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Die Würde ist antastbar

Essays

By Ferdinand von Schirach
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Die Würde ist antastbar: Essays by Ferdinand von Schirach

Die Würde ist antastbar ist eine Sammlung von Essays von Ferdinand von Schirach, die in den Jahren 2010 bis 2013 im Spiegel erschienen sind. Es geht darin um ethische und moralische Fragen, grundlegende Aspekte der deutschen Justiz, aber auch um Themen wie das Rauchverbot, den Feminismus oder von Schirachs Großvater.

  • Studenten der Rechtswissenschaften, Politik und Philosophie
  • Jeder, der sich gerne mit ethisch-moralischen Grenzfällen beschäftigt
  • Jeder, der sich mit Freiheit, Moral und Gerechtigkeit auseinandersetzt

Ferdinand von Schirach ist ein deutscher Strafverteidiger und Schriftsteller. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren, seine zahlreichen Romane wurden in über 40 Sprachen übersetzt und sein Buch Verbrechen hielt sich 54 Wochen lang auf der Spiegel-Bestsellerliste. 2015 erhielt er sehr positive Kritiken für sein Theaterstück Terror.

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Die Würde ist antastbar

Essays

By Ferdinand von Schirach
  • Read in 16 minutes
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Die Würde ist antastbar: Essays by Ferdinand von Schirach
Synopsis

Die Würde ist antastbar ist eine Sammlung von Essays von Ferdinand von Schirach, die in den Jahren 2010 bis 2013 im Spiegel erschienen sind. Es geht darin um ethische und moralische Fragen, grundlegende Aspekte der deutschen Justiz, aber auch um Themen wie das Rauchverbot, den Feminismus oder von Schirachs Großvater.

Key idea 1 of 10

Moralische Zwickmühlen: Fragen der Gerechtigkeit sind nicht immer so leicht zu beantworten, wie es scheint – selbst wenn es um die Unantastbarkeit der Menschenwürde geht.

Es steht nicht umsonst am Anfang unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Diese Sätze klingen einfach und logisch und viele Menschen sind stolz darauf, dass sie für unser Zusammenleben eine so zentrale Rolle spielen.

Allerdings ist diese Verpflichtung nur auf den ersten Blick einfach. Wenn wir genauer hinsehen, besteht oft die Versuchung, die Menschenwürde doch ein bisschen anzutasten.

Deutlich wird das an diesem Beispiel: 1884 geriet der kleine, englische Frachter Mignonette in einen Sturm und sank. Der Kapitän, zwei Matrosen und ein Schiffsjunge schafften es auf ein Rettungsboot. Sie trieben lange ohne Wasser und Nahrung umher. Es war klar, dass sie alle vier bald sterben müssten, wenn sie nicht einen von ihnen töten und essen würden.

Der Kapitän entschied, dass es der Schiffsjunge sein sollte. Nicht, weil er der kleinste und schwächste war, sondern weil er ein Waisenjunge war und keine Familie um ihn trauern würde. Die drei Seeleute töteten den Schiffsjungen, aßen sein Fleisch, wurden schließlich gerettet – und vor Gericht gestellt. Die Bevölkerung war der Meinung, dass sie das Richtige getan hätten. Wie hättest du entschieden?

Der Punkt ist: Menschenleben dürfen niemals gegeneinander aufgerechnet werden, denn sobald wir damit anfangen, kommen wir in Teufels Küche. Auch wenn wir nachvollziehen können, warum der Kapitän sich so entschieden hat, war es dennoch falsch.

Darf man ein Flugzeug abschießen, das entführt wurde und auf ein Hochhaus gelenkt werden soll? Hier würden die meisten noch zustimmen. Aber was ist mit folgendem Beispiel: Bei einem Arzt sitzen drei Patienten, die bald sterben werden – der eine an Nierenversagen, der andere an einer Herzkrankheit und der dritte an Blutverlust. Im Wartezimmer befindet sich außerdem ein gesunder Mann. Nach der oberen Logik müsste der Arzt den Gesunden ausschlachten, um drei Leben zu retten. Immer noch einverstanden?

Es ist einfach unmöglich, hier eine Grenze zu ziehen, daher ist die Würde des Menschen absolut unantastbar und eine ganz klare moralische Richtlinie.

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