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Blinkist CEO erklärt Strategie hinter dem Erfolgs-Start-up

10.000 Downloads täglich, 13 Millionen Nutzer weltweit: Das Team hinter der App Blinkist setzt auf eine klare Content-Strategie und den Mut, der Zeit voraus zu sein. Mit dem Audio-Modell griff das Unternehmen früh einen Trend auf, der sich heute auszahlt.
von Julia Königs | 07.01.2022

Nutzer der App Blinkist haben Zugriff auf über 5.000 Sachbücher und Ratgeber. Die wichtigsten Aussagen aus Politik, Persönlichkeitsentwicklung, Ernährung oder Unternehmertum sind in Kompaktversionen so aufbereitet, dass man die Kernaussagen eines ganzen Buches in nur 15 Minuten lesen oder sogar anhören kann. Besonders das Beinahe-Aus von Blinkist in 2013 machte Holger Seim, einem der Gründer des Start-ups, bewusst: „Aufgeben ist keine Option. Wir wollten Blinkist immer auf Erfolgskurs bringen, und dazu gehören Mut und eine zielorientierte Strategie.” Scheitern und wiederaufstehen, trial and error – das Prinzip, das die App heute zu einem gefragten Tool für Allgemeinbildung macht.

Die Gründer des Berliner Startups Blinkist: Holger Seim, Tobi Balling und Niklas Jansen (v. l.), nicht im Bild: Sebastian Klein

Ambitioniert ist das Team seit der Gründungsphase: „Ziemlich früh haben wir unser Format deutsch- und englischsprachig aufgestellt”, erklärt Seim. Blinkist funktioniere auf dem US-Markt sehr gut, weil hier Modelle zu Weiterbildung und Coaching als zahlungspflichtiger Service etablierter seien als in Europa. Dass Seims Einschätzung Hand und Fuß hat, beweist die Statistik: Etwa fünf Millionen Blinkist-Nutzer stammen aus Kanada und Nordamerika.

„Blinkist fasst den Inhalt von Sachbüchern zusammen – und liest die Texte per App vor. Damit hat das Unternehmen einen Nerv getroffen”
– brand eins, Wirtschaftsmagazin

Auf der Podcastwelle zum Erfolg geschwommen

Die knapp überstandene Insolvenz und der Launch in den USA stärken das Berliner Start-up: 2014 etabliert Blinkist den Audio-Zweig und bietet die Kurzversionen der Sachbücher auch zum Anhören an. Der aktuellen Podcastwelle somit weit voraus (rund 20 Millionen Menschen in Deutschland hören heute Podcasts, so eine Studie zur Podcastnutzung der Fachzeitschrift Media Perspektiven), brachte die Idee 2016 den finalen Durchbruch: Die App knackte die Millionen-Nutzer-Marke und verändert seitdem das Leseverhalten von Nutzern auf der ganzen Welt.

Wer sich Bücher als Audioversion anhört, tut dies meistens unterwegs und in Wartesituationen über das Smartphone, das belegen weitere Erkenntnisse der Studie, und 35 Prozent der heutigen Podcast-Hörer bevorzugen dabei eine Maximallänge von etwa 15 Minuten. So hat Blinkist für ein entscheidendes Nutzer-Bedürfnis die richtige Lösung gefunden. Damit erziele die App sicherlich knapp die Hälfte des Umsatzes der gesamten deutschen Hörbuchbranche, schätzt das Wirtschaftsmagazin brand eins.

Das macht Blinkist anders: Die Strategie der Berliner war Schlüssel zum weltweiten Erfolg

Ein wichtiger Baustein für das schnelle Wachstum bei Blinkist war, dass das Unternehmen frühzeitig auf ein Abo-Modell gesetzt hat. Das Start-up kommuniziert dabei transparent, welche Preismodelle angeboten werden und erinnert sogar mit einem Reminder daran, dass ein Abonnement automatisch verlängert wird, sollte der Nutzer seinen Vertrag nicht kündigen. „Wir sind ehrlich gegenüber unseren Nutzern und wollen Einnahmen nicht um jeden Preis erzwingen”, erläutert Seim das Vorgehen, das sich deutlich von anderen Anbietern unterscheidet.

Der finanzielle Rückhalt aus den Abo-Angeboten mache es anschließend möglich, in die Weiterentwicklung des Produkts Blinkist zu investieren: Um die von der hauseigenen Redaktion kuratierten Inhalte an den persönlichen Vorlieben der Nutzer auszurichten, tüftelt das Team unter anderem daran, die Titel-Empfehlungen in der App zu verbessern oder das Streaming über den Audioplayer zu optimieren. Besonders stolz sind die Jungunternehmer auch auf die innovativen Marketingstrategien, mit denen sie sich in der Start-up-Szene einen Namen machen konnten.

CEO verrät: So wird man zum besten Arbeitgeber

Blinkist investiert seine Ressourcen nicht nur in das Produkt, sondern auch in neue Talente: „Unser Anspruch ist es, den maximalen Mehrwert für unsere Nutzer zu bieten. Dabei wollen wir unser Team involvieren und abseits des klassischen Management-Systems arbeiten. Das funktioniert, wenn man als Gründer eine individuelle Firmenkultur gestaltet, die die richtigen Leute anzieht und so das Wachstum beeinflusst”, berichtet Seim. Schon seit den Anfängen unterstützt das Mitarbeiterteam Blinkist auf allen Ebenen. Obwohl die Jungunternehmer beispielsweise 2013 im Kontext der beinahen Insolvenz keine Gehälter zahlen konnten, hielten alle Mitarbeiter an der gemeinsamen Idee fest und arbeiteten unentgeltlich an der App. „Wir schätzen uns glücklich, solche Menschen um uns zu versammeln.”

Blinkist hat ein Firmenkonzept etabliert, dass die Selbstorganisation der Mitarbeiter ermöglicht – eine angepasste Version des aus den USA stammenden Führungsstils der Holokratie: Das Team bei Blinkist begegnet sich bei allen Entscheidungen auf Augenhöhe. Diese Berliner Teamkultur trägt Früchte: Das Bewerberportal Kununu kürte das Start-up 2019 zum beliebtesten Arbeitgeber.

„Alle reden über den E-Learning-Markt, über Audio, über Abo-Modelle. Blinkist gehört zu den wenigen, die all das zusammenführen.“
– Niko Waesche, Mitgründer GMPVC, brand eins

Warum die Sachbuch-App keine Konkurrenz zur klassischen Buchindustrie sein kann

Mit dem am Nutzer orientierten Prinzip der App versteht sich Blinkist jedoch nicht als Konkurrent zum Buchmarkt. Stattdessen will das Start-up dafür sorgen, dass mehr Menschen Sachbücher und Ratgeber nutzen, um sich neues Wissen anzueignen. „Wir dienen als Ergänzung, um an Wissen teilzuhaben, nicht als Buchersatz”, erklärt Seim. „Außerdem suchen alle Anbieter in der Branche nach Wegen, um Bücher in der digitalen Welt besser zugänglich zu machen. Diese Lösung bieten wir für Sachbücher an.” Damit begeistert Blinkist seit Jahren nicht nur de Nutzer sondern auch deutsche und internationale Medien.

„Anders als die klassische Start-up-Schule wollen sie nicht Märkte disruptieren, sondern das bestehende Angebot ergänzen.”
— brand eins, Wirtschaftsmagazin

„Blinkist inspiriert Menschen dazu, an Wissen teilzuhaben”, sagt Blinkist CEO

Blinkist kann mit seinem Grundprinzip als Reaktion auf das veränderte Leseverhalten weltweit gelten: Rund 8,68 Millionen Menschen in Deutschland lesen ihre Bücher bereits auf Smartphone, Tablet oder Laptop, das analysierte die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2019. Dass digitales Lesen dabei keine Nachteile für den Bildungseffekt hat, unterstützt eine Untersuchung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH: Die weltweit einmalige Lese-Studie bestätigt, dass man sich durch digital gelesene Bücher genauso weiterbilden kann wie mit Hilfe des analogen Pendants.

Experten hinter jedem Titel: Das Konzept der Blinkist-Inhalte

Blinkist komprimiert zentrales Wissen aus Sachbuchtiteln auf Basis eines wissenschaftlichen Prinzips. Ein Team aus Autoren, Lektoren und Psychologen erarbeitet gemeinsam einen Titel, der qualitativ und thematisch zur Blinkist-Bibliothek passt. Die Audiotitel werden von professionellen Sprechern wie Schauspielern in einem eigenen Studio aufgenommen. Damit möglichst viele Menschen aus den Kurztexten neue Perspektiven und Impulse gewinnen können, landen monatlich rund um 40 neue Titel in der App-Bibliothek, darunter Bestseller wie Der globale Green New Deal von Jeremy Rifkin und Sabbatical von Andrea Oder.
Für die nahe Zukunft hat Blinkist klare Ziele: Das Team nutzt die achtjährige Erfahrung am Markt und das Wissen über Nutzerbedürfnisse aktuell, um für den englischsprachigen Markt eigens von Blinkist entwickelte Inhalte rund um das Thema Sachbuchwissen anzubieten. Die Idee überzeugte sogar Produktivitätsguru Seth Godin so sehr, dass er nun mit dem Start-up kooperiert. Bei diesen rasanten Entwicklungen behält man im Berliner Jungunternehmen gleichzeitig die zentrale Vision im Blick: noch sichtbarer werden und mehr Menschen inspirieren, mit der App für die eigene Weiterbildung zu sorgen.

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