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Lesen neu gedacht: Diese App aus Berlin verändert alles

Schon auf über 13 Millionen Smartphones ist die App Blinkist installiert: Nutzer lesen Kurzversionen der beliebtesten Ratgeber und Sachbücher in nur 15 Minuten oder streamen die Titel als Audioangebot. Mit dem international etablierten Service macht das Berliner Start-up das Lesen wieder populär.
von Julia Königs | 11.03.2020

Sie ist in aller Munde, diese App, die weltweit für Aufsehen sorgt und das Leseverhalten von Wissenshungrigen und Bildungsfans aufrüttelt: Eine digitale Bibliothek mit 3.000 Sachbüchern und Ratgebern, komprimiert auf 15-minütigen Content zum Lesen oder Anhören, das bietet das Start-up Blinkist aus Berlin. Dieses Lesen in kurzen Abschnitten spart nicht nur Zeit, sondern unterstützt das durchschnittliche Konzentrationshoch. Deutsche Medien wie die ZEIT, die WELT und der SPIEGEL befinden Blinkist für spannend, und auch die Stiftung Lesen ist überzeugt, dass digitale Anwendungen wie die App Blinkist das Lesen fördern und für Weiterbildung sorgen. Aus dem einstmaligen Geheimtipp wird aktuell eine Lese-Revolution.

Die Gründer des Berliner Startups Blinkist: Holger Seim, Tobi Balling und Niklas Jansen

Alle 14 Stunden schießt in der Gründermetropole Berlin ein neues Start-up aus dem Boden, aber nur eines von zehn Unternehmen überlebt die kritische Anfangsphase. Obwohl auch das Jungunternehmen Blinkist kurz vor der Insolvenz stand und 2013 nur durch den Zusammenhalt der Mitarbeiter und die Investition zweier deutscher Unternehmen gerettet wurde, ist der App der internationale Durchbruch gelungen. „Für uns war es eine enorme Belastung, den Kollegen sagen zu müssen, dass wir sie vorläufig nicht bezahlen können”, erinnert sich Mit-Gründer Holger Seim an die Beinahe-Insolvenz. „Umso schöner war es, als wir dem Team verkünden konnten, dass große Investoren an uns glaubten und wir finanziell wieder stabil waren. Dass wir heute schon acht Jahre am Markt sind und wachsen, ist eine Team-Leistung und macht uns alle stolz.”

“Mit Blinkist erweitern Sie Ihr Allgemein- und Fachwissen in kürzester Zeit”
– COMPUTERBILD

Hype aus Berlin: Dieser Trend verleiht App Blinkist Rückenwind

13 Millionen Menschen nutzen das eher konservativ anmutende Abo-Angebot aus Berlin, das Kernaussagen von Ratgebern leicht zugänglich macht und Hinweise gibt, wie man das Gelernte sofort in den Alltag integrieren kann – ein Service, den Sachbücher nach dem Lesen nicht selbstständig liefern. Die frühe Popularität auf dem US-amerikanischen Markt bildete für die Gründer den Grundstein, um sich auch in Deutschland in den vergangenen acht Jahren einen Namen zu machen: Mit Buchtiteln aus mittlerweile 27 Kategorien wie Umwelt, Marketing und Produktivität, verzeichnet Blinkist in den Stores von Google und Apple täglich über 10.000 Downloads.

Zugute kommt der Erfolgsidee der Berliner, dass Sachbücher und Ratgeber laut Studie des Marktforschungsinstituts SPLENDID RESEARCH auf dem dritten Platz der beliebtesten Buchkategorien in Deutschland liegen und im Jahr 2019 ein Umsatzplus von rund 4,9 Prozent erzielten. Sachbuch-Empfehlungen aus prominenter Hand, wie es beispielsweise Bill Gates auf seinem YouTube-Kanal etabliert hat, befeuern den Boom des Genres auf dem Buchmarkt zusätzlich. Hat die App also tatsächlich die Chance, das Lesen zu revolutionieren, indem sie mehr Menschen für Sachbücher begeistert?

Die Zahlen sprechen für die App aus Berlin: Fast jeder zweite Blinkist-Nutzer verbessert sein Leseverhalten radikal. Rund 40 Prozent der Mitglieder gaben in einer Befragung an, durch die App mehr Bücher zu lesen.

Audio-Segment und Micro-Learning: Chance oder Risiko?

Das Konzept ist einfach: Kernaussagen von Sachbüchern in nur 15 Minuten lesend oder hörend konsumieren und sich weiterbilden. Wer sich Wissen in solch kompakten Abschnitten aneignet, agiert nach dem Trend des sogenannten Micro-Learnings. Orientiert man sich an den ersten Bestimmungen des in Deutschland noch jungen Begriffs, setzen Lernende beim Micro-Learning darauf, in kurzen, sich wiederholenden Zeitspannen dichte Informationen aufzunehmen. Die Forschungen von Professor Theo Hug der Universität Innsbruck geben beispielsweise an, dass viele Lernende das Mikrolernen als Form von Wissensmanagement über ein mobiles Endgerät (wie dem Smartphone) betreiben und auf Mikro-Content setzen. Bezogen auf diese Ergebnisse kann man die Kompaktversionen von Sachbüchern der App Blinkist als solchen Mikro-Content betrachten: Sie sind in kurzen Einheiten schnell zu erfassen und liefern umfassende Informationen.

Der Audio-Bereich sorgte bei Blinkist 2016 zusätzlich für den Durchbruch, denn mit der Beliebtheit von Podcasts bei rund 20 Millionen Deutschen, dem steigenden Streaming-Angebot diverser Dienste und physiologisch beeinträchtigenden Phänomenen wie Screen Fatigue (auch bekannt als Bildschirmmüdigkeit) stechen solche Unternehmen hervor, die sich an den Bedürfnissen ihrer Nutzer orientieren. Auch die Hörkompass-Studie 2019 konnte nachweisen, dass mobile Geräte wie das Smartphone zu den meistgenutzten Medien für das Anhören von Hörbüchern oder Podcasts gehören. Blinkist bedient folglich einen global aufstrebenden Markt.

„Über Blinkist reden gerade besonders viele Menschen. Vielleicht liegt es daran, dass man dort zu jedem Thema etwas findet.“
– Rheinische Post

Hirnforscher am Werk: Darum ist Lesen mit Blinkist tatsächlich effektiv

Mit rund 8,68 Millionen Menschen in Deutschland, die ihre Bücher laut Analyse der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2019 auf digitalen Geräten konsumieren, hat Blinkist die passende Zielgruppe für sich gefunden. Das Konzept des Berliner Unternehmens bedient moderne Leser-Bedürfnisse: Unterwegs, im Fitnessstudio oder in der Mittagspause greift man schnell zu Smartphone, Tablet oder Laptop, um sich zeitgleich zu beschäftigen.

Dabei fußt das Prinzip hinter den über 3.000 Sachbüchern und Ratgebern auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den Neurowissenschaften und der Psychologie. Statt Künstliche Intelligenz einzusetzen, die die Buch-Kurzversionen erstellen, arbeitet ein interdisziplinäres Team echter Menschen in hauseigener Redaktion an jedem Neuzugang. Autoren, Journalisten, Psychologen, Wirtschafts- und Kommunikationsspezialisten analysieren, bearbeiten und lesen alle Textelemente. Auch Redakteure, Sprachlektoren und Qualitätsmanager sind daran beteiligt, innerhalb von zwei bis drei Wochen aus einem Sachbuch die Kernelemente herauszuarbeiten, Fakten zu überprüfen, und für den Feinschliff zu sorgen.

Tonmeister, professionelle Sprecher und Schauspieler vertonen die Audioversionen im Blinkist-Studio. Rund 10 Tage benötigt das Team, um aus einem fertigen Text eine Audioversion zu machen. „Für Neuerscheinungen, die besonders beliebt sind, haben wir einen beschleunigten Prozess entwickelt”, fügt Mitbegründer Seim hinzu. „Diese Titel können wir in etwa einer Woche produzieren, doch meistens brauchen unsere Kuratorin und die internen Redakteure länger, damit wir unsere hohen Qualitätsstandards auch einhalten können.”
Die streaming-ähnlichen Audioformate bieten Usern einen Mehrwert, die die Viertelstunde pro Titel flexibel in den Alltag integrieren wollen. Gleichzeitig hilft die App akustisch-orientierten Lerntypen, die sich neues Wissen am besten zuhörend aneignen.

Die Redaktion beobachtet die Entwicklungen des Buchmarkts und bewertet Neuerscheinungen darauf, inwiefern sie zum Blinkist-Konzept passen. Ausschlaggebend sind hierbei die Platzierungen in Bestsellerlisten, die Suchanfragen der User nach spezifischen Titeln oder Rezensionen von Literaturkritikern. Wöchentlich wächst die Bibliothek somit um über 40 Titel, darunter internationale Must-Reads, Wälzer über Psychologie, Management-Bände oder Sachbücher zu Themen wie Unternehmensführung, Stressreduktion oder Ernährung.

„Das hätte ich früher in der Schule gebraucht: Blinkist fasst Bücher zusammen, auch dicke Wälzer mit 800 Seiten. Jedes Werk ist in acht bis zehn sogenannte Blinks unterteilt: Textschnipsel, die die Kernaussagen wiedergeben. So hat man in zehn Minuten verstanden, wovon ein Buch handelt. Man kann sich die Blinks sogar vorlesen lassen, etwa auf dem Fahrrad oder beim Sport.“
– SPIEGEL

Uni-Professorin bestätigt: Lese-App revolutioniert sogar Vorlesungen

Was als Berliner Geheimtipp begann, ist heute ein prämiertes Erfolgsunternehmen: 2016 sicherte sich Blinkist für seine Leistungen den World Summit Award in der Kategorie Learning & Education. Dieses Qualitätssiegel der United Nations zeichnet Unternehmen aus, die mit ihrem Content einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten. Ein Grund mehr, sich Blinkist näher anzuschauen und selbst zu testen, wie sich das eigene Leseverhalten verändert. Denn, so titelt die WELT passend, dank Blinkist müsse niemand mehr Angst vor Büchern haben.

Mittlerweile hat die App Blinkist sogar Einzug in Hochschulen gefunden: Professorin Heike (40) nutzt die Kurzversionen von Sachbüchern, um mit Studierenden die Diskussionen in den Vorlesungen anzureichern. Dabei sei es fast so, als habe sie regelmäßig Experten zu Gast: „Für mich ist Blinkist die digitale Antwort auf das berühmte Zitat von Albert Einstein: Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht verstanden.”
Auch andere Akademiker wie Heike setzen auf die Funktionsweisen von Blinkist, sie machen mit rund 80 Prozent den größten User-Anteil des Unternehmens aus.

„Unsere Erfahrungswerte aus mehr als acht Jahren Wachstum wollen wir zukünftig nutzen, um die Bedürfnisse unserer Nutzer noch besser zu treffen und mehr Menschen dazu zu inspirieren, sich auf neuartige Weise weiterzubilden”, blickt Holger Seim voraus. Ein interessanter Schritt ist bereits getan: Für den englischsprachigen Markt entwickelt das Unternehmen eigene Formate, aktuell unter anderem in Kooperation mit Produktivitätsguru Seth Godin.

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