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Süchtig nach Wissen: Diese App hat einen Hype ausgelöst

So viele Bücher, so wenig Zeit. Mit dieser Erkenntnis starten vier Studenten ein Business, das heute gefeiert wird. Was die App verspricht, ist einmalig.
von Lisa Baier | 12.08.2020

Das Wirtschaftsmagazin BRAND EINS kürte sie zum “Hidden Champion der deutschen Start-up-Szene”, für ZEIT ONLINE ist sie “die perfekte Lösung für die Generation der gestressten Smartphone-Großstädter” und laut der Computerzeitschrift T3N hat sie “das Lesen von Sachbüchern in das digitale Zeitalter überführt.” Die App Blinkist bringt die Kernaussagen tausender Sachbücherauf das Smartphone. In nur 15 Minuten kann man sich so das Wissen eines dicken Sachbuchs aneignen. Ein Konzept, das überzeugt: Letzten Monat hat Blinkist die 15-Millionen-Nutzer-Marke geknackt. Kurzum: Blinkist ist in aller Munde. Aber was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Hype um die neue Trend-App und wer sind die Nutzer?

„Mit Blinkist erweitern Sie Ihr Allgemein- und Fachwissen in kürzester Zeit.“
– COMPUTER BILD

Die Zielgruppe überrascht

Die Sachbuch-Kurzfassungen sind vor allem bei einer Zielgruppe beliebt, der man eher selten den Wunsch nach einer Kurzfassung unterstellt. Die Nutzerstatistik zeigt: Mehr als 80 Prozent haben einen Hochschulabschluss, die meisten davon verfügen über den akademischen Grad Bachelor. Das deutsche Universitätsmagazin Audimax nennt die App sogar „die perfekte Lösung“ für alle Menschen mit vielen Interessen und wenig Zeit. Auch der beliebteste Ort für den Konsum der Kurzfassungen ist ungewöhnlich: Die meisten Titel werden auf dem Arbeitsweg angehört, vor allem im Auto.

Twitter-Investoren geben Berliner Start-Up-App Millionen

Tatsächlich hilft Blinkist aber nicht nur dabei, neue Sachbücher zu entdecken. Die App ist auch geeignet, um Wissen aus einem Buch, das man bereits gelesen hat, wieder aufzufrischen. Denn die Blinkist-Kurzversionen sind so aufgebaut, dass Nutzer Informationen besonders gut behalten können.

Dass die App einmal so erfolgreich sein würde, wie sie es heute ist, war für die jungen Gründer lange Zeit nur ein Wunschtraum. 2013, kurz nachdem eine Gruppe Studienfreunde Blinkist gestartet hatte, mussten sie fast Insolvenz anmelden. Der Grund: Viele Geldgeber verstanden ihre Idee einfach nicht. Nach langem Bangen biss dann schließlich doch ein Investor an und rettet Blinkist vor der Pleite.

Kaum ging es bergauf, zeigten auch andere Investoren Interesse. So steckte beispielsweise die Risikokapitalfirma Insight Venture Partners mehrfach Beträge in Millionenhöhe in das Start-Up. Ein Vertrauen, das Gewicht hat, denn in der Vergangenheit hat Insight Venture Partners bereits ein gutes Gespür für Trend-Apps bewiesen und unter anderem in Unternehmen wie Twitter, Tumblr und BlaBlaCar investiert.

Das Online-Magazin Gründerszene für Startups und digitale Wirtschaft hat Blinkist jüngst zu den 10 größten deutschen Unicorn-Hoffnungen gezählt, die “demnächst die Milliardenbewertung knacken könnten”.

„Blinkist ist ein Hidden Champion der deutschen Start-up-Szene.“
– brand eins, Wirtschaftsmagazin

Hätte es diese eine Notiz nicht gegeben…

Alles begann mit ein paar Notizen zu Sachbüchern, die Sebastian Klein, einer der Gründer, während seines Studiums anfertigte und mit Freunden und Kommilitonen teilte. Später dann, als sie im Berufsleben standen und wenig Zeit für Bücher hatten, “kramten wir diese Notizen wieder raus und merkten, wie wertvoll sie für uns waren”, erinnert sich Holger Seim, einer der Co-Founder des Berliner Startups. Schnell stand die Idee, die Stichpunkte in einer App zu sammeln, um zu jeder Zeit an jedem Ort Zugriff darauf zu haben. Diese Idee kam bei jedem, mit dem sie sprachen, so gut an, dass eins zum anderen führte. 2012 gründeten Holger Seim, Sebastian Klein, Tobi Balling und Niklas Jansen ihr Startup Blinkist (der Name ist eine Kreation vom englischen to blink, zu deutsch Augenzwinkern) in ihrer Wahlheimat Berlin. Seither ist das Unternehmen eine einzige Erfolgsstory, versorgt inzwischen 15 Millionen Kunden täglich mit Wissen und beschäftigt 160 Mitarbeiter.

Das schlanke und simple Design macht es einfach, innerhalb von Minuten aus einigen der besten Bücher der Welt zu lernen – sei es durch Lesen oder Hören.

Ein Sachbuch in 15 Minuten – So funktioniert’s

Mehr Bücher in einem Monat lesen zu können als sonst in einem Jahr – das klingt verrückt, ist aber machbar. Denn Blinkist bringt die Ideen aus den beliebtesten Sachbüchern weltweit in schlanke Kurzfassungen. Diese Kurztexte können Nutzer mobil auf ihrem Smartphone in der App wahlweise lesen oder anhören. Das Besondere: Es dauert nur 15 Minuten, um die Kernaussagen eines ganzen Buches zu verstehen. Heute fasst die digitale Bibliothek von Blinkist bereits über 4000 Titel in 27 unterschiedlichen Kategorien, und jede Woche kommen etwa 70 weitere hinzu. Lesen oder anhören kann man sich beispielsweise Daniel Kahnemans Bestseller Schnelles Denken, Langsames Denken, Giulia Enders Sachbuchhit Darm mit Charme oder die erfolgreiche Sachbuchreihe von Yuval Noah Harari, zum Beispiel Eine kurze Geschichte der Menschheit. Viele weitere bekannte deutsche und englische Titel zu Produktivität, aber auch zu Leadership, Wissenschaft, Kommunikation und Psychologie hat Blinkist in die Kurzfassung übersetzt.

Die Wissens-App basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Hirnforschung und Psychologie.

Neurowissenschaft – Warum es ohne sie nicht geht

Lesen, kürzen, lesen, kürzen, und schließlich neu verfassen: Im Schnitt sind 6-7 Mitarbeiter, darunter Fachexperten, Journalisten, Psychologen und Coaches, an der Produktion eines einzigen Kurztextes beteiligt. Nach dem neurowissenschaftlich fundierten Pyramidenprinzip stellen sie sicher, dass alle wesentlichen Argumente anschaulich verdeutlicht werden. So wird es den Lesern und Zuhörern möglichst leicht gemacht, die Erkenntnisse im Gedächtnis zu behalten. Journalisten und Redakteure sorgen dafür, dass aus den stichpunktartigen Notizen schöne finale Texte mit ganz eigenem Schliff entstehen. Zu guter Letzt sprechen bekannte Erzählstimmen aus der Hörbuchbranche die Kurzfassungen ein. So ist jeder Titel im Blinkist-Archiv nicht nur handgemacht, sondern auch garantiert professionell aufbereitet.

Diese Menschen nutzen die App am liebsten

Braucht man nur noch 15 Minuten Lese- oder Hörzeit für ein Buch, kann man damit einfach auf kurze Zwischenphasen im Alltag ausweichen, die normalerweise im Leerlauf verharren. So nutzt die Hälfte der 15 Millionen User die App am liebsten auf dem Weg zur Arbeit, etwa während der Autofahrt. Die App macht sich so bei all jenen beliebt, die ihre Zeit optimal produktiv nutzen wollen, zum Beispiel bei CEOs, Beratern und Selbstständigen: Laut Nutzerbefragung schätzen sie an der App, dass sie so unkompliziert zur Verbesserung des Allgemeinwissens beiträgt, was sie auch bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung unterstützt.

„Blinkist macht wirklich Spaß. Das Programm gibt mir die Chance, mir in kurzer Zeit einen brauchbaren Einblick zu verschaffen.“
– ZEIT

Microlearning: Diesen Trend hat die App mitgeprägt

Obwohl Blinkist von Beginn an ein Berliner Unternehmen ist, haben sich die Gründer zunächst 3 Jahre lang auf den US-amerikanischen Markt konzentriert. Dort wurde das neue Konzept der Wissensaneignung besonders gut angenommen, sodass sich aus Blinkist sogar der Trend Microlearning entwickelte. Das ständige Lernen von Neuem in kleinen Schritten ist dem schnelllebigen Rhythmus unserer Zeit so gut angepasst, dass es nicht lange dauerte, bis der Trend und Blinkist auch hierzulande Fuß fassten. Was vor zwei Jahren in Deutschland noch ein Geheimtipp war, entwickelt sich heute zu einem regelrechten Wissens-Hype. Bereits im Jahr 2016 wurde Blinkist mit dem World Summit Award in der Kategorie Bildung von den United Nations ausgezeichnet.

So überraschend digitalisierte die App eine ganze Branche

Regelmäßig getestet und empfohlen wird die App von den großen deutschen Medienhäusern wie Zeit Online, Spiegel, Welt und Computerbild. Auch das digitale Wirtschaftsmagazin t3n hat die App dem Selbsttest unterzogen und resümiert: “Blinkist hat das Lesen von Sachbüchern in das digitale Zeitalter überführt”. Damit sprechen sie genau das Anliegen aus, das die drei Gründer seit der Geburtsstunde von Blinkist motiviert: Das Leben der Menschen im digitalen Zeitalter “radikal verbessern” zu wollen, so formuliert es Holger Seim. So steht Blinkist für Apple- und Android-Geräte in den Appstores kostenlos zum Download verfügbar. Nicht zuletzt wegen seiner erfolgreichen Ausrichtung auf den digitalen Markt konnte sich das Startup kürzlich über seine zweite Investition in Millionenhöhe freuen. Ein wichtiges Etappenziel für das Unternehmen, das es bestens für die Zukunft rüstet – denn während in der Start-up-Welt viel geredet wird, geht es für die Mitarbeiter bei Blinkist vor allem um eins: Machen.

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