„Ein neues Kapitel schreiben“ – Holger Seim überrascht mit Firmen-Rückkauf
Erfolgreiche Gründergeschichten laufen üblicherweise nach demselben Schema ab: Idee, Wachstum, Exit. Die Geschichte von Holger Seim ist etwas anders. 2012 gründete er mit drei Studienfreunden die Wissens-App Blinkist. 2023 verkaufte er das Unternehmen für rund 200 Millionen Euro an das australische EdTech-Unternehmen Go1. Dann die überraschende Wendung: 2026 entschlossen sich Seim und sein Mitgründer Tobias Balling, Blinkist wieder zurückzukaufen. Im Gespräch erzählt Seim, wie es sich anfühlt, kurz vor der Pleite zu stehen, warum ein erfolgreicher Exit nicht das Ende einer Unternehmsgeschichte sein muss – und weshalb er trotz aller KI-Debatten weiter an seine App glaubt.
Fangen wir am Anfang an: Wie kam es zur Idee, ein Buchzusammenfassungs-Unternehmen zu gründen?
Die Idee zu Blinkist hatten Niklas Jansen, Sebastian Klein, Tobias Balling und ich im Jahr 2012. Wir hatten gerade unsere ersten Jobs nach dem Studium. Plötzlich waren unsere Kalender voll – da war keine Zeit mehr für all die Sachbücher, die wir eigentlich lesen wollten. Aus diesem Problem heraus entstand die App. Sie vermittelt die Kernaussagen von Sachbüchern in 15 Minuten.
Der Weg zum heutigen Erfolg war nicht geradlinig. Es gab eine Phase, die du selbst als die dunkelste des Unternehmens beschreibst.
Wir standen tatsächlich mal kurz vor der Insolvenz. Das hat mir schon einige schlaflose Nächte bereitet. Es fühlte sich an, als ob ein Traum zerplatzt. Ich musste dem Team sagen, dass ihre Gehälter nicht sicher sind. Das gehörte sicher zu den schwersten Momenten meiner Gründerlaufbahn.
„Blinkist ist eine der besten Apps der Welt.“ – Apple
Was hat die Wende gebracht?
Letztlich haben wir doch noch Investoren gefunden, die im Laufe der Jahre mehr als 35 Millionen Euro in Blinkist gesteckt haben. Damit haben wir die Möglichkeit bekommen, unsere Idee weiter zu verfolgen. Glücklicherweise hat sich das ausgezahlt: Heute nutzen Millionen Menschen die App. Die Vision ist in der ganzen Zeit dieselbe geblieben: Wir wollten von Anfang an etwas bauen, das echten Mehrwert im Leben der Menschen schafft.
2023 kam der große Schnitt: Blinkist wurde für rund 200 Millionen Euro an Go1 verkauft.
Für uns war das der konsequente nächste Schritt. Go1 und Blinkist hatten eine ähnliche Vision, und auch die Zahlen passten. Über Go1 wollten wir unser B2B-Geschäft ausbauen und unsere Lernplattform global skalieren. Die besten Unternehmen werden gekauft und nicht verkauft, und genau so hat es sich für uns angefühlt.
Im Jahr 2026 hast du zusammen mit Tobias Balling das Unternehmen wieder zurückgekauft. Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Schritt?
Ehrlich gesagt hat sich bei Go1 die strategische Ausrichtung verschoben, und die gemeinsame Vision, die dem Exit zugrunde lag, stand irgendwann nicht mehr im Fokus. Dazu kam die operative Realität: ein Unternehmen über drei Zeitzonen hinweg zu führen, Australien, Europa, USA, und dabei agil zu bleiben, das haben beide Seiten unterschätzt. Gleichzeitig haben Tobi und ich gesehen, wie viel ungenutztes Potenzial noch in der Marke und im Produkt steckt. Da wollten wir noch einmal ein neues, aufregendes Kapitel mit Blinkist schreiben. Die Trennung von Go1 war letztlich für beide Seiten die bessere Option, und der Rückkauf im April 2026 war die Konsequenz daraus.
Aktuell wird viel über künstliche Intelligenz und die Zukunft von Wissens-Apps diskutiert. Macht dir das Sorgen?
Im Gegenteil. Unser B2C-Geschäft läuft weiterhin sehr gut und stabil, die Abgesänge auf Blinkist aufgrund von KI kamen definitiv zu früh. Mit 43 Millionen Nutzerinnen und Nutzern weltweit zählen wir zu den etablierten Wissens-Apps im deutschsprachigen Raum und international. Wir haben fast zehntausend Titel in der Bibliothek, 27 Kategorien von Wirtschaft bis Psychologie. 30 neuen Titel kommen im Monat dazu, darunter aktuelle Bestseller.
„Mit Blinkist schaffe ich es, ein riesiges Wissen neu aufzubauen. Ich kann in Themen einsteigen, mit denen ich mich aufgrund knapper Zeit nie befasst hätte.“ – Martin, 50, Geschäftsführer
Aber kommt da nicht gerade eine große Disruption auf uns zu? Immerhin lassen sich mit ChatGPT und Co. Zusammenfassungen leicht selbst erstellen.
Bei uns geht es nicht nur um die Zusammenfassung, sondern um das Gesamterlebnis, kuratiert von Menschen für Menschen. Menschen vertrauen Menschen, nicht Maschinen, und dafür sind unsere Nutzerinnen und Nutzer bereit zu zahlen. Das ist es, was ich mit Blinkist immer erreichen wollte: eine Wissensquelle, der man vertraut.
The Blinkist editorial team
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What is Blinkist?
Blinkist is an app that transforms key insights from great nonfiction books into quick, easy-to-understand highlights. The reality is – everyone loves reading, but no one has the time. Blinkist fills this learning gap and makes acquiring new knowledge effortless.




