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Wolfszeit

Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955

By Harald Jähner
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Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955 by Harald Jähner

Eben noch waren sie für Hitler in den Krieg gezogen, wenige Jahre später feierten die Deutschen das Wirtschaftswunder und ihre neue Demokratie. Wie konnte dieser Mentalitätswechsel gelingen? In den Geschichtsbüchern findet sich wenig über die ersten Nachkriegsjahre. Die Blinks zu Harald Jähners Wolfszeit (2019) berichten vom Alltag der Übriggebliebenen, Vertriebenen und Verschleppten, und sie zeigen, dass diese Jahre facettenreicher waren, als es sich in unserer kollektiven Erinnerung bisher darstellt.

  • Alle, die Deutschlands Mentalitätswandel nach dem Zweiten Weltkrieg verstehen wollen
  • Jeder, der sich für die unerzählten Details der Nachkriegszeit interessiert
  • Studierende der Geschichts- und Sozialwissenschaften

Harald Jähner ist Journalist und Autor. Bis 2015 leitete er das Feuilleton der Berliner Zeitung. Seit 2011 ist er Honorarprofessor für Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin. Für sein Buch Wolfszeit wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet.

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Wolfszeit

Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955

By Harald Jähner
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  • Contains 9 key ideas
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Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955 by Harald Jähner
Synopsis

Eben noch waren sie für Hitler in den Krieg gezogen, wenige Jahre später feierten die Deutschen das Wirtschaftswunder und ihre neue Demokratie. Wie konnte dieser Mentalitätswechsel gelingen? In den Geschichtsbüchern findet sich wenig über die ersten Nachkriegsjahre. Die Blinks zu Harald Jähners Wolfszeit (2019) berichten vom Alltag der Übriggebliebenen, Vertriebenen und Verschleppten, und sie zeigen, dass diese Jahre facettenreicher waren, als es sich in unserer kollektiven Erinnerung bisher darstellt.

Key idea 1 of 9

Nach dem Krieg lag Deutschland in Trümmern und begann den Wiederaufbau.

Es roch nach Schweiß, Blut, Rauch und Fusel. Während Rote Armee und deutsche Wehrmacht die Häuserfronten ins Kreuzfeuer nahmen, harrte der Berliner Feuilletonist Friedrich Luft mit einigen anderen Leuten in einem Keller am Nollendorfplatz aus. Erst als die Waffen ungewöhnlich lange geschwiegen hatten, spähte er hinaus. Zwischen den Trümmern auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte jemand weiße Fahnen gehisst. Er band sich selbst einen weißen Stofffetzen um den Arm und rannte nach draußen.

Als Deutschland im Mai 1945 die Kapitulation erklärte, lag das ganze Land in Trümmern. Genauer gesagt, in 500 Millionen Kubikmetern Trümmern. Die großen Städte waren weitgehend zerbombt und damit stand für die überlebenden Deutschen ihre erste Nachkriegsaufgabe fest: Enttrümmerung.

Bereits mit den Bombardierungen der deutschen Städte ab 1940 hatten die Nationalsozialisten damit begonnen, die Trümmer aus den Straßen zu räumen. Allerdings waren für die harten Arbeiten reihenweise Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Jetzt mussten die Deutschen erstmals selbst anpacken.

Man könnte nun erwarten, dass das Ausmaß der Zerstörung allen Grund zur Hoffnungslosigkeit gegeben hätte. Doch es herrschte in weiten Teilen der Bevölkerung ein seltsamer Elan vor. Vielleicht hatten die Deutschen sich schon zu sehr an den Anblick der Verwüstung gewöhnt, als dass sie sich davon noch entmutigen ließen.

In den ersten Tagen nach Kriegsende riefen die Alliierten Freiwillige zur Enttrümmerung – gegen eine warme Suppe. Etwas später ging man planvoller vor. In fast allen Städten wurden ehemalige NS-Parteigenossen zum Aufräumen angehalten. In Duisburg drohte ein Ausschuss von ehemaligen NS-Gegnern sogar damit, dass entlassene politische Häftlinge die Parteimitglieder notfalls zur Zwangsarbeit abholen würden.

Zu ikonischer Berühmtheit gelangten die Trümmerfrauen. Die typischen Fotografien von jungen Frauen in besten Sonntagskleidern, die Geröll wegschaufeln, prägten unser Bild vom Wiederaufbau schon allein deshalb, weil ihr Anblick so skurril ist. Waren diese Bilder also gestellt?

Nein, denn tatsächlich waren die Trümmerarbeiten vor allem Frauensache, da Hunderttausende Männer im Krieg gefallen waren. In Berlin ackerten 26.000 Frauen, aber nur 9.000 Männer auf und an den Schuttbergen.

Aber warum machten sich die Trümmerfrauen so schick für die Plackerei? Nun, sie wollten sich nicht modisch inszenieren, sondern trugen einfach das Einzige, das sie noch besaßen. Sie hatten ihre besten Kleider gerettet, als sie vor Bomben und Kugelhagel geflohen waren.

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