unerschrocken Anzeige erstattet. Die Polizisten fanden einen kleinen Schuhabdruck auf dem geschändeten Friedhof – offensichtlich war das Ganze nur ein Kinderstreich gewesen, kein Grund zur Sorge.
1933 war Heimesbach herausgeputzt. Der Ort war zum Gaumusterdorf ernannt worden! Die sauberen Fahnen, die ordentlichen Blumenkübel, die leuchtenden Augen der Kinder und das brandneue Staatsjugendheim ließen keinen Zweifel daran: In Heimesbach ging es voran. Das Dorf wuchs, es wurde schön. Dass man sich dafür auch von einigen Dingen – oder Menschen – trennen musste, das war nicht zu vermeiden.
Seit vor dem jüdischen Kaufhaus Lichter jeden Tag SA-Männer standen, machte das andere Kaufhaus am Ort einen wunderbaren Umsatz. Auf der Wiese des frisch enteigneten jüdischen Viehhändlers wurde die neue Volksschule gebaut. Von den 42 Juden, die in Heimesbach wohnten, wurden alle auf die eine oder andere Weise beraubt. Und von den Heimesbachern war fast jeder auf die eine oder andere Weise beteiligt. Zum Beispiel auch Resi, die ihre Arbeit im Kaufhaus Lichter kündigte, ohne sich von Herrn und Frau Lichter zu verabschieden.
Später stand Johanna am Waldrand. Ihre Beine wollten heute nicht laufen, ihr Kopf war zu beschäftigt. Sie ging alles durch: Papiere, Visumsanträge, Fristen, Wünsche, Hoffnungen – sie waren zu spät. Wenn sie ein Papier organisiert hatten, war das andere bereits abgelaufen. Sie hatten zu lange gedacht, dass es schon vorbeigehen würde. Sie hatte zu oft mit Hans auf der Bank gesessen. Dort hatten sie sich gegenseitig versichert, dass sie auf Gott vertrauen durften oder auf die Menschheit. Die Lage war schlimm, aber sie waren zu Hause, was sollte ihnen schon passieren? Jetzt war es zu spät. Nichts mehr lag in ihrer Hand. Sie betrat den Wald an diesem Tag nicht. Sie drehte sich um und ging nach Hause.
Während der Novemberpogrome 1938 fühlten sich die Täter stark, im Recht und überlegen. Für ihre Seite war der Ausbruch der Gewalt berauschend. Einer hatte sogar eine Erektion, als er den ersten Stein warf – davon erzählte er natürlich niemandem. Für die anderen war es das reine Grauen, das plötzlich in die Häuser und Wohnungen drang, die letzten Orte, an denen man sich halbwegs sicher gefühlt hatte.
1942 wurde das Dorf als eines der ersten überhaupt „judenfrei“. Es fehlten nicht nur Menschen, sondern auch Gefühle. Die Freundschaft von Lore und Johanna gab es nicht mehr. Johanna war weg, Lore war noch da. Eine Familie in Heimesbach erhielt eine Karte von ihren ehemaligen Nachbarn Otto und Frieda Ackermann. „Eine Stunde vor unserer Abreise sagen wir Ihnen unseren besten Dank für Ihre gütige Anteilnahme! Gott vergelts Ihnen. Lebewohl.“ Der Poststempel entsprach dem Datum ihrer Deportation.
Waren die jüdischen Familien freiwillig weggezogen? Oder wurden sie nicht vielmehr terrorisiert, deportiert und ermordet? Natürlich nicht, darin waren sich die Heimesbacher, die in den folgenden Jahrzehnten von dieser Zeit erzählten, einig.
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Worum geht es in Die Lücken?
Was ist die Seele eines Ortes? Was ist Heimat? Wer darf sich wo wie fühlen? In einzelnen Episoden aus den vergangenen 90 Jahren beleuchtet Die Lücken Situationen, Menschen und Gefühle in dem fiktiven Ort Heimesbach im Hunsrück. Mit einem poetischen und aufmerksamen Blick auf die einzelnen Protagonisten entsteht so ein Mosaik aus dem Wunsch dazuzugehören, Fremdenhass, persönlichen Kämpfen und fragiler Sicherheit.
Wer Die Lücken lesen sollte
- Literaturfans
- Alle, die wissen möchten, wie man Geschichte anders erzählen kann
- Menschen, die sich für Diskriminierungs- und Migrationserfahrungen interessieren
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Ines S.
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Guillem B.
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Ekaterina S.
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