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Tim Cook installiert Berliner Wissens-App auf seinem Smartphone

Einfach alles aufgeben und völlig neu starten. Holger Seim hat das gewagt und wäre fast dramatisch gescheitert. Zusammen mit Studienfreunden gründete er 2012 die Wissens-App Blinkist, die Sachbuch-Kurzversionen kostenlos aufs Smartphone bringt. Innerhalb von 15 Minuten können sich Blinkist-Nutzer so das Kernwissen eines Bestsellers aneignen. Über 5000 Kurzversionen umfasst die Bibliothek der App, monatlich kommen rund 40 neue Werke hinzu. Heute hat sie 20 Millionen Nutzer – einer ist Apple-Chef Tim Cook. Die Geschichte einer unsanften Landung in der Realität.
von Charlotte Zink | 07.01.2022

Ein gutbezahlter Job, eine schöne Wohnung und neue Freunde: Nach seinem Studium in Marburg findet Holger Seim in Bonn seine Wahlheimat. Abends mit der Clique am Rhein sitzen und tagsüber im Büro eines global erfolgreichen Unternehmens Karriere machen. Was für viele frisch gebackene Uni-Absolventen nach einem Traumstart ins Berufsleben klingt, beschließt Seim 2012 hinter sich zu lassen: Kündigung, Umzug, Neustart. Grund für den radikalen Schritt ist eine Start-up-Idee, die ihn einfach nicht loslassen will.

„Blinkist ist eine der besten Apps der Welt.“
– Apple

Auf den Punkt gebracht lautet diese so: Eine Experten-Redaktion studiert die beliebtesten Sachbücher und reduziert sie auf ihre Kerninhalte. Diese werden Smartphone-Besitzern dann in einer App als kurzer Text und zum Anhören zugänglich gemacht. Innerhalb von 15 Minuten lässt sich so ein ganzes Buch verstehen.

Blinkist Founders
Die Gründer des Berliner Startups Blinkist: Niklas Jansen, Tobi Balling und Holger Seim (v. l.), nicht im Bild: Sebastian Klein

Twitter-Investoren stecken Millionen in das von Profi-Sportlern und Top-CEOs gehypte Berliner Start-up

Um diese Vision in die Tat umzusetzen, kreiert der damals 26-Jährige Seim zusammen mit Studienfreunden die Wissens-App Blinkist. Dass die rund acht Jahre später bereits 20 Millionen Nutzer haben würde – darunter Prominente wie Apple-Chef Tim Cook, Ex-Formel-1 Rennfahrer Nico Rosberg und die britische Sängerin Ellie Goulding – ahnten sie damals noch nicht.

Auch nicht, dass das über einem Bier entstandene Konzept zum absoluten Erfolgs-Rezept mutieren würde, in das namhafte Investoren insgesamt über 35 Millionen Dollar stecken würden.

„Mit Blinkist erweitern Sie Ihr Allgemein- und Fachwissen in kürzester Zeit.“
– COMPUTER BILD

So etwa die Risikokapitalgruppe Insight Venture Partners, die in der Vergangenheit bereits Internetunternehmen wie Twitter auf ihrem Weg zum Erfolg unterstützt hatte. „Dass Insight Venture Partners Blinkist mit insgesamt 20 Millionen Dollar mehrfach gefördert hat war für uns bahnbrechend“, sagt Seim heute rückblickend.

Apple-Chef Tim Cook nutzt Blinkist

Der Grund: Blinkist war bereits kurz nach der Gründung harsch in der Realität gelandet und hatte monatelang keine Geldgeber gefunden. Ende 2013 stand das Unternehmen deswegen sogar kurz vor der Insolvenz. „Unsere Lage war so ernst, dass wir uns selbst und unseren damals acht Mitarbeitern zwei Monate lang kein Gehalt zahlen konnten“, erinnert sich Seim. „Der Gedanke an diesen Moment geht mir immer noch nahe.“

Das schlanke und simple Design macht es einfach, innerhalb von Minuten aus einigen der besten Büchern der Welt zu lernen – sei es durch Lesen oder Hören

Doch Zeiten wie diese liegen weit zurück: Heute sind es vor allem positive Erlebnisse, die den Alltag der jungen Gründer prägen. Eines der wohl wichtigsten: Der Besuch von Tim Cook im Blinkist Office in Berlin im Herbst 2019.

Wissens-App überzeugt: 80 Prozent der Blinkist-Nutzer sind Akademiker

Cook, der wie viele der erfolgreichsten CEOs bekennender Sachbuch-Enthusiast ist, hat Blinkist auf seinem iPhone installiert. Für ein App-Start-Up kommt das einem Ritterschlag gleich. Nach Berlin war er gekommen, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Die Zahlen, die ihm dort präsentiert wurden, können sich sehen lassen: Über 10.000 Mal wird Blinkist täglich neu heruntergeladen. 80 Prozent aller Nutzer haben einen Hochschulabschluss.

In 15 Minuten verstehen Sie das Lieblingsbuch Ihres Chefs

Dass Blinkist vor allem bei gebildeten Menschen ankommt, liegt auch an dem breiten Themenangebot in der App. Aus über 5000 Sachbuch-Kurzversionen können User in der Bibliothek auswählen – darunter viele bei CEOs beliebte Bestseller, wie „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey oder „Die Psychologie des Überzeugens“ von Robert B. Cialdini. Unterteilt sind die Werke in 27 Kategorien, darunter „Management & Leadership“, “Psychologie”, „Soft Skills“ und „Motivation & Inspiration“.

Die Wissens-App basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Hirnforschung und Psychologie

Jeden Titel gibt es zum Lesen oder als Audio-Version, eingesprochen von professionellen Sprechern aus der Hörbuch-Industrie. Bei der Auswahl hilft, dass jede Kurzversion in der App mit einer Beschreibung versehen ist, die erklärt, für wen die Kernthesen des Sachbuchs ganz besonders interessant sind.

Dass Sie mit der App komplexe Zusammenhänge verstehen, ist kein Zufall

So lohnt sich beispielsweise Daniel Kahnemans Bestseller „Schnelles Denken, langsames Denken“ den App-Machern zufolge besonders für alle, die „bessere Entscheidungen fällen möchten“. Am Ende jedes Titels steht eine „Zusammenfassung“, die unter dem Aspekt „Was du konkret umsetzen kannst“ das Gelernte noch einmal auf den Punkt bringt.

In ihren Sachbuch-Kurzversionen setzen die App-Macher außerdem auf das neurowissenschaftlich entwickelte Pyramidenprinzip, bei dem die wichtigsten Aussagen gleich am Anfang eines Textes stehen und mit spannenden Details und anschaulichen Beispielen unterfüttert werden. Texte, die dieser Form entsprechen, können erwiesenermaßen auch in kurzer Zeit Wissen effektiv vermitteln.

Promis wie Nico Rosberg lieben Blinkist

Für die hohe Qualität der Lern-Inhalte und die Anregungen zur Weiterbildung hat Blinkist in den vergangenen Jahren bereits einige Auszeichnungen erhalten: So verliehen beispielsweise die Vereinten Nationen Blinkist den World Summit Award in der Kategorie Bildung, in der Presse hagelt es Lob.

„Man könnte durchaus sagen, wir haben es geschafft“, sagt Seim. „Auch wenn es zwischenzeitlich echt düster aussah.“ Auf sein Gehalt musste er seit der Fast-Insolvenz 2013 übrigens nicht mehr verzichten.

Wollen Sie sich ein Bild von Blinkist machen? Die App steht allen iOS- und Android-Nutzern zum kostenlosen Download auf Deutsch und Englisch zur Verfügung.

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