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Republik der Angst

Eine andere Geschichte der Bundesrepublik

By Frank Biess
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Republik der Angst: Eine andere Geschichte der Bundesrepublik by Frank Biess

Die Entwicklung der BRD von 1945 bis 1990 gilt als Erfolgsgeschichte: Westdeutschland kämpfte sich vom Sünder und Kriegsverlierer zurück ins Zentrum des Weltgeschehens. Diese Blinks zu Frank Biess’ Republik der Angst (2019) betrachten diese Jahre aus einer ganz anderen Perspektive: Sie erzählen sie als mitreißende Gefühlsgeschichte, in der die Angst eine zentrale Rolle einnimmt. Du erfährst, warum die Angst prägender Antrieb aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen war.

  • Alle, die spüren, dass die Angst eine der treibenden emotionalen Kräfte in Deutschland ist
  • Alle, die die westdeutsche Nachkriegsgeschichte auf eine neue Art betrachten möchten
  • Historiker, Sozialwissenschaftler, Politologen und Psychologen

Frank Biess lehrt und forscht als Professor für Europäische Geschichte an der University of California in San Diego. Er ist Experte für deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert und publiziert v.a. zur deutschen Geschichte nach 1945.

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Republik der Angst

Eine andere Geschichte der Bundesrepublik

By Frank Biess
  • Read in 16 minutes
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Republik der Angst: Eine andere Geschichte der Bundesrepublik by Frank Biess
Synopsis

Die Entwicklung der BRD von 1945 bis 1990 gilt als Erfolgsgeschichte: Westdeutschland kämpfte sich vom Sünder und Kriegsverlierer zurück ins Zentrum des Weltgeschehens. Diese Blinks zu Frank Biess’ Republik der Angst (2019) betrachten diese Jahre aus einer ganz anderen Perspektive: Sie erzählen sie als mitreißende Gefühlsgeschichte, in der die Angst eine zentrale Rolle einnimmt. Du erfährst, warum die Angst prägender Antrieb aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen war.

Key idea 1 of 10

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging in der BRD die Angst vor Vergeltung um.

Wie kann die Angst ein ganzes Land politisch und gesellschaftlich umtreiben? Um das zu erklären, steigen wir historisch direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein, als sich die Angst in den Herzen und Köpfen der Westdeutschen festsetzte.

Das Wort „Angst“ stammt vom lateinischen „angustia“ – zu Deutsch dem Gefühl der Enge, Beengung und Bedrängnis. Versetzen wir uns für einen kurzen Augenblick in die Gefühlswelt der Zeit hinein: Der Zweite Weltkrieg war gerade zu Ende gegangen. Deutschland lag in jeder Hinsicht in Trümmern: moralisch, politisch und wirtschaftlich. Wie sollte man da hoffnungsvoll in die Zukunft blicken?

Die Deutschen konnten sich ihre Zukunft schlichtweg nicht vorstellen. Und wenn überhaupt, war die Vorstellung von komplexen Ängsten überschattet. Zunächst war da die diffuse Angst vor einer jüdischen Rache. Die Nazis hatten den Zweiten Weltkrieg mit ihrer antisemitischen Propaganda unermüdlich zum „jüdischen Krieg“ stilisiert und behauptet, die Bomben der Alliierten seien die Vergeltung für die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland.

In Wirklichkeit gab es so gut wie keine jüdischen Racheakte. Eine Ausnahme bildete z.B. die jüdische Brigade, die sich innerhalb der britischen Armee geformt hatte. Diese Soldaten verhafteten und töteten einzelne NS-Täter in Norditalien, Österreich und Süddeutschland. Die Zivilbevölkerung geriet aber nie wirklich in Gefahr.

Auch vor den ehemaligen Sklavenarbeitern aus Osteuropa hatten die Deutschen Angst. Die Nazis hatten während des Krieges unzählige „Nicht-Juden“ aus Polen und anderen Gebieten der Sowjetunion für die Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Im Frühjahr 1945, unmittelbar nach Kriegsende, befanden sich etwa acht Millionen dieser Displaced Persons auf dem Gebiet der Westzone.

Diese Menschen waren jahrelang gedemütigt und rassistisch herabgestuft worden. Diese Wahrnehmung steckte in den Köpfen der Westdeutschen fest und nährte die Angst vor einem barbarischen Rachefeldzug. Sie fürchteten sich vor nächtlichen Raubüberfällen und davor, den bewaffneten und plündernden „Polenbanden“ hilflos ausgeliefert zu sein. Zwar kam es in den Wirren des Kriegsendes wirklich zu vielen gewalttätigen Übergriffen. Es ist aber weder bewiesen noch wahrscheinlich, dass sich die Displaced Persons dabei als besonders kriminell hervortaten.

Die dritte große Angst galt den alliierten Siegermächten. Das Schicksal der gesamten Westzone lag in den Händen der Besatzungsmächte. Die Menschen befürchteten bewaffnete Übergriffe durch Soldaten, Wohnungsbeschlagnahmungen und Entnazifizierungsmaßnahmen. Tatsächlich verstanden sich die alliierten Soldaten anfangs nicht als Befreier, sondern in erster Linie als Sieger über Nazi-Deutschland. Daher war die Besatzungszeit immer auch von gewalttätigen Übergriffen gegenüber deutschen Zivilisten geprägt. Fakt ist aber, dass sich das Verhältnis zwischen den Besatzern und der Zivilbevölkerung im Laufe der Jahre erheblich verbesserte.

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