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Die Selbstgerechten

Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt

By Sahra Wagenknecht
  • Read in 13 minutes
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  • Contains 8 key ideas
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Die Selbstgerechten by Sahra Wagenknecht
Synopsis

Ist links heute noch wirklich links? Für die ehemalige Parteivorsitzende Der Linken Sahra Wagenknecht fällt die Antwort ernüchternd aus. Konzepte für soziale Gerechtigkeit findet sie kaum mehr vor, dafür jede Menge Diskussionen um Triggerwörter. Welche Folgen hat es, wenn sich Die Linke neuerdings vor allem auf Gendersternchen fokussiert und Fragen nach sozialer Herkunft zusehends außer Acht lässt? In den Blinks zu Die Selbstgerechten (2021) erfährst du es, denn hier fühlen wir dem linken Zeitgeist auf den Zahn. 

Key idea 1 of 8

Die vertanen Chancen Der Linken

Es ist schon ziemlich paradox: Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich mehr Sicherheit und sozialen Ausgleich durch einen Sozialstaat, außerdem Gleichberechtigung, Aufstiegschancen und Umweltschutz. Das alles sind klassische Programmpunkte der Linken. Trotzdem gelingt es den linken Parteien nicht, die breite gesellschaftliche Akzeptanz ihrer Ideen in tatsächliche Wählerstimmen umzumünzen. Linkspartei und Sozialdemokraten kommen zum Entstehungszeitpunkt dieses Buches zusammen gerade einmal auf ca. 25 Prozent. Stellt sich die Frage: Wenn linke Ideen so „in“ sind, wieso werden linke Parteien dann nicht gewählt?

Laut Sahra Wagenknecht gibt es dafür vor allem einen Grund: Die politische Linke hat ein Imageproblem. Viele Menschen verbinden Linkssein nicht mehr mit Gerechtigkeit, sondern mit Selbstgerechtigkeit. Links sind die, denen es selbst besser geht und die andere moralisch abwerten. 

Die traurige Wahrheit: Wer so denkt, liegt nicht vollkommen daneben. Links ist nicht mehr links. Die Linke hat die Seiten gewechselt. Sie kümmert sich nicht mehr um die Interessen ihrer ursprünglichen Wählerschaft – die Minderprivilegierten –, sondern hofiert stattdessen eine kleine Minderheit größtenteils Gutsituierter. Die neuen Linken haben mehr und mehr aus den Augen verloren, für wen sie eigentlich da sein sollten: Menschen in schlecht bezahlten Service-Jobs und aus der klassischen Mittelschicht, wie etwa Handwerker und Facharbeiter. Kurz: für alle, denen die gesellschaftliche Stimme fehlt.

Stattdessen stehen bei den heutigen linken Meinungsführern aus Politik und Medien Debatten um korrekte Sprache und Fragen des Lebensstils im Mittelpunkt. Soll man nun Flüchtlinge oder Geflüchtete sagen, Studenten oder Studierende? Und wie oft im Jahr darf man noch mit dem eigenen Auto in den Urlaub fahren?

Das alles wäre für Wagenknecht noch hinzunehmen, würden die Linken ihre Privilegien nicht für persönliche Tugenden halten und ihre eigene Weltsicht und Lebensweise zum Inbegriff von Progressivität und Verantwortung verklären. Viele Lifestyle-Linke strotzen nur so vor moralischer Überlegenheit. Diese Selbstzufriedenheit in Kombination mit ihrem Desinteresse für die Belange der Arbeiter macht sie für viele Arbeiterinnen und Menschen aus der Mitte heute unwählbar.

Fassen wir also zusammen: Die Linke nutzt ihre historische Chance der weiten Zustimmung nicht, da sie unterwandert ist von selbstgerechten Lifestyle-Linken, die gar nicht wirklich links sind.

Sich einmal selbstkritisch zu hinterfragen, wieso sie bestimmte Schichten überhaupt nicht mehr mobilisieren können, gelingt den Lifestyle-Linken nicht. Auch das zeigt, wie selbstgerecht sie sind – sie fühlen sich rundum wohl in ihrer eigenen Bubble. 

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