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Politik

Schriften zur Staatstheorie

By Aristoteles
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Politik by Aristoteles
Synopsis

Die Politik (erschienen ca. 335 vor Christus) von Aristoteles gilt als einer der Grundlagentexte der politischen Philosophie. Von Machiavelli über Thomas Hobbes bis zu Karl Marx haben sich so gut wie alle großen westlichen Staatstheoretiker mit ihren heute 2.500 Jahre alten Argumenten befasst – und das zu Recht, denn Aristoteles berücksichtigte unzählige Faktoren, um Wesen und Zweck der Politik zu definieren: soziale Gerechtigkeit, Sklavenhaltung, Klassenkonflikte, demokratische Grundwerte und das hohe Ziel eines tugendhaften Lebens. Viele seiner Thesen sind heute relevanter denn je.

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Am Anfang war die Sprache

Wie sollte ein Staat regiert werden? Was ist gute Politik? Diese Fragen stehen seit knapp 2.500 Jahren im Mittelpunkt der politischen Philosophie. Und den Anfang dieser Tradition markierte Aristoteles’ Staatsphilosophie aus dem vierten Jahrhundert vor Christus.

Doch bevor wir über die beste Form gesellschaftlicher Führung sprechen, müssen wir uns mit den Mitgliedern dieser Gesellschaft befassen. Wer sind sie? Und was ist ihre Natur? Die Antworten auf diese Fragen führen uns vor Augen, was Staaten und Regierungen wirklich leisten sollten.

Aristoteles war Empiriker. Er glaubte an die Macht der Beobachtung. Wenn wir also die Bedürfnisse eines beliebigen Wesens verstehen wollen, müssen wir zunächst sein Verhalten studieren.

Angenommen du beobachtest, was Honigbienen so treiben. Dann stellst du zunächst fest, dass sie Nahrung sammeln. Später findest du heraus, dass sich Bienen längst nicht nur um ihre individuellen Bedürfnisse kümmern, sondern Ressourcen für einen ganzen Staat besorgen: den Bienenstock. In diesem Stock findest du eine Gesellschaft mit klarer Arbeitsteilung – manche Bienen sind Arbeiterinnen, andere Soldatinnen. Und an ihrer Spitze steht mit der Bienenkönigin sogar eine waschechte Monarchin.

Du erkennst, dass Bienen ebenso soziale Wesen sind wie wir: Bienen leben in einem Stock und wir Menschen in einem Staat. Beide sind Kollektivstrukturen, die dem Gemeinwohl ihrer Mitglieder dienen. Aber es gibt einen fundamentalen Unterschied.

Auch in der antiken griechischen Polis, dem Stadtstaat nach dem Beispiel Athens, wurde die Arbeit auf Bauern, Soldaten, Handwerker und Herrschende verteilt. Die Pflichterfüllung jeder dieser Klassen diente einem gemeinsamen Ziel: dem Fortbestand der Stadt. Aber die Menschen in diesen Stadtstaaten taten etwas, das Bienen nicht tun. Sie reflektierten und sprachen darüber, wie ihre Gesellschaft organisiert werden sollte.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Warum? Weil wir Menschen im Gegensatz zu allen anderen Tieren etwas besitzen: nämlich Logos, wie es im antiken Griechisch heißt und sowohl „Vernunft“ als auch „Sprache“ meint. Und diese beiden Fähigkeiten haben weitreichende moralische Implikationen.

Nehmen wir an, jemand fügt dir körperliches Leid zu, und du möchtest, dass er damit aufhört. Dann käme mit hoher Wahrscheinlichkeit dein Logos zum Einsatz.

Denn um Schmerz auszudrücken, braucht es nur eine Stimme. Schon ein Bellen oder Wimmern genügt. Aber wir Menschen können mit unserer Stimme viel komplexere Botschaften senden. Wir können an die Moral unseres Aggressors appellieren und das Unrecht benennen, das uns widerfährt. Andere Menschen können unsere Argumente kraft ihrer Vernunft annehmen oder ablehnen – und ihr Verhalten entsprechend anpassen.

Somit lautet unsere erste Erkenntnis: Unsere Fähigkeit zu Vernunft und Sprache macht uns Menschen zu sozialen Wesen.

Aristoteles glaubte, dass in der Natur nichts ohne Grund passiert. Der Sinn der Sprachfähigkeit besteht also darin, uns zur Kooperation zu befähigen – dazu, moralische Urteile zu bilden und das Leben kollektiv nach unseren Vorstellungen zu gestalten.

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