Join Blinkist to get the key ideas from
Get the key ideas from
Get the key ideas from

Wie wir werden, wer wir sind

Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz

By Joachim Bauer
  • Read in 16 minutes
  • Audio & text available
  • Contains 10 key ideas
Upgrade to Premium Read or listen now
Wie wir werden, wer wir sind by Joachim Bauer
Synopsis

Wie wir werden, wer wir sind (2019) – dieser Titel klingt durchaus ambitioniert. Aber wir versprechen dir: So hast du noch nicht über dich nachgedacht. Die Neurowissenschaft hat erst vor Kurzem herausgefunden, wo unser Selbst im Gehirn verankert ist. Diese Blinks beleuchten, unter welchen Bedingungen es sich gesund und autonom entwickelt, und was das für uns als Einzelne und unsere Rollen als Liebende, Eltern, Pädagogen und Vorgesetzte bedeutet.

Key idea 1 of 10

Die menschliche Selbst-Werdung gelingt nur im Wechselspiel mit Bezugspersonen.

Wie werden wir, wer wir sind? Unsere neurobiologische Spurensuche beginnt mit einer faszinierenden Erkenntnis: Wir Menschen werden ohne ein Gefühl oder Bewusstsein für unser Selbst geboren. 

Kein anderes Säugetier kommt so unfertig zur Welt wie der Mensch. Hunde, Delfine oder Affen können sich schon kurz nach der Geburt bewegen und orientieren, während wir noch eine halbe Ewigkeit auf dem Rücken liegen. Neurologisch gesehen kommen wir über ein Jahr zu früh zur Welt – und das aus gutem Grund: Das Gehirn des Menschen ist im Laufe der Evolution so groß geworden, dass die Natur seine Geburt vorverlegen musste. Denn sonst würde heute keine Frau die Entbindung überleben. 

Unsere Selbst-Netzwerke entwickeln sich erst später, im Laufe der ersten 18 bis 24 Monate, und zwar in ganz bestimmten Hirnarealen. Diese werden aktiv, wenn sich Menschen gedanklich oder emotional mit sich selbst befassen, das haben moderne Hirnscans gezeigt. Aber wie fängt ein so ahnungs- und hilfloses Geschöpf wie der menschliche Säugling an, ein Selbst zu entwickeln? 

Das Zauberwort lautet Resonanz. Wer selbst regelmäßig mit Kleinkindern zu tun hat, kennt das magische Spiel: Eltern spiegeln die Emotionen ihrer Kinder. Sie imitieren ihre Gesichtsausdrücke und Geräusche und modifizieren sie, um beruhigende Impulse zurückzugeben.

Stell dir vor, ein Baby weint. Eine empathische Bezugsperson fällt intuitiv in seine Klagelaute ein und spiegelt anfangs vielleicht sogar die untröstliche Mimik des Säuglings, indem sie die Mundwinkel nach unten zieht und die Lippen schürzt. Dann verändert sie die Spiegelung. Sie entspannt ihre Stimme und Gesichtszüge und vermittelt dem Kind damit die ersten Botschaften: „Ich weiß, du bist traurig, aber ich bin für dich da. Hier bist du sicher. Du kannst dich beruhigen.“

Die Resonanz bezieht sich auf das kommunikative Wechselspiel mit anderen Menschen, das uns das ganze Leben lang beeinflusst. Der Begriff ist der Akustik entlehnt: Wenn du zwei gleich gestimmte Gitarren einander gegenüberstellst und die E-Saite der einen anschlägst und dann abstoppst, kannst du hören, wie die E-Saite der zweiten Gitarre klingt. Das eine Instrument bringt das andere zum Schwingen. Die menschliche Interaktion funktioniert nach demselben Prinzip. Wir senden und empfangen Signale, die in unseren Klangkörpern nachschwingen.

Wir werden im Laufe dieser Blinks sehen, wie sich diese Signale zu persönlichen Partituren und Leitmotiven entwickeln und wie wir Disharmonien in Wohlklänge verwandeln können.

Upgrade to continue Read or listen now

Key ideas in this title

Upgrade to continue Read or listen now

Learn more, live more

Sign up now to learn and grow every day with the key ideas from top nonfiction and podcasts in 15 minutes.