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Kurdistan

Wie ein unterdrücktes Volk den Mittleren Osten stabilisiert

By Tobias Huch
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Kurdistan by Tobias Huch
Synopsis

Die einen nennen sie Vertreter westlicher demokratischer Werte im Nahen Osten, die anderen nennen sie Terroristen. Aber wer sind die Kurden wirklich? Wofür kämpfen sie? Und was oder wer spricht gegen einen kurdischen Staat? Die Blinks zu Kurdistan (2018) bringen dir die vielfältige Identität der kurdischen Menschen näher. Du erfährst, wie sie inmitten von gewalttätigen Konflikten und umzingelt von Feinden um Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie ringen.

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Die Geschichte der Kurden ist geprägt von Vielfalt und Fremdherrschaft. 

Die Kurden sind das weltweit größte Volk ohne Staat. Und das, obwohl sie seit Jahrhunderten am Ort ihrer Wurzeln leben: im ehemaligen Mesopotamien, in der legendären Wiege der Zivilisation. 

In dieser Region ließen sich Menschen zum ersten Mal nieder und brachten technische Errungenschaften und Hochkulturen hervor. Aus komplexen Migrationsbewegungen entstanden hier die Stämme der Sumerer, Assyrer, Juden, Perser, Akkader und Meder. Der Orientalist Vladimir Minorsky entdeckte große Überschneidungen in der medischen und den kurdischen Sprachen, weshalb er den Ursprung der Kurden bei den Medern vermutete. 

Obwohl eine genaue Entstehungsgeschichte spekulativ bleibt, steht fest, dass sich die Vielfalt Mesopotamiens noch heute in der Kultur der kurdischen Gebiete widerspiegelt. Andernorts verfolgte Minderheiten, wie beispielsweise Turkmenen und Jesiden, leben dort vergleichsweise friedlich nebeneinander. 

Die gebirgige Region, in der sich der kurdische Stamm behauptete, war sehr fruchtbar, aber ebenso zerklüftet. Familien und Großgruppen lebten weit voneinander getrennt, was gemeinsame Rituale, Handel und Vernetzung erschwerte. Deshalb bildeten die Kurden keine einheitliche Identität aus und wurden auch von anderen Nationen nie als Einheit betrachtet. 

Ein vielfältiges, tolerantes Volk, das auf wertvollem Land lebt und dem doch die Geschlossenheit fehlt, um sich verteidigen zu können – aus der Geschichte ist nur zu gut bekannt, was das bedeutet: Seit jeher versuchen Mächte von nah und fern, hier Einfluss zu nehmen.

Ab dem 16. Jahrhundert gerieten die hauptsächlich sunnitischen Kurden vermehrt in die Machtkämpfe ihrer Nachbarn. So versprach ihnen das ebenfalls sunnitische Osmanische Reich als Gegenleistung für militärische Hilfe im Kampf gegen das schiitische Persische Reich Schutz und autonome kurdische Fürstentümer. Doch als die Osmanen an Macht verloren, waren die Kurden wieder schutzlos und gerieten in Kriege mit anderen Nachbarstaaten. 

Zum Ende des Ersten Weltkriegs begann der Westen, sich imperialistisch einzumischen. England, Frankreich und Russland versprachen den Kurden im Rahmen des Vertrags von Sèvres autonome Gebiete zum Dank für ihre Unterstützung im Kampf gegen den osmanischen Sultan. Die sogenannten Entente-Mächte teilten den Nahen Osten nach ihren Interessen auf und planten fette Beute. 

Aber als der Sultan 1922 stürzte, kam alles anders als erwartet. Kemal Atatürk erlangte die Herrschaft, und seine extrem nationalistische Politik duldete nichts als reine Türken, sogenannte „Öztürks“. Es begann die bis heute andauernde brutale Assimilation der kurdischen Minderheit. Ihre Sprache, ihre Namen, ihre Medien und Festlichkeiten – alles wurde verboten. 

Der Historiker Cecîlê Celîl stellt fest, dass die Kurden unter den Grenzen leiden, die die Europäer willkürlich gezogen haben. Und tatsächlich war es der 1923 in Paris verabschiedete Vertrag von Lausanne, der die kurdischen Menschen auf vier Staaten aufteilte. 

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