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Im Spiegel der Sprache

Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht

By Guy Deutscher
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Im Spiegel der Sprache by Guy Deutscher
Synopsis

Im Spiegel der Sprache zeigt, wie sich unsere Kultur und unsere Sprache gegenseitig beeinflussen. Guy Deutscher untersucht dieses Phänomen in drei großen Bereichen und beleuchtet, wie wir über Farben, Raum und Geschlechter sprechen und sie wahrnehmen.

Key idea 1 of 10

Andere Länder, andere Farben: Sprache spiegelt unsere Kultur und unsere Wahrnehmung wider.

Erinnerst du dich noch an den Englischunterricht in der Schule? Warst du auch so überrascht, als du dort die Wörter angst und zeitgeist gelernt hast? Einige Bedeutungen sind so komplex, dass die Wörter dafür lieber aus einer anderen Sprache übernommen werden, als sie einfach zu übersetzen. Das liegt unter anderem daran, dass Sprache immer unsere eigene Kultur widerspiegelt.

Ein Bereich, in dem das besonders deutlich wird, sind die Farben: Jede Kultur scheint Farben unterschiedlich wahrzunehmen und das erkennen wir auch in der jeweiligen Sprache. Dieses Phänomen ist schon seit Langem bekannt. Den ersten, sehr umfangreichen Beweis lieferte der englische Gelehrte William Ewart Gladstone. Er untersuchte 1858 die Werke Ilias und Odyssee von dem antiken Dichter Homer. Gladstone analysierte, welche Wörter für Farben Homer dort verwendete.

Die Ergebnisse seiner Untersuchung waren erstaunlich: Es schien, als ob die Welt der antiken Griechen hauptsächlich aus Schwarz, Weiß und Grau bestand. Farben schienen für Homer und seine Zeitgenossen nicht besonders viel zu bedeuten. Würden wir z.B. eine Frühlingswiese mit verschiedenen Blumen beschreiben, würden wir dabei sicher die Farben der Blüten erwähnen. Homer hingegen schrieb von einer Wiese mit „helleren“ und „dunkleren“ Blumen. Das klingt nicht besonders anschaulich, für die damaligen Leser war es jedoch vollkommen normal. Auch quantitativ war das Ergebnis eindeutig. So verwendete Homer z.B. 170-mal das Wort melas (schwarz), aber nur zehnmal xanthos (gelb).

Und dies war keineswegs ein poetischer Kniff, den Homer sich ausgedacht hatte – das gleiche Prinzip finden wir in allen antiken Schriftstücken. Gladstone vermutete, der Grund für diese andere Darstellung war die undifferenzierte Wahrnehmung von Farben im antiken Griechenland. Es gab damals kaum künstliche Farbstoffe. Das Meer und der Himmel waren zwar meistens blau, aber es gab dort kaum blaue Augen, blaue Blumen und schon gar keine Bluejeans oder blaue Wasserfarbe. Kein Wunder also, dass Homer kein einziges Mal das Wort blau verwendete – doch ein ziemlich stichhaltiger Beweis dafür, dass die Sprache immer die Kultur und Wahrnehmung der Sprecher widerspiegelt.

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